WM 2026: Laufen die Spiele im Live-Stream bei Wettanbietern?

Simon Schneider | am: 13.01.26
Nick Woltemade und die deutsche Nationalmannschaft haben bei der WM 2026 große Ziele. Bei einigen Wettanbietern werden die WM-Spiele auch im Livestream zu sehen sein.

Die FIFA geht neue Wege in der Vermarktung ihrer Turniere und setzt dabei verstärkt auf die Glücksspielbranche. Der Weltverband hat einen langfristigen Vertrag mit dem US-Unternehmen „Stats Perform“ geschlossen, der es Wettanbietern ermöglicht, Spiele der Weltmeisterschaften per Livestream auf ihren Plattformen zu zeigen.

Wie die FIFA am Montag bekannt gab, wurde „Stats Perform“ zum ersten offiziellen globalen Dienstleister für Wettdaten und zugehörige Streamingrechte ernannt. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago, das einer Investorengruppe aus dem US-Bundesstaat Texas gehört, soll künftig offizielle Spieldaten aus FIFA-Wettbewerben an lizenzierte Wettanbieter weitergeben.

Neuer Daten- und Streamingpartner der FIFA

Die Online-Buchmacher dürfen auf dieser Basis nicht nur Quoten anbieten, sondern auch Liveübertragungen ausgewählter Partien zeigen.

Zum Paket gehören unter anderem die Männer-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sowie die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Nach Angaben der FIFA ist der Vertrag auf vier Jahre angelegt. Über die finanziellen Details hüllte sich der Verband jedoch in Schweigen.

Live-Wetten und steigende Suchtgefahr

Die FIFA wirbt im Zusammenhang mit dem Deal mit besonders schnellen und präzisen offiziellen Spieldaten, die vor allem für Live-Wetten genutzt werden. Genau diese Wettform gilt unter Fachleuten als besonders riskant. Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass der Anteil von Menschen mit problematischem Spielverhalten gerade bei Live-Sportwetten überdurchschnittlich hoch ist.

Zahlen aus Deutschland verdeutlichen die Dimension: Laut dem Jahrbuch „Sucht 2025“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen setzte die regulierte Glücksspielbranche 2023 rund 63,5 Milliarden Euro um – ein Plus von fast 20 Prozent. Gleichzeitig galten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 4,55 Millionen Erwachsene als spielsüchtig oder zumindest gefährdet, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. Die Folgen reichen von finanziellen Engpässen bis hin zu schweren Belastungen für Familien und Partnerschaften.

Legalisierung und massive Werbung

Dass Glücksspiel und Sportwetten heute so präsent sind, hängt auch mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 zusammen. Er erlaubte nicht nur das Angebot, sondern auch die Werbung für Sportwetten. Der Psychologe Tobias Hayer kritisierte Ende 2025, es gebe kaum ein anderes potenziell süchtig machendes Produkt, das derart intensiv beworben werde. Wettanbieter sind auf Trikots, in Stadien und im Fernsehen allgegenwärtig.

Auch die UEFA, nationale Verbände wie DFB und DFL sowie die Mehrheit der Profiklubs arbeiten längst mit der Branche zusammen. Nach Angaben der UEFA stellen Glücksspiel- und Wettunternehmen mit rund 15 Prozent den größten Sponsorenanteil bei europäischen Vereinen. In Ländern wie England, Portugal oder Belgien dominieren sie sogar die Trikotwerbung. Die FIFA hatte sich lange zurückgehalten, dürfte nun aber ebenfalls erhebliche Einnahmen erzielen.

DFB verweist auf Kampf gegen den Schwarzmarkt

Der Deutsche Fußball-Bund verteidigt diese Kooperationen. Auf Anfrage erklärte der Verband im Herbst 2025, man arbeite ausschließlich mit in Deutschland zugelassenen Anbietern zusammen und halte sich strikt an geltendes Recht. Eine kontrollierte Bewerbung legaler Wettangebote trage zudem dazu bei, illegale Märkte zurückzudrängen.

Welche konkreten Anbieter vom neuen FIFA-Vertrag profitieren werden, ist bislang nicht öffentlich. Bekannt ist lediglich, dass zumindest ein Partner von „Stats Perform“ in Deutschland offiziell lizenziert ist. Gleichzeitig verbietet der FIFA-Ethikkodex Spielern, Trainern und Funktionären jede direkte oder indirekte Beteiligung an Wetten im Zusammenhang mit Fußball.

FIFA+ und der Blick nach Saudi-Arabien

Der Deal betrifft nicht nur Weltmeisterschaften. Auch Spiele von der FIFA-eigenen Plattform „FIFA+“ sollen Wettanbietern zur Verfügung stehen. Die Initiative „Play the Game“ hatte zuletzt aufgedeckt, dass nicht lizenzierte Anbieter diese Plattform nutzen, um weltweit Live-Wetten auf Partien niedriger Ligen anzubieten.

Parallel plant die FIFA einen umfassenden Umbau von „FIFA+“. Gemeinsam mit DAZN soll ein globales Fußball-Zentrum entstehen. Brisant ist dabei, dass DAZN 2025 einen milliardenschweren Einstieg einer Tochter des saudi-arabischen Staatsfonds PIF bekannt gab und kurz darauf massiv in FIFA-Rechte investierte. Saudi-Arabien wiederum wurde Ende 2024 ohne Gegenkandidaten zum Gastgeber der WM 2034 bestimmt – ein weiteres Kapitel in der wachsenden wirtschaftlichen und politischen Verflechtung des Weltfußballs.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen