FIFA: Infantino-Spruch lässt englische Fußballfans wüten

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 2 Min. Lesezeit
Hat mit einem blöden Witz ganz Fußball-England in Aufruhr versetzt: FIFA-Boss Gianni Infantino.

Gianni Infantino hat mal wieder für Wirbel gesorgt – und diesmal nicht wegen Reformen oder Turnierplänen, sondern wegen eines flapsigen Kommentars. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach der FIFA-Präsident über die WM 2022 in Katar und wollte offenbar einen humorvollen Punkt setzen. In Großbritannien kam das allerdings gar nicht gut an. Neben Fans meldete sich nun sogar die Polizei zu Wort.

Infantino hatte die Sicherheit beim Turnier in Katar gelobt und betont, es habe „so gut wie keine Zwischenfälle“ gegeben. Als Beleg schob er hinterher, erstmals sei bei einer WM kein britischer Fan festgenommen worden – das sei doch etwas „wirklich Bemerkenswertes“. Was als lockerer Seitenhieb gedacht gewesen sein dürfte, löste auf der Insel Kopfschütteln aus.

Englische Polizei widerspricht deutlich

Mark Roberts, Leiter der britischen Polizeieinheit für Fußballangelegenheiten, reagierte ungewohnt klar. Die Aussagen des FIFA-Präsidenten seien vielleicht als Scherz gemeint gewesen, erklärte er, aber weder hilfreich noch sachlich korrekt. Vor allem störte ihn die implizite Darstellung britischer Fans als regelmäßige Problemverursacher.

Roberts konterte mit Zahlen. Bei der WM in Katar habe es tatsächlich keine Festnahmen britischer Fans gegeben – allerdings sei das keine historische Ausnahme, sondern eher Normalität. In Russland 2018 wurden lediglich drei britische Anhänger festgenommen, und das wegen Bagatellen. 2014 in Brasilien waren es 15, darunter mehrere Fälle von Ticket-Schwarzhandel. 2010 in Südafrika registrierte man sieben kleinere Delikte.

Angesichts der riesigen Reisewellen zu Weltmeisterschaften sei das laut Roberts ein sehr niedriger Wert. Viele andere Nationen stellten Gastgeberländer regelmäßig vor deutlich größere Herausforderungen. Gute Fan-Kultur sei bei britischen Anhängern eher die Regel als die Ausnahme.

Fans kontern mit Ticket-Frust

Doch nicht nur die Polizei fühlt sich von Infantinos Worten vor den Kopf gestoßen. Auch die Football Supporters’ Association reagierte scharf. Wenn der FIFA-Chef schon über britische Fans spreche, solle er sich lieber mit erschwinglichen Eintrittspreisen beschäftigen, statt Witze auf ihre Kosten zu machen, hieß es sinngemäß in einer Stellungnahme.

Hintergrund ist die wachsende Kritik an den Ticketpreisen für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. In mehreren europäischen Ländern sorgen die Summen für Unmut. Infantino räumte selbst ein, dass die Karten kein Schnäppchen seien. Besonders viel Gegenwind bekomme er aus Deutschland und England, sagte er – verteidigte die Preisgestaltung jedoch mit der enormen Nachfrage.

Nach Angaben des FIFA-Präsidenten führen die USA aktuell die Liste der Ticketanfragen an, gefolgt von Deutschland und England. Er zeigte sich überzeugt, dass sämtliche Spiele ausverkauft sein werden. Konkrete Zahlen zur Verteilung auf die 104 Partien im kommenden Sommer sind allerdings bislang nicht veröffentlicht.

Während Infantino also Optimismus verbreitet, wächst andernorts die Kritik – sportlich, politisch und nun auch ordnungshüterisch. Sein „Witz“ von Davos hat gezeigt: Selbst kleine Spitzen können im globalen Fußball große Wellen schlagen.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
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