
Die Meinung von Chefredakteur Simon Schneider
In Deutschland schwappen immer mal wieder Themen auf, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, bei denen man sich denkt: Wie kann man nur so neben der Spur sein? Aktuell wird allen Ernstes davon gesprochen, dass Deutschland die Fußball WM boykottieren soll – und zwar wegen Donald Trump.
Wenn man dieses Thema mal nüchtern betrachtet, kann man an dieser Stelle eigentlich nur den Kopf schütteln. Überhaupt zu erwägen, diese Fußball-WM zu boykottieren, ist kompletter Unsinn. Aus vielerlei Gründen.
Diskussion nutzlos, überflüssig und blanke Hysterie
Nein, man muss die Politik von Donald Trump nicht gutheißen. Man darf sie kritisieren und sich auch dagegenstellen. Dies ist legitim und steht jedermann frei. Und ja: Trump ist als Person unerträglich und was gesellschaftlich und politisch in den USA gerade passiert, ist höchst bedenklich.
Einen WM-Boykott zu fordern, ist jedoch der Unsinn hoch fünf. Was hat der Fußball bitte mit den Taten eines Präsidenten der Vereinigten Staaten zu tun? Richtig. Gar nichts.
Angestoßen wurde die Debatte um den WM-Boykott von Jürgen Hardt, seines Zeichens CDU-Außenpolitiker, sowie von Oke Göttlich, DFB Vizepräsident und Boss vom FC St. Pauli. Was Jürgen Hardt genau dazu qualifiziert, sich zu derlei Themen zu äußern, ist ein Rätsel.
Zu Oke Göttlich fällt uns nur ein: Typisch FC St. Pauli. Göttlich ist ein Mensch, der gern etwas von Werten und Tabus in seiner eigenen Bubble erzählt. Es handelt sich um reine Selbstinszenierung. Göttlich weiß selbst, dass sich weder Trump, die DFB-Bosse und noch viel weniger andere UEFA-Verbände für derart hysterisches Geschwafel interessieren.
Moskau 2018 kein Problem, Katar 2022 kein Problem
Wie verlogen die Debatte ist, zeigt, dass Deutschland mit der WM-Teilnahme 2018 in Russland ebenso wenig ein Problem hatte, wie mit der WM 2022 in Katar. Wladimir Putin war bereits 2018 dabei, die Weltordnung nach seinen Vorstellungen zu verändern, interessiert hat es niemanden.
In Katar, einem Staat, der fast alle islamistischen Organisationen mitfinanziert und alle Menschenrechte mit Füßen tritt, gab es leichte Kritik, die aber in deutsche Lächerlichkeit ausgeartet ist. Das bizarre Bild der damaligen Innenministerin Nancy Faeser mit ihrer bunten Armbinde in Katar ist noch jedermann im Gedächtnis.
Trennt Fußball von der Politik – und zwar komplett
Wir fordern die WM-Boykott Befürworter nicht nur zum Schweigen auf. Wir fordern, dass es im Fußball überhaupt keine politischen Statements gibt. Sport ist Sport, Politik ist Politik. Beide Dinge gehören nicht zusammen.
Richtig ist, und dies möchten wir einräumen, dass die Fußballfunktionäre leider selbst zur unsinnigen Politisierung des Sports beigetragen haben. Es ist natürlich fragwürdig, wenn die FIFA einen Friedenspreis für Donald Trump erfindet. Das war schon extrem peinlich und zum Fremdschämen.
Ebenso zweifelhaft ist es, eine Fußball WM Begegnung unter dem Motto „Pride-Match“ laufen zu lassen. Den DFB und die DFL sehen wir ebenso kritisch. Alle Stiftungen und Kampagnen, die sich nicht im Kern mit dem Fußball beschäftigen und diesen fördern, sollten vom Tisch.
Abschließend: Beendet die überflüssige Scheindiskussion. Deutschland wird natürlich an der WM teilnehmen. Kein Politiker oder anderweitiger Funktionär sollte sich über das Thema eines WM-Boykotts profilieren.