Neuer Vertrag für Schweinsteiger: Ist das Euer Ernst, ARD?

Simon Schneider | am:
Rhetorisch und intellektuell überfordert, als TV-Experte eine absolute Fehlbesetzung: Bastian Schweinsteiger.

Ein Kommentar von Redakteur Simon Schneider

Es gibt Personalentscheidungen, die muss man nicht verstehen. Und dann gibt es solche, die man nicht einmal mehr ernst nehmen kann. Die Verlängerung des Vertrags von Bastian Schweinsteiger als TV-Experte bei der ARD gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ernsthaft, ARD? Das ist also euer Verständnis von Expertise, Analyse und öffentlich-rechtlichem Auftrag?

Niemand stellt infrage, dass Bastian Schweinsteiger ein herausragender Fußballer war. Weltmeister, Champions-League-Sieger, Führungsspieler – alles richtig. Aber genau hier liegt der Denkfehler, den die ARD offenbar bis heute nicht begreift:

Eine große Spielerkarriere qualifiziert nicht automatisch für eine analytische Rolle im Fernsehen. Schon gar nicht für eine, die mit dem Anspruch „Experte“ verkauft wird und von Millionen Gebührenzahlern finanziert wird.

Schweinsteiger hat den modernen Fußball nicht verstanden

Was Schweinsteiger seit Jahren vor der Kamera abliefert, ist nicht Analyse, sondern ein Sammelsurium aus Phrasen, Banalitäten und gedanklichen Kurzschlüssen. Moderner Fußball ist komplex, schnell, hochgradig taktisch geprägt. Pressingstrukturen, Halbräume, Restverteidigung, Spielaufbau unter Gegnerdruck – all das sind Themen, die ein heutiger Experte zumindest erkennen, im Idealfall erklären sollte.

Bei Schweinsteiger hat man dagegen regelmäßig den Eindruck, er kommentiere den Fußball von vor 20 Jahren. Seine „Analysen“ wirken, als sei die Zeit nach dem WM-Triumph 2014 stehen geblieben.

Gestammelte Plattitüden

Besonders entlarvend wird es, wenn er tatsächlich um eine Einschätzung während des Spiels gebeten wird. Dann kommen Sätze, die eher nach Stammtisch als nach Studio klingen: Ein Team liegt zurück? Dann „muss man jetzt ein Tor machen“.

Der Gegner steht tief? Dann „braucht man Lösungen“. Das ist keine Expertise, das ist die verbale Version eines Schulterzuckens. Solche Aussagen könnte jeder halbwegs interessierte Fan aus der Kurve liefern – kostenlos.

Intellektuell und rhetorisch überfordert

Hinzu kommt, dass Schweinsteiger nicht einmal im Ansatz in der Lage scheint, Spielsysteme oder taktische Anpassungen zu erkennen. Dreierkette oder Viererkette, mannorientiertes Pressing oder Raumdeckung – all das bleibt meist unerwähnt oder wird maximal gestreift, ohne je wirklich erklärt zu werden.

Stattdessen hangelt er sich von Allgemeinplatz zu Allgemeinplatz, oft begleitet von einem Nuscheln und Stottern, das seine Aussagen noch unverständlicher macht. Gedanken werden begonnen, abgebrochen, neu angesetzt – ein roter Faden ist selten erkennbar.

Jede Parade von Neuer ist immer sofort „Weltklasse“

Besonders unangenehm ist seine auffällige Befangenheit gegenüber ehemaligen Mitspielern. Wenn Manuel Neuer einen soliden, aber unspektakulären Ball hält, ist das bei Schweinsteiger zuverlässig „Weltklasse“. Differenzierung? Fehlanzeige. Kritik? Quasi nicht existent.

Wer als Experte auftreten will, muss Distanz wahren können – auch und gerade zu alten Weggefährten. Schweinsteiger kann oder will das nicht. Das Ergebnis ist eine weichgespülte Wohlfühl-Kommentierung, die niemandem wehtut, aber eben auch niemandem etwas bringt.

Rhetorisch bewegt sich das Ganze auf erschreckend niedrigem Niveau. Schweinsteiger ringt sichtbar mit der Sprache, findet keine präzisen Begriffe, keine klaren Bilder, keine zugespitzten Gedanken. Für ein Sportmagazin wäre das zu wenig, für einen Fan-Podcast grenzwertig – für die ARD ist es offenbar ausreichend. Und genau das ist das eigentliche Problem.

Horrendes Honorar

Denn Schweinsteiger verdient für diese Auftritte ein Gehalt, das in keinem Verhältnis zur gebotenen Leistung steht. Dieses Geld stammt nicht von Sponsoren oder privaten Sendern, sondern aus Rundfunkgebühren. Gebühren, die eigentlich dazu dienen sollen, Qualität, Einordnung und Mehrwert zu liefern. Was hier geboten wird, ist das Gegenteil: inhaltsleeres Gerede, verkauft als Expertise.

Die Vertragsverlängerung ist deshalb nicht nur eine Personalentscheidung, sie ist ein Statement. Ein Statement dafür, dass große Namen wichtiger sind als große Inhalte. Dass Prominenz Analyse schlägt. Und dass man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk offenbar glaubt, Fußball sei so simpel, dass man ihn nicht erklären muss.

Ernsthaft, ARD? Das ist euer Anspruch? Dann braucht man sich über Kritik wirklich nicht mehr zu wundern. Zumal es – siehe Thomas Broich – ja auch wohltuende Gegenbeispiele gibt.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen