Die kurze Antwort vorweg: Mybet ist in Deutschland aktuell nicht mehr verfügbar. Im Januar 2024 wurden zuerst die stationären Mybet-Wettbüros geschlossen, kurz darauf ging auch der Online-Betrieb auf mybet.de offline. Restguthaben konnten Kunden bis zum 31. Mai 2024 auszahlen lassen. Was viele nicht wissen: Das ist bereits das zweite große Aus in der Mybet-Geschichte – nach der Insolvenz der mybet Holding SE im August 2018 hatte sich der Wettanbieter unter dem neuen Betreiber Rhinoceros Operations wieder aufgerappelt, im Juli 2021 sogar eine deutsche GGL-Lizenz erhalten. Doch der Wiederaufstieg hielt nicht lange. Hier die ehrliche Chronik, was passiert ist, was mit den Kundenguthaben geschah und welche Optionen Mybet-Stammkunden heute haben.
Quickfacts: Mybet-Chronik im Überblick
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1998 | Gründung als Fluxx.com (später Jaxx, dann Mybet) |
| 2009 | Umsatz-Höhepunkt mit ~115 Mio. € |
| August 2018 | Insolvenzantrag der mybet Holding SE |
| April 2019 | Übernahme durch Rhinoceros Operations (Malta) |
| Juli 2021 | Erhalt der deutschen GGL-Sportwetten-Lizenz |
| Januar 2023 | Lizenzverlängerung |
| Juni 2022 | Rückzug aus Österreich |
| Januar 2024 | Schließung aller Mybet-Wettbüros in Deutschland |
| Anfang 2024 | Online-Betrieb mybet.de eingestellt |
| 31. Mai 2024 | Letzte Frist für Restguthaben-Auszahlungen |
| 2026 | Mybet ist in Deutschland weiterhin nicht verfügbar |
Kapitel 1: Der erste Niedergang – Insolvenz 2018
Die Mybet Holding SE galt jahrzehntelang als einer der bekanntesten deutschen Buchmacher. Gegründet 1998 unter dem Namen Fluxx.com, später als Jaxx aktiv und schließlich als Mybet etabliert, betrieb das Unternehmen Sportwetten in mehreren europäischen Ländern.
Ab 2010 begann der schleichende Abstieg. Mehrere Faktoren spielten zusammen:
- Verschlafene Mobile-Strategie: Während Konkurrenten wie bwin oder bet365 früh in mobile Apps investierten, kam der Relaunch der Mybet-Webseite erst nach der EM 2016 – zu spät
- Regulatorische Konflikte: Verschiedene Länder mussten aufgegeben werden, weil Mybet die jeweiligen Lizenzanforderungen nicht erfüllen konnte
- Steuerschulden: Säumige Sportwettensteuern in Höhe von 4 Millionen Euro beim Finanzamt Frankfurt
- Gescheiterte Investoren-Verhandlungen: Im Sommer 2018 platzten die finalen Gespräche mit potenziellen Käufern
Am 17. August 2018 stellte der Vorstand beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg den Insolvenzantrag. Vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Sascha Feies von Görg.
Wichtig damals: Da das operative Wett- und Casinogeschäft über die maltesische Tochtergesellschaft abgewickelt wurde, waren Kundenguthaben durch die Maltese Gaming Player Protection Regulation gesichert – das Geld floss nicht in die Insolvenzmasse.
Kapitel 2: Das Comeback – Rhinoceros und die GGL-Lizenz
Im April 2019 übernahm die maltesische Rhinoceros Operations Ltd. die Marke Mybet. In Deutschland war der Betrieb über die RULEO Alpenland AG (später RULEO Alpenland GmbH) organisiert. Das Versprechen: ein seriöser Neustart mit deutscher Lizenz.
Im Juli 2021 wurde dieses Versprechen eingelöst. Mybet erhielt eine der ersten neuen deutschen Sportwetten-Lizenzen, die nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 vergeben wurden – ausgestellt vom Regierungspräsidium Darmstadt. Die Lizenz wurde im Januar 2023 verlängert.
In dieser Phase präsentierte sich Mybet als solider Mittelständler mit:
- 200 % Einzahlungsbonus bis 100 € für Neukunden
- Native iOS- und Android-App
- 24/7 Live-Chat-Support
- Stark im Bereich Bundesliga-Wetten
- Quotenschlüssel im Spitzenfußball bei rund 97 %
Im Juni 2022 zog sich Mybet aus Österreich zurück – ein erstes Warnsignal. Aber der deutsche Markt schien zunächst stabil zu laufen.
Kapitel 3: Die zweite Schließung 2024
Im Januar 2024 kam die nächste Bombe. Erst wurden die stationären Mybet-Wettbüros deutschlandweit geschlossen. Kurz darauf folgte die Online-Plattform mybet.de.
Kommunizierte Gründe:
- Strategische Neuausrichtung – offiziell der Fokus auf den Online-Bereich, der dann selbst eingestellt wurde
- Steigende regulatorische Anforderungen durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021
- Unprofitabilität der stationären Wettbüros gegenüber der Online-Konkurrenz
Spekulierte Gründe (offiziell nicht bestätigt):
- Lizenz-Konflikte mit der GGL: Vermutet wird, dass die deutsche Aufsichtsbehörde Auflagen gestellt hat, die Mybet nicht erfüllen konnte oder wollte
- Wirtschaftliche Schieflage: Trotz Lizenz blieb der Erfolg im hochkompetitiven deutschen Markt offenbar aus
Mybet selbst kommunizierte zur Schließung sehr zurückhaltend. Zur konkreten Lizenzsituation gab es keine offizielle Stellungnahme.
Auszahlungsfrist: Bestehende Kundenguthaben konnten bis 31. Mai 2024 ausgezahlt werden. Wer diese Frist verpasst hat, muss sich an die Support-Adresse unter [email protected] wenden – Bearbeitung im Einzelfall.
Was Mybet-Kunden heute tun können
Wer noch Restguthaben hat:
- E-Mail an die ehemalige Support-Adresse mit Konto-Daten und Auszahlungsanfrage
- Bei keiner Reaktion: Verbraucherzentrale einschalten
- In schweren Fällen: Beschwerde bei der GGL als Aufsichtsbehörde
- Bei Beträgen über 750 €: Anwaltliche Beratung erwägen
Wer einen vergleichbaren Anbieter sucht:
- Tipico: Marktführer in Deutschland, breites Angebot, Bundesliga-Schwerpunkt – ähnliches Profil wie Mybet zur Hochzeit
- bet365: Internationaler Schwergewicht, weltweit größter Buchmacher mit deutscher GGL-Lizenz
- Betway: Solide Plattform mit MGA- und GGL-Lizenz, gutes Live-Wetten-Angebot
- NEO.bet: Deutscher Anbieter mit innovativen Quotenboost-Aktionen
- Interwetten: Traditionsanbieter mit hoher Seriosität
Wichtiger Hinweis: Vorsicht bei „Mybet ist zurück“-Werbung
Im Internet kursieren immer wieder Behauptungen, Mybet sei wieder am Start. Stand 2026: Mybet ist in Deutschland NICHT verfügbar. Wer auf Werbeangebote stößt, die ein vermeintliches Mybet-Comeback bewerben, sollte mehrere Punkte prüfen:
- GGL-Lizenz vorhanden? Auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder einsehbar
- Domain mybet.de aktiv? Direkt prüfen – wenn die Originaldomain nicht erreichbar ist, sind alternative „Mybet“-Domains keine offiziellen Angebote
- Lizenznummer überprüfen: Bei deutschen Anbietern muss eine deutsche Lizenznummer im Footer stehen
In den meisten Fällen handelt es sich bei „Mybet“-Werbung außerhalb Deutschlands um internationale Anbieter, die unter ähnlichem Namen werben oder sogar Phishing-Versuche mit ähnlichen Domain-Namen.
Was die Mybet-Geschichte zeigt
Zwei Schließungen innerhalb von sechs Jahren – das ist auch in der hart umkämpften Sportwett-Branche ungewöhnlich. Mehrere Lehren lassen sich ziehen:
Für Spieler: Auch Anbieter mit Tradition und Lizenz können kurzfristig vom Markt verschwinden. Wer größere Beträge bei einem Anbieter parkt, sollte das Spielerschutz-System (Maltese Gaming Player Protection, deutsche GGL) kennen.
Für die Branche: Der deutsche Markt ist seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 deutlich härter geworden. Die 5,3-%-Wettsteuer, die 1.000-€-Einzahlungsgrenze und die 1-€-Spin-Limits machen es schwer, mit kleinerem Marktanteil profitabel zu wirtschaften.
Für Sportwetten24: Wir verlinken nur Anbieter, die aktuell verfügbar und GGL-lizenziert sind. Auch wenn ein Anbieter wie Mybet jahrelang im Vergleich gut abschnitt – wenn das Geschäft eingestellt wird, verschwindet der Anbieter aus unserer Empfehlungsliste.
Hinweis zum verantwortungsvollen Spielverhalten: Glücksspiel kann süchtig machen. Wer wegen der Mybet-Schließung enttäuscht ist und schnell zu einem alternativen Anbieter wechseln möchte, sollte einen Moment innehalten – die Pause kann eine gute Gelegenheit sein, das eigene Spielverhalten zu reflektieren. Hilfe und Beratung gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter 0800 1 37 27 00 (kostenfrei, anonym) sowie auf check-dein-spiel.de.

