
Die Meinung von Simon Schneider
Ja, Eintracht Frankfurt hat Personalprobleme. Ja, jeder Verein hat innerhalb einer Saison seine Krise. Bei den Mainhessen liegen die Ursachen der aktuellen Situation aber tiefer. Den Verantwortlichen des Clubs, allen voran Sport-Vorstand Markus Krösche, fehlt es komplett an Selbstreflexion.
Nach dem Champions League Einzug im Vorjahr hat man bei Eintracht Frankfurt vor der Saison große Töne gespuckt. Sogar vom Meistertitel war die Rede. Stand heute, wird das Team in der Bundesliga-Tabelle einfach durchgereicht.
Kaderpolitik wirft Fragen aus
Dass es in Frankfurt nicht einfach ist, die Top-Spieler zu halten, ist klar. Wir wollen dies auch nicht kritisieren. Dass die Eintracht Omar Marmoush (Manchester City) und Hugo Ekitiké ziehen lassen musste, ist nachvollziehbar. D
och wo sind die Millionen-Einnahmen hin? Dass man Jonathan Burkhardt (1. FSV Mainz 05) und Younes Ebnoutalib (SV Elversberg 07) den Fans ernsthaft als Ersatz verkauft, ist für uns eine Farce. Ohne die Qualität der beiden Angreifer abzuwerten: Sie können niemals Marmoush und Ekitiké ersetzen. Dass die beiden Stürmer nun auch noch verletzt sind, ist ein wenig die Fügung des Schicksals.
Kevin Trapp als Identitätsfigur verloren
Definitiv ein Fehler war es, Kevin Trapp ziehen zu lassen. Der ehemalige Nationalspieler hat mit seiner Erfahrung für Sicherheit in der gesamten Abwehr gesorgt. Das eingeschlagene Torwart-Experiment, eingeleitet noch von Dino Toppmöller, ist fehlgeschlagen.
Die Frankfurter Hintermannschaft – als Defensiv-Block kann man die Spieler nicht bezeichnen – ist löchrig wie ein Schweizer Käse. In allen fünf Punktspielen hat die Eintracht in diesem Jahr drei Gegentore kassiert, nicht ohne Grund. International haben die Mainhessen beim 2:3 beim FK Qarabag und beim 0:2 gegen Tottenham Hotspur ebenfalls enttäuschende Spiele gezeigt.
Die Personalie Trapp ist aber nur ein Baustein, der Frankfurter Hilflosigkeit in der Defensive. Aus unserer Sicht hat kein einziger Abwehrspieler der Eintracht wirkliches Top-Format.
Trainersuche von Markus Krösche nicht wirklich glücklich
Eintracht Frankfurt hat einen neuen Trainer. Am Montag wird der Spanier Albert Riera das Amt übernehmen. Der Coach ist hierzulande ein unbeschriebenes Blatt. Krösche hat Riera vom slowenischen Spitzenclub Celje losgeeist.
Warum der gesamte Vorgang mehrere Wochen gedauert hat, bleibt ein Rätsel. Andere Trainer wie Marco Rose, Adi Hütter oder Edin Terzic – allesamt mit Bundesliga Erfahrung – waren ebenfalls frei.
Arroganz hat Frankfurt genug – Albert Riera ist der falsche Mann
Alle drei genannten Namen hätten wir uns an der Seitenlinie der Frankfurter sehr gut vorstellen können, nicht aber Albert Riera. Für den Spanier verspricht, dass er bisher immer offensiven, dominanten Fußball hat spielen lassen. Die Taktik erinnert ein wenig an Mikel Arteta vom FC Arsenal. Das Problem ist nur, dass Frankfurt überhaupt nicht die Spieler für ein derartiges System hat.
Gegen Riera spricht zudem, dass er noch nie in einer großen Liga Europas trainiert hat. In der französischen Ligue 2 bei Girondins Bordeaux ist er vornehmlich durch seine Überheblichkeit aufgefallen. Die Arroganz und Herabwürdigung anderer Trainerkollegen waren sein Markenzeichen.
Aus diesem Gesichtspunkt passt Albert Riera gut in die Riege der Frankfurter Verantwortlichen. Er leidet ebenfalls an Selbstüberschätzung. Aktuell muss man zu folgendem Urteil kommen: falscher Mann am falschen Ort.