
Als Edin Džeko in dieser Woche zum ersten Mal das königsblaue Trikot überstreifte, fühlte es sich an wie eine Zeitreise. Viele Anhänger dachten sofort zurück an Raúl – jenen Weltstar, der einst nach Gelsenkirchen kam und dort mehr fand als nur einen Verein. Auch jetzt wieder weht dieser besondere Hauch durch die Arena: Ein internationaler Name entscheidet sich bewusst für Schalke. Und das, obwohl der Klub aktuell „nur“ Zweitligist ist.
Genau das macht diesen Transfer so außergewöhnlich. Ein Spieler mit Džekos Vita, mit Stationen in Wolfsburg, Manchester, Rom und zuletzt Florenz, wechselt nicht aus Bequemlichkeit in die 2. Bundesliga. Er kommt, weil ihn etwas anzieht. Weil Schalke trotz sportlicher Rückschläge eine Wucht geblieben ist – emotional, historisch, menschlich.
Dzeko: „Nicht alle haben es verstanden“
Raúl sagte einst zum Abschied sinngemäß, dieser Klub und seine Anhänger seien unvergleichlich, so eine Nähe habe er nirgendwo sonst erlebt. Schon bei seiner Ankunft war er von einer Welle der Zuneigung getragen worden. Genau dieses Gefühl scheint nun auch Džeko gespürt zu haben.
Bei seiner Vorstellung sprach der Bosnier nicht über Tabellen oder Verträge, sondern über ein Ziehen in der Brust. Mehrmals klopfte er sich aufs Herz, als er erklärte, dass Schalke ihn schon lange berühre. Viele in seinem Umfeld hätten seinen Wunsch zunächst nicht verstanden, erzählte er lächelnd. Für ihn aber sei klar gewesen: Seit seinen Bundesliga-Tagen habe ihn die Atmosphäre in Gelsenkirchen nie losgelassen – dieses Stadion, diese Lautstärke, diese Leidenschaft.
Dass ein Spieler selbst den ersten Schritt macht, ist im heutigen Geschäft selten geworden. Doch genau das soll hier passiert sein. Džeko wollte nach Schalke. Nicht irgendwann – jetzt.
Wenn Schalke ruft, hört die Fußballwelt zu
Wer einmal in der Arena gespielt hat, vergisst das nur schwer. Džeko erinnert sich noch gut an einen Abend im September 2009, als er mit Wolfsburg in Gelsenkirchen traf und doppelt traf. Damals war er der gefeierte Gäste-Stürmer. Nun will er auf derselben Bühne für die Heimmannschaft Tore schießen – mit einem großen Ziel: Aufstieg.
Dabei weiß er genau, für wen er spielt. Für Fans, die ihrem Klub treu bleiben, egal in welcher Liga. Schalke ist kein Verein, den man nebenbei unterstützt. Schalke ist eine Identität.
Ein Komiker formulierte es einmal überspitzt: Egal, wo auf der Welt man schlecht über Schalke rede, irgendwo stehe garantiert ein Fan auf, um zu widersprechen. Übertrieben? Vielleicht. Aber es beschreibt die weltweite, leidenschaftliche Anhängerschaft ziemlich treffend. Ein früherer Präsident verglich die Schalker einmal mit Spatzen – überall zu finden, immer in Schwärmen.
Diese Strahlkraft reicht tief in die Profiszene hinein. Immer wieder bekennen aktive Spieler ihre besondere Verbindung zu Königsblau. Einer sagte kürzlich, es sei der größte Schmerz seiner Laufbahn gewesen, Schalke verlassen zu müssen. Sein Traum sei es, noch einmal als Profi in der Arena aufzulaufen – sollte der Verein anklopfen, würde er sofort zuhören.
Rational kann man Schalke nicht erklären
Im Revier spricht man augenzwinkernd vom Schalke-Virus. Wer ihn einmal hat, wird ihn nicht mehr los. Ganze Familien leben diese Leidenschaft über Generationen. Ein aktueller Zweitligaprofi aus dem Westen wuchs in genau so einem Haushalt auf – von den Großeltern bis zu den Geschwistern alle Schalker. Selbst als Gegner schaut er freitagabends lieber ein Schalke-Spiel, als etwas anderes zu tun.
Auch heutige S04-Profis waren früher Fans auf der Tribüne. Manche fuhren nach eigenen Spielen quer durchs Land, nur um anschließend in der Nordkurve zu stehen und ihre Mannschaft anzufeuern. Diese emotionale Bindung ist im modernen Fußball selten geworden – auf Schalke ist sie Alltag.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ein Weltstürmer mit 38 Jahren nicht nur auf Karriereplanung hört, sondern auf sein Gefühl. Warum er sich für einen Traditionsklub im Neuaufbau entscheidet. Und warum die Hoffnung in Gelsenkirchen plötzlich wieder größer klingt.