
Vier Monate des Wartens, Zweifelns und Leidens fanden in der MEWA ARENA endlich ein Ende. Der 1. FSV Mainz 05 hat das Kellerduell gegen den 1. FC Heidenheim mit 2:1 gewonnen und damit nicht nur den letzten Tabellenplatz verlassen, sondern auch ein wichtiges Signal im Abstiegskampf gesendet.
Es war zugleich der erste Bundesliga-Sieg unter dem neuen Cheftrainer Urs Fischer – und ein weiterer Beleg dafür, dass der Schweizer bereits einen spürbar positiven Effekt auf Mannschaft und Umfeld entfaltet hat.
Fischers Handschrift wird sichtbar
Seit Anfang Dezember steht Fischer an der Seitenlinie, und auch wenn die Ergebnisse zunächst auf sich warten ließen, war zuletzt eine klare Entwicklung erkennbar.
Nach dem bitteren 2:2 bei Union Berlin, als Mainz eine 2:0-Führung verspielt hatte, forderte der 59-Jährige volle Konzentration und Mentalität. Vor dem Heidenheim-Spiel sprach Fischer von einer Partie mit „Finalcharakter“, in der es weniger um Schönheit als um Widerstandskraft gehen würde. Genau das setzte seine Mannschaft um.
Geduldsspiel mit Führung zur Pause
Die Anfangsphase spiegelte die Bedeutung der Partie wider: Beide Teams agierten vorsichtig, Fehler sollten unbedingt vermieden werden. Torchancen blieben Mangelware, einzig ein wuchtiger Distanzschuss von Nikolas Veratschnig sorgte früh für Aufsehen.
Mit zunehmender Spieldauer gewann Mainz jedoch an Sicherheit. Kapitän Silvan Widmer belohnte den engagierten Auftritt in der 30. Minute mit dem Führungstor – nicht spektakulär, aber hochverdient. Die Arena explodierte, die Erleichterung war greifbar.
Abstiegskampf pur nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich, wie sehr Fischer seiner Elf neues Selbstvertrauen eingehaucht hat. Mainz blieb aktiv, suchte den Weg nach vorne und erhöhte durch Nadiem Amiri kurz nach Wiederanpfiff auf 2:0.
In dieser Phase lag sogar das dritte Tor in der Luft. Doch der Abstiegskampf hat seine eigenen Gesetze: Heidenheim kam durch Stefan Schimmer zurück ins Spiel, und plötzlich begann das große Zittern.
Nervenstärke statt Zusammenbruch
Gerade in diesem Moment zeigte sich der Fortschritt unter Fischer. Wo Mainz in den vergangenen Wochen eingebrochen wäre, stemmte sich die Mannschaft nun geschlossen gegen den Druck. Widmer gab später zu, dass Erinnerungen an das jüngste Spiel bei Union kurz aufgeblitzt seien.
Doch diesmal blieb das Team stabil, warf sich in jeden Zweikampf und verteidigte den Vorsprung mit Leidenschaft – und auch mit etwas Glück.
Ein Sieg mit Signalwirkung
Mit dem Schlusspfiff entlud sich der aufgestaute Druck. Der erste Heimsieg seit Februar, der erste Liga-Dreier seit Mitte September, Tabellenplatz 16 statt 18 – all das machte diesen Abend besonders.
Fischer betonte anschließend, wie wichtig solche Erfolgserlebnisse für eine verunsicherte Mannschaft seien. Das Selbstverständnis müsse man sich zurückerarbeiten, erklärte er sinngemäß, und das gehe nur über Siege. Dieser sei ein erster, aber enorm wichtiger Schritt.
Neue Energie durch neuen Trainer
Auch Neuzugang Phillip Tietz sprach von großer Erleichterung. Man habe gespürt, wie sehr Fans und Mannschaft auf diesen Moment hingearbeitet hätten. Die akribische Arbeit des Trainerteams habe sich ausgezahlt, sagte der Angreifer, der sich zunehmend besser ins Spiel einbindet. Vor allem die zweite Halbzeit habe gezeigt, dass die Abläufe greifen.
Urs Fischer hat Mainz 05 in kurzer Zeit stabilisiert – mental wie taktisch. Der Sieg gegen Heidenheim war mehr als nur ein Dreier: Er war ein Hoffnungsschimmer. Und vielleicht der Beginn einer Trendwende im Kampf um den Klassenerhalt.