Handball-EM: Warum Deutschland vs. Österreich ein Hass-Duell wird

Simon Schneider | am: 14.01.26
Es wird wohl ziemlich hitzig und giftig, wenn Deutschland am Donnerstag bei der Handball-EM auf Österreich trifft

Schon vor dem ersten Anpfiff der Europameisterschaft knistert es zwischen Deutschland und Österreich. Im gemeinsamen EM-Quartier in Dänemark flogen zuletzt nicht nur freundliche Grüße über den Flur, sondern auch verbale Spitzen. Auslöser war eine pointierte Aussage von DHB-Keeper Andreas Wolff, der den Spielstil der Österreicher als „Anti-Handball“ scharf kritisierte – ein Satz, der im Handballlager schnell die Runde machte und das Nachbarschaftsduell zusätzlich auflud.

Die Reaktion aus dem Alpenland ließ nicht lange auf sich warten. Nikola Bilyk, Rückraumass und Führungsspieler der Österreicher, erklärte selbstbewusst, dass solche Worte eher motivieren als einschüchtern würden.

Für das Eröffnungsspiel am Donnerstagabend in Herning ist damit klar: Es geht nicht nur um zwei Punkte, sondern auch um Prestige, Stolz und die erste Standortbestimmung eines ambitionierten deutschen Teams.

Ein Auftakt mit Signalwirkung

Für die DHB-Auswahl steht zum Turnierstart direkt viel auf dem Spiel. Zehn Jahre nach dem EM-Triumph von 2016 soll die Mission Edelmetall früh Fahrt aufnehmen. Bundestrainer Alfred Gislason mahnt jedoch zur Vorsicht.

Die überzeugenden Testsiege gegen Kroatien seien zwar gut für das Selbstvertrauen gewesen, hätten aber keinerlei Bedeutung mehr, sobald der Ball bei der EM fliegt. Österreich beschreibt der Isländer als unangenehmen Gegner, der gerne lange Angriffe ausspielt und das Tempo verschleppt. Deutschlands Ansatz sei klar: hohes Tempo, konsequenter Stil, keine Anpassung an den Gegner.

Österreich als unbequemer Prüfstein

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, warum Gislasons Warnung berechtigt ist. Österreich erwies sich zuletzt mehrfach als Stolperstein.

In der EM-Qualifikation kam Deutschland in Wien nicht über ein Remis hinaus, bei der vergangenen Europameisterschaft trennten sich beide Teams ebenfalls unentschieden. Nun kommt die zusätzliche Brisanz durch Wolffs Aussagen hinzu, der den Spielstil des Nachbarn als wenig attraktiv bezeichnet hatte. Bilyk konterte gelassen und machte deutlich, dass ein Erfolg gegen Deutschland absolut im Bereich des Möglichen liege.

Neue Breite, neues Selbstverständnis

Trotz aller Reizthemen reist Deutschland mit Optimismus an. Nach dem enttäuschenden WM-Viertelfinale im Vorjahr sieht sich der Olympia-Zweite personell deutlich besser aufgestellt. Vor allem die Tiefe des Kaders gilt als große Stärke. Wolff selbst spricht von der vielleicht besten Nationalmannschaft, in der er je gespielt habe – eine Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern und hungrigen Talenten.

Gleich sieben Akteure sind 23 Jahre oder jünger, darunter mehrere U21-Weltmeister. Spieler wie Renars Uscins oder Marko Grgic stehen sinnbildlich für den Generationenwechsel. Kaum ein anderes Topteam bringt so viel Jugend auf die Platte, ohne an Qualität einzubüßen. Besonders die defensive Variabilität wird intern als möglicher Trumpf gesehen – die Bank könnte zum entscheidenden Faktor werden.

Titelträume mit Bonus

Ein erfolgreicher EM-Auftritt hätte für die DHB-Männer nicht nur sportlichen, sondern auch finanziellen Wert. Der Verband hat ein gestaffeltes Prämiensystem beschlossen, das bereits die Vorrunde honoriert. Der ganz große Anreiz wartet jedoch am Ende: Der erste EM-Titel seit 2016 würde eine Gesamtprämie von bis zu 600.000 Euro bedeuten.

Diese Vereinbarung wurde zwischen Verbandsführung und Mannschaftsrat ausgehandelt und soll sowohl der sportlichen Bedeutung des Turniers als auch der schweren Vorrundengruppe Rechnung tragen. Für Deutschland zählt zum Auftakt jedoch nur eines: ein überzeugender Start gegen einen Gegner, der sich längst nicht als Außenseiter sieht.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen