
Dänemark steht erneut im EM-Finale – doch von Überheblichkeit ist beim Titelkandidaten keine Spur. Im Gegenteil: Vor dem Endspiel gegen Deutschland schlägt der Welthandballer Mathias Gidsel auffallend respektvolle Töne an. Der Superstar der Füchse Berlin erwartet kein Schaulaufen, sondern ein Duell auf Augenhöhe.
Dabei hatten die Dänen selbst einen steinigen Weg ins Finale. Im Halbfinale gegen Island musste der Gastgeber alles abrufen. Gidsel sprach hinterher von einem der härtesten Spiele, das er je auf diesem Niveau erlebt habe. Die Isländer hätten Dänemark permanent in intensive Eins-gegen-eins-Duelle gezwungen und enormen Druck aufgebaut.
Schon früh habe er gemerkt, dass das kein Selbstläufer werden würde, gab er offen zu. Zwischenzeitlich sei sogar der Gedanke aufgekommen, dass es vielleicht nicht reichen könnte.
Gerade deshalb sei er besonders stolz auf die Reaktion seiner Mannschaft. Man habe nicht nur spielerische Qualität gezeigt, sondern vor allem mentale Stärke und Kampfgeist bewiesen. Diese Mischung habe letztlich den Ausschlag gegeben. Für Gidsel ist es das zweite EM-Finale in Folge – nach der bitteren Niederlage 2024 will er nun endlich Gold.
Deutschlands Entwicklung beeindruckt Dänemark
Im Endspiel wartet ausgerechnet Deutschland – und Gidsel macht keinen Hehl daraus, wie hoch er die DHB-Auswahl einschätzt. Das Hauptrundenspiel, das Dänemark gewann, habe aus seiner Sicht kaum Aussagekraft. Ein Finale sei eine komplett andere Geschichte, mit eigener Dynamik und völlig neuen Voraussetzungen.
Besonders beeindruckt zeigt sich der Welthandballer von der Entwicklung des deutschen Teams im Turnierverlauf. Deutschland habe nicht nur einen Schritt nach vorn gemacht, sondern gleich mehrere, erklärte er sinngemäß. Immer wieder träten unterschiedliche Spieler in den Vordergrund, was die Mannschaft schwer ausrechenbar mache.
Mal übernähmen Rückraumspieler wie Knorr oder Köster Verantwortung, dann wieder andere Akteure. Genau diese Variabilität mache Deutschland so gefährlich.
Gidsel rechnet deshalb mit einer extrem engen Partie. Für ihn ist klar: Wer glaubt, Dänemark sei automatisch Favorit, unterschätzt den Gegner gewaltig.
Bärenstarke Abwehr als deutscher Schlüssel
Dass Deutschland im Finale steht, liegt vor allem an einer überragenden Defensivleistung im Halbfinale gegen Kroatien. Beim 31:28-Sieg setzte die DHB-Auswahl mit kompromissloser Abwehrarbeit ein Ausrufezeichen. Symbolfigur dieser Energieleistung war Justus Fischer.
Der Kreisläufer sorgte mit einer spektakulären Szene für Aufsehen, als er innerhalb eines einzigen kroatischen Angriffs gleich mehrfach Würfe blockte. Selbst er wirkte danach etwas ungläubig und meinte mit einem Grinsen, er wisse gar nicht genau, wie ihm das gelungen sei – aber es habe eben funktioniert. Insgesamt kam Deutschland auf eine starke Zahl geblockter Würfe, was den Rhythmus der Kroaten spürbar brach.
Bundestrainer Alfred Gislason sprach später von einem spielentscheidenden Moment. Auf die starke Abwehrphase folgte ein Zwischenspurt, der Deutschland einen komfortablen Vorsprung verschaffte – ein Polster, von dem das Team bis zum Schluss lebte.
Dänemark ist Favorit, aber: Finale mit offenem Ausgang?
Für das Endspiel ist die Marschroute klar: Deutschland will wieder mit Leidenschaft verteidigen und dem dänischen Angriff den Schneid abkaufen. Fischer kündigte kämpferisch an, man werde alles auf der Platte lassen.
Auch Gidsel weiß: Trifft Dänemark auf genau diese Entschlossenheit, wird es ein echter Kraftakt. Der Respekt vor Deutschland ist riesig – und genau das macht dieses Finale so reizvoll.