Kommentar: Der Modus in der Champions League kann so nicht bleiben!

Simon Schneider | am:
Im Achtelfinale der Champions League könnte es zu einem Duell zwischen dem FC Bayern und dem BVB kommen. Bereits in den Playoffs droht ein deutsches Duell zwischen Dortmund und Leverkusen. Ist das der Sinn der Sache?

Die Reform der Champions League war umstritten, doch sportlich hat sich das neue Format bewährt. Mehr Spiele, mehr Teams, mehr Spannung – die Liga-Phase hat deutlich mehr Nervenkitzel geliefert als die frühere Gruppenphase, in der Favoriten häufig schon früh alles klargemacht hatten. Trotzdem zeigt sich nun eine Schattenseite des neuen Modells, die dringend überarbeitet werden sollte: Innerdeutsche Duelle sind bereits früh in der K.-o.-Phase möglich. Und genau das sorgt für Unmut – nicht nur bei Bayer Leverkusen. Ein Kommentar von Simon Schneider.

Früher waren Begegnungen zwischen Klubs aus demselben Land erst ab dem Viertelfinale erlaubt. Diese Regel hatte ihren Sinn: Die Champions League lebt vom internationalen Flair, vom Aufeinandertreffen unterschiedlicher Spielkulturen. Wenn jedoch schon in den Play-offs oder im Achtelfinale Bundesliga-Teams gegeneinander antreten, geht ein Teil dieser Faszination verloren.

Auf Leverkusen vs. BVB in den Playoffs hat niemand Lust

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand machte nach dem souveränen 3:0 gegen Villarreal keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die möglichen Konstellationen. Statt europäischer Vielfalt drohen Duelle, die eher an heimische Wettbewerbe erinnern.

Sinngemäß erklärte er, Europa habe so viele spannende Mannschaften zu bieten – da sei es schade, schon wieder auf bekannte Gegner zu treffen, gegen die man ohnehin regelmäßig spiele. Zwischen den Zeilen war klar herauszuhören: Diese Aussicht begeistert ihn keineswegs.

Langeweile statt internationales Flair

Tatsächlich könnte Leverkusen zunächst auf Dortmund treffen und im Erfolgsfall sogar auf Bayern München. Das wäre sportlich hochklassig, aber atmosphärisch eher Champions League im Bundesliga-Gewand. Hjulmands Botschaft war deutlich: Internationale Wettbewerbe sollten sich auch international anfühlen.

Auch Geschäftsführer Simon Rolfes sieht das ähnlich. Grundsätzlich spiele man auf europäischer Bühne lieber gegen Teams aus anderen Ländern als gegen nationale Rivalen, ließ er durchblicken.

Solche Duelle kenne man bereits aus Liga und Pokal. Der besondere Reiz europäischer Abende entstehe schließlich gerade durch neue Gegner, neue Stadien, neue Geschichten. Doch das aktuelle Reglement lässt diese Wünsche außen vor.

Die UEFA sollte den Modus anpassen

Dabei wäre es durchaus möglich, nationale Duelle zumindest so lange wie machbar zu vermeiden. In der aktuellen Konstellation könnte die UEFA bei der Auslosung gezielt darauf achten, Teams aus demselben Land auseinanderzuhalten.

Andere Paarungen ließen sich problemlos bilden, ohne den sportlichen Wettbewerb zu verzerren. Selbst im Achtelfinale wäre dies in vielen Szenarien noch umsetzbar – auch wenn es Konstellationen geben kann, in denen sich ein Duell aus demselben Land rechnerisch nicht komplett verhindern lässt. Aber solange Alternativen existieren, sollte der Wettbewerb alles daransetzen, diese zu nutzen.

Spannung am letzten Spieltag wäre trotzdem garantiert

Ein häufiges Gegenargument lautet, Mannschaften könnten am letzten Spieltag taktisch rechnen, um bestimmten Gegnern aus dem Weg zu gehen. Doch diese Sorge wirkt überzogen.

Die Schlussphasen entscheidender Spiele sind ohnehin chaotisch genug. Trainer, Spieler und Verantwortliche haben alle Hände voll zu tun, das eigene Ergebnis über die Zeit zu bringen. Wer in solchen Momenten zusätzlich komplexe Rechenspiele zur möglichen Auslosung anstellt und daraus sportliche Vorteile zieht, hätte sich diesen Vorsprung fast schon verdient.

Die Champions League ist dann am stärksten, wenn sie Europa in seiner ganzen Vielfalt zeigt. Nationale Duelle gehören dazu – aber erst dann, wenn es sportlich nicht mehr anders geht. Bis dahin sollte die UEFA alles daransetzen, den internationalen Charakter ihres wichtigsten Wettbewerbs zu bewahren.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen