Analyse: Darum scheiterte Xabi Alonso bei Real Madrid

Simon Schneider | am: 13.01.26
Für Xabi Alonso wurde der vermeintliche Traumjob bei Real Madrid schnell zum Albtraum.

Eine kommentierende Analyse von Chefredakteur Simon Schneider

Nur 232 Tage währte das Kapitel Xabi Alonso bei Real Madrid – und doch fühlte es sich an wie ein gescheitertes Großprojekt mit Ansage. Der begehrteste Trainer Europas, gefeiert für seine revolutionäre Arbeit bei Bayer Leverkusen, kehrte zu jenem Klub zurück, bei dem er als Spieler Titel sammelte und zur Identifikationsfigur wurde. Die Hoffnung war groß, dass Alonso nicht nur Erfolge, sondern auch neue Ideen mitbringen würde.

Am Ende blieb Ernüchterung. Gescheitert ist er weniger an Ergebnissen – sondern an Strukturen, Egos und vor allem an Präsident Florentino Pérez.

Der Clásico als Wendepunkt

Rückblickend lässt sich ein Datum klar als Bruchstelle benennen: der 26. Oktober 2025. Real gewann den Clásico mit 2:1, der Vorsprung auf den FC Barcelona betrug komfortable fünf Punkte. Sportlich schien alles in Ordnung. Doch statt über den Sieg zu sprechen, dominierte ein anderes Thema die Schlagzeilen: Vinícius Júnior. Der Brasilianer reagierte auf seine Auswechslung mit Wut, verweigerte Alonso demonstrativ den Handschlag und verschwand fluchend in den Katakomben.

Was folgte, war symptomatisch. Acht Siege aus 15 Pflichtspielen, der Verlust der Tabellenführung, das Aus in der Supercopa. Alonso stand mehrfach vor angeblichen „Endspielen“, überlebte sie zunächst – doch eines fehlte konstant: öffentlicher Rückhalt durch die Vereinsführung. Während Spieler mit fragwürdigem Verhalten davonkamen, blieb der Trainer allein.

Pérez’ Madrid: Siege und Stars über alles

Für Florentino Pérez zählt vor allem eines: Erfolg, getragen von Weltstars. Dieses Modell funktionierte jahrelang – besonders mit Carlo Ancelotti, dessen Stärke im Umgang mit großen Namen lag. Der detailversessene, fordernde Alonso hingegen passte nicht ins Bild. Seine Vorstellungen von Disziplin, Pressing und taktischer Flexibilität kollidierten mit einer Kabine voller Superstars wie Vinícius und Kylian Mbappé. In Madrid ist klar: Einen Machtkampf gegen diese Spieler kann kein Trainer gewinnen.

Der frühere Real-Manager Arrigo Sacchi brachte das Prinzip einst bitter auf den Punkt: Wenn irgendwo auf der Welt ein Flugzeug abstürzt, sei am Ende der Trainer von Real Madrid verantwortlich. Diese Logik gilt bis heute.

Ein Trainer ohne Zeit und Schutz

Ob die Trennung einvernehmlich war oder von Pérez diktiert wurde, ist umstritten. Klar ist: Viele Spieler wurden vom Aus Alonsos überrascht. Gerade schien sich die Mannschaft zu stabilisieren. Doch Alonsos Ansatz braucht Zeit – und Zeit ist in Madrid eine Währung, die nicht existiert.

Ganz schuldlos ist der Spanier nicht. Auch er musste lernen, dass Real Madrid nicht Leverkusen ist. Ein Robert Andrich folgt taktischen Anweisungen anders als ein Vinícius Júnior, Weltfußballer von 2024. Stars dieses Kalibers lassen sich ungern erklären, wie sie im Pressing anlaufen sollen. Spätestens nach dem Clásico im Oktober galt das Verhältnis zwischen Trainer und Schlüsselspieler als belastet. In Madrid bedeutet das meist das Ende.

Ein strukturelles Problem

Alonsos Scheitern steht sinnbildlich für ein größeres Problem. Abseits des Rasens gilt Real als Vorreiter: neue Märkte, neue Erlösmodelle, moderne Infrastruktur. Sportlich jedoch reagiert der Klub allergisch auf Innovation. Jüngste Kritik aus dem eigenen Staff – etwa von einer früheren Ernährungsberaterin, deren Empfehlungen ignoriert worden sein sollen – passt ins Bild.

Die verpasste Modernisierung

Während der Rivale Barcelona sich stets auch über Trainer definiert hat, bleibt Real ein Spielerverein – von den Galácticos bis heute. Die größten Erfolge kamen mit Trainern wie Ancelotti oder Zinédine Zidane, die weniger durch taktische Neuerungen als durch Menschenführung glänzten.

Mit der Trennung von Xabi Alonso hat Real Madrid die Chance verpasst, sich fußballerisch neu zu erfinden und unabhängiger von den Launen seiner Stars zu werden. Die Voraussetzungen waren ideal: Alonso war Legende, Champions-League-Sieger, Weltmeister. Einer, dem selbst Superstars zuhören. Doch ohne Rückhalt aus der Chefetage war auch er machtlos. Am Ende galt wieder die alte Regel bei den Königlichen: Schuld ist der Trainer.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen