
Die neue Verletzung von Marc-Andre ter Stegen sorgt im Vorfeld der WM für Unruhe. Und schon sprießen wieder Stimmen, die eine Rückkehr von Manuel Neuer als Retter im deutschen Tor fordern. Diese Idee ist nicht nur überholt, sie ist schlicht gefährlich für den sportlichen Erfolg der Nationalmannschaft. Neuer wird im März 40 Jahre alt, und der Blick auf seine jüngsten Leistungen macht klar: er ist längst nicht mehr der Weltklasse-Keeper seiner Blütezeit. Die Zeiten, in denen seine Präsenz im Tor ein beruhigendes Bollwerk war, sind vorbei.
Zwar ist Neuer unbestritten eine Legende des deutschen Fußballs, Weltmeister von 2014 und jahrelang die Identifikationsfigur im deutschen Tor. Doch Legendenstatus darf nicht über sportliche Realität hinweg täuschen.
Manuel Neuer macht Fehler – und zwar regelmäßig
In den letzten Jahren ist seine Leistungsfähigkeit deutlich schwankender geworden – mit Fehlern, die er früher nie gemacht hätte. Das zeigt sich nicht nur in vereinzelten Patzern, sondern in einer zunehmenden Unsicherheit bei Entscheidungen und Positionierung im Strafraum, insbesondere wenn er weit aus seinem Tor herauskommt, um Bälle zu klären.
Diese riskante Spielweise bringt in der Bundesliga regelmäßig brenzlige Situationen, wie zuletzt wieder im Spiel gegen den HSV, wo ein Rückstand fast durch eine falsche Einschätzung Neuers entstanden wäre und nur durch eine Rettung auf der Linie verhindert wurde.
Diese fehlende Zuverlässigkeit in einfachen Situationen ist genau das, was man einem Weltmeistertorwart nicht zugestehen darf. Ein Keeper, der in entscheidenden Momenten regelmäßig Chancen zum Gegentor produziert, anstatt sie zu vereiteln, ist kein Rückhalt für ein Team, das bei einer WM um Titel mitspielen will. Stattdessen wird er zur Schwachstelle, die Gegner ausnutzen können.
Medien: Kritik an Neuer fast schon ein Tabubruch
Was die Debatte zusätzlich vergiftet, ist die Verklärung in Teilen der deutschen Sportöffentlichkeit. Kritik an Neuer wird oft als Tabubruch behandelt; selbst klare Fehlentscheidungen oder unpräzise Stellungsspiele werden selten offen und nüchtern benannt.
Stattdessen wird jede halbwegs gute Parade als „Weltklasse“ verklärt, während berechtigte Schwächen ignoriert oder schöngeredet werden. Diese kollektive Verzerrung verhindert eine echte Bewertung der sportlichen Lage und vernebelt den Blick darauf, welche Torhüter aktuell verlässlicher sind.
Den Mythos gibt es nicht mehr
Im internationalen Fußball gilt Neuer längst nicht mehr als unumstrittener Top-Keeper. Die große internationale Anerkennung gehört vor allem seiner früheren Karrierphase an, nicht den Leistungen der letzten Jahre.
In Deutschland aber will man den Mythos am Leben erhalten – selbst wenn die Realität anders aussieht. Das hat zur Folge, dass faktisch bessere, jüngere und stabile Optionen wie Oliver Baumann oder andere Keeper, die regelmäßig spielen und in Form sind, im Schatten einer medialen Nostalgiewelle stehen.
DFB-Comeback wäre ein Irrwitz
Und ganz praktisch: Neuer selbst hat mehrfach klargestellt, dass er den Rücktritt aus der Nationalmannschaft bewusst vollzogen hat und sich nicht ernsthaft mit einem Comeback beschäftigt. Diese Entscheidung sollte respektiert werden.
Ein Comeback von Manuel Neuer wäre also nicht nur sportlich fragwürdig – es wäre ein Symbol dafür, dass Gefühl vor Leistung, Mythos vor Realität gesetzt wird. Für eine Nationalmannschaft, die bei der WM 2026 bestehen will, kann man sich so etwas schlicht nicht leisten.