Ein Spieler hat vor dem Landgericht Offenburg einen bemerkenswerten Erfolg erzielt: Nach Verlusten von über 90.000 Euro bei Online-Sportwetten und Online-Casinospielen über eine deutschsprachige bet365-Plattform soll ihm ein Rückzahlungsanspruch zustehen. Entscheidend war dabei nicht, ob es um Wetten oder Casino ging – sondern der Zeitraum: Die Einsätze fielen in eine Phase, in der das Angebot in Deutschland ohne die erforderliche nationale Erlaubnis betrieben worden sein soll.
Worum ging es im Fall?
Nach den veröffentlichten Informationen verteilten sich die Verluste auf zwei Bereiche: Der größere Teil entfiel auf Sportwetten, ein weiterer Teil auf Casinospiele. Aus rechtlicher Sicht war aber nicht die Spielform ausschlaggebend, sondern die Frage, ob der Anbieter im relevanten Zeitraum überhaupt wirksam lizenziert war.
Das Gericht soll die Spiel- und Wettverträge in dieser Konstellation als unwirksam bewertet haben, weil im maßgeblichen Zeitraum keine gültige deutsche Lizenz vorlag. Die Folge: Der Anbieter kann die Einsätze nicht einfach behalten – genau daraus leitet sich der mögliche Rückzahlungsanspruch ab.
Warum ist das Datum so wichtig?
Der Fall zeigt, wie stark es bei Rückforderungen auf die zeitliche Einordnung ankommt. Grob lassen sich die Eckpunkte so zusammenfassen:
- 2016 bis 2020: Teilnahme an Online-Angeboten, die für den deutschen Markt erreichbar waren, jedoch nach Darstellung des Verfahrens ohne die notwendige Erlaubnis betrieben wurden.
- Oktober 2020: In dieser Phase wurden erstmals Sportwettenlizenzen erteilt – entscheidend ist aber, ob die eigenen Verluste vor einer wirksamen Lizenz entstanden sind.
- bis Juni 2021: Online-Glücksspiel war in Deutschland lange stark eingeschränkt, erst später wurde es in einem neuen Rahmen systematisch geregelt.
Kurz gesagt: Der Zeitpunkt deiner Verluste ist entscheidend, nicht ob ein Anbieter später eine Lizenz erhalten hat oder heute reguliert auftritt.
Anbieter-Einwände: Antrag ist nicht gleich Lizenz
In solchen Verfahren argumentieren Anbieter häufig, sie hätten bereits eine Konzession beantragt oder verweisen auf europarechtliche Aspekte. Der springende Punkt bleibt jedoch: Ein Antrag ersetzt keine gültige Lizenz. Solange keine wirksame Erlaubnis vorliegt, kann das Angebot als unzulässig gewertet werden – mit Folgen für die Wirksamkeit der zugrunde liegenden Verträge.
Was bedeutet das für betroffene Spieler?
Aus Sicht von Sportwetten24.com ist das Urteil vor allem ein Signal: Wer in den vergangenen Jahren bei Online-Anbietern gespielt hat, sollte sich die eigene Historie genau ansehen. Besonders relevant kann ein Fall sein, wenn:
- die Verluste vor einer wirksamen deutschen Lizenz entstanden sind,
- das Angebot klar auf den deutschen Markt ausgerichtet war (Sprache, Marketing, Support),
- sich Einsätze und Transaktionen sauber belegen lassen.
Wichtig: Das ist keine Rechtsberatung. Ob ein Anspruch besteht, hängt vom Einzelfall ab – unter anderem auch von Themen wie Nachweisbarkeit und möglichen Verjährungsfragen. Wer betroffen ist, sollte alle Unterlagen sichern (Kontoauszüge, Ein- und Auszahlungen, Spielhistorie) und den Fall professionell prüfen lassen.
Quelle: Sportwetten24.com (Einordnung auf Basis öffentlich berichteter Informationen zum Verfahren vor dem Landgericht Offenburg).