
Der 1. FC Union Berlin bleibt sich treu – und das nicht nur auf dem Platz. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Steffen Baumgart setzt der Klub bewusst auf Kontinuität und Identifikation. Der 54-Jährige passt wie kaum ein anderer Trainer zum Selbstverständnis der Köpenicker: bodenständig, klar, emotional – und inzwischen auch ohne große Inszenierung. Genau dieser Typ Baumgart ist es, der Union derzeit Stabilität gibt und sportlich wieder in ruhiges Fahrwasser geführt hat.
Baumgart hatte das Traineramt im Januar 2025 übernommen, als Union sich in einer schwierigen Phase befand. Der frühere Union-Spieler brachte sofort Ordnung, Struktur und vor allem Ruhe in eine verunsicherte Mannschaft.
Das Ergebnis: Nach 16 Bundesliga-Spielen stehen die Berliner mit 22 Punkten auf Rang neun – solide, unspektakulär, aber effektiv. Schönheitspreise gewinnt Union weiterhin nicht, doch die Resultate stimmen. Und genau das zählt an der Alten Försterei.
Ein Trainer, der Union lebt
Von Beginn an war spürbar, dass Baumgart mehr ist als nur ein weiterer Coach. Er kennt den Verein, er versteht die Mentalität – und er identifiziert sich voll mit dem Weg des Klubs. „Mir war wichtig, dass wir hier gemeinsam arbeiten, mit Vertrauen und einer klaren Vorstellung davon, wie wir Fußball spielen wollen“, erklärte Baumgart nach der Vertragsverlängerung sinngemäß.
Union stehe für Zusammenhalt, für eine klare Haltung und für konsequentes Arbeiten – Werte, mit denen er sich vollständig identifiziere. Auf dieser Grundlage sei in den vergangenen Monaten eine stabile Basis entstanden, die weiterentwickelt werden solle.
Lob aus der Klubführung
Auch die sportliche Leitung zeigt sich überzeugt vom eingeschlagenen Weg. Geschäftsführer Horst Heldt betonte, dass Baumgart die Mannschaft in einer heiklen Situation übernommen habe. „Er hat es geschafft, dem Team schnell Struktur, Sicherheit und Orientierung zu geben“, lobte Heldt.
Die Entwicklung der vergangenen Monate spreche für sich. Besonders positiv: das geschlossene Arbeiten innerhalb des Klubs – auf dem Trainingsplatz ebenso wie hinter den Kulissen. Für Union sei deshalb klar gewesen, diesen Weg gemeinsam fortzusetzen.
Pragmatismus statt Fußball-Feuerwerk
Dass Union unter Baumgart keinen filigranen Ballbesitzfußball spielt, ist kein Geheimnis – und auch kein Widerspruch zur Klubphilosophie.
Präsident Dirk Zingler machte zuletzt deutlich, dass es bei Union nicht um Ästhetik, sondern um Erfolg im Rahmen der eigenen Möglichkeiten gehe. Forderungen nach „schönerem“ Fußball wies er klar zurück. Union setze bewusst auf pragmatischen, risikominimierten Fußball, der zur wirtschaftlichen Realität des Vereins passe. Spielerische Entwicklung ja – aber nicht um den Preis, die eigene Identität zu verlieren.
Baumgart: Gereift durch Köln und den HSV
Auffällig ist zudem, wie sehr sich Baumgart selbst verändert hat. Aus seinen Stationen beim 1. FC Köln und beim Hamburger SV hat er gelernt. Die große Show, die provokanten Auftritte an der Seitenlinie – all das ist deutlich weniger geworden. Baumgart stellt sich nicht mehr permanent selbst in den Mittelpunkt, sondern die Mannschaft. Diese neue Gelassenheit kommt an – intern wie extern.
Der neue Vertrag ist der verdiente Lohn für diese Entwicklung. Steffen Baumgart steht für Union Berlin: kompromisslos im Ansatz, pragmatisch im Spiel und voll identifiziert mit dem Verein. Es ist keine Liebesgeschichte mit großen Worten – sondern eine Arbeitsbeziehung, die genau deshalb so gut funktioniert.