
Die Fußball-Regeln stehen erneut vor einer umfassenden Weiterentwicklung. Pünktlich zur kommenden Saison 2026/27 plant das International Football Association Board (IFAB) mehrere Änderungen, die den Spielfluss verbessern, Zeitspiel eindämmen und den Videobeweis (VAR) stärker einbinden sollen. Die finale Entscheidung über die Reformen fällt bei der IFAB-Generalversammlung Ende Februar 2026 und könnte bereits ab Sommer 2026 greifen – also auch für die Bundesliga.
Countdown statt Zeitspiel: Restart-Regeln werden verschärft
Ein Schwerpunkt der Reformideen liegt auf der Bekämpfung von Zeitspiel. Nach der kürzlich eingeführten Acht-Sekunden-Regel für Torhüter, bei der ein Verstoß sofort zu einem Eckball führt, sollen ähnliche Countdown-Vorgaben für andere Spielfortsetzungen folgen. Konkret steht zur Debatte:
- Einwürfe und Abstöße mit sichtbarem Countdown durch den Schiedsrichter – ähnlich wie bei der Torwartregel.
- Zeitlimits beim Auswechseln: Spieler, die ausgewechselt werden, müssen innerhalb einer festgelegten Zeit das Spielfeld verlassen, andernfalls verzögert sich der Einwechselvorgang.
- Diskussionen gibt es auch um eine verbindliche Wartezeit für behandelte Spieler, bevor sie wieder ins Spiel eingreifen.
Diese Maßnahmen sollen die durchschnittliche Zeit, in der der Ball tatsächlich in Bewegung ist, erhöhen und Spielunterbrechungen reduzieren.
VAR mit erweiterten Befugnissen
Ein besonders viel diskutierter Punkt sind neue Befugnisse für den VAR. Traditionell greift der Videobeweis nur bei Toren, Strafstößen, Roten Karten und Spielerverwechslungen ein. Künftig könnte der VAR auch in folgenden Fällen eingreifen:
- Zweite Gelbe Karte / Gelb-Rot-Entscheidungen: Fehler bei der Bewertung einer zweiten Verwarnung könnten überprüft werden.
- Eckball-Entscheidungen: Offensichtliche Fehlentscheidungen zu Eckbällen könnten korrigiert werden.
Ziel ist es, die Korrektheit wichtiger Entscheidungen zu erhöhen, ohne den Spielfluss wesentlich zu unterbrechen.
Weitere mögliche Änderungen
Neben Zeitspiel und VAR stehen weitere Themen auf der Agenda:
- Abseitsregel-Analysen: Überlegungen zu einer klareren Auslegung der Abseitsregel, um Millimeter-Entscheidungen zugunsten des Angriffs zu reduzieren, werden weiterhin geprüft.
- Kommunikation von Entscheidungen: Manche Wettbewerbe könnten künftig die Praxis übernehmen, VAR-Entscheidungen öffentlich im Stadion zu erklären, um mehr Transparenz zu schaffen.
- Weitere technische Anpassungen: Dazu zählen mögliche Änderungen bei Schiedsrichter-Signalen oder dem Umgang mit neutralen Bällen nach Spielunterbrechungen.
Blick nach vorn: Bedeutung für Bundesliga und WM
Die Reformvorschläge stehen in engem Zusammenhang mit der bevorstehenden WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Viele der vorgeschlagenen Änderungen könnten dort bereits als Testlauf Anwendung finden und anschließend in die regulären Ligaspiele übernommen werden – inklusive der Bundesliga.
Klar ist: Fußball will schneller werden, Unterbrechungen reduzieren und gleichzeitig die Gerechtigkeit der Entscheidungen erhöhen. Ob und in welcher Form sich die Regeln tatsächlich ändern, entscheidet sich Ende Februar beim IFAB-Treffen. Fans und Vereine dürfen gespannt sein – die Saison 2026/27 könnte in Sachen Regelwerk eine der spannendsten der letzten Jahre werden.