Ein Abend, der sportlich kontrollierbar schien, kippt für Olympique Marseille in der Nachspielzeit. Die 0:3-Niederlage bei Club Brügge wirkt zunächst verkraftbar, im Stadion kursieren sogar erste Glückwünsche zur vermeintlichen Playoff-Qualifikation. Doch das Parallelspiel entscheidet alles neu – und gegen Marseille.
Madrids Pleite in Lissabon zieht Marseille den Boden weg
Während Marseille das eigene Ergebnis einordnet, verliert Real Madrid überraschend mit 2:4 bei Benfica Lissabon. Diese Konstellation nimmt den Franzosen die letzte rechnerische Sicherheit. Bis tief in die Nachspielzeit bleibt die Hoffnung: Beim zwischenzeitlichen 3:2 für Lissabon liegt OM virtuell auf Kurs. Späte Treffer drehen die Lage abrupt – und besiegeln das Aus.
Ein Detail macht den Schock greifbar: Ein einziger eigener Treffer in Brügge hätte gereicht.
| Szenario | Auswirkung für OM |
|---|---|
| Eigener Treffer | Weiterkommen |
| Kein Treffer | Ausscheiden |
| Späte Wende in Lissabon | Entscheidung gegen OM |
Die nüchterne Datenlage verstärkt die Enttäuschung. Prognosen hatten Marseille zuvor mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Top 24 gesehen – entsprechend scharf fällt die Reaktion in Frankreich aus.
Französische Presse übt scharfe Kritik
Die Tonlage der Medien ist eindeutig. Von einem selbstverschuldeten Aus ist die Rede, vom fehlenden Widerstand in der Anfangsphase und von Entscheidungen, die den Gegner stark machten. Das 0:3 gilt als Spiegel eines Abends, an dem Marseille früh den Rhythmus verlor.
Kernpunkte der Analyse:
- frühe Gegentore nach schwachem Start
- fehlende Effizienz trotz Spielanteilen
- mangelnde Reaktion auf Druckphasen
| Kennzahl | Marseille |
|---|---|
| Ballbesitz | 62,6 % |
| Abschlüsse | 18 |
| Schüsse aufs Tor | 9 |
| Rückstand nach 11 Minuten | 0:2 |
Der Widerspruch ist offensichtlich: viel Aktion, wenig Wirkung. Beobachter verweisen darauf, dass Brügge die Anfangsphase dominierte – danach blieb Marseilles Spiel Stückwerk.
Trainer unter Druck: De Zerbi übernimmt Verantwortung
Trainer Roberto De Zerbi steht im Zentrum der Kritik. Das hybride System fand keinen Zugriff, Anpassungen griffen zu spät. In mehreren Zonen fehlte die Abstimmung, Zweikämpfe gingen verloren, Umstellungen blieben wirkungslos. De Zerbi übernahm die Verantwortung öffentlich und sprach von einer notwendigen Entschuldigung – eine Haltung, die konsequent wirkt, den Erwartungsdruck aber erhöht.
Kritikpunkte im Überblick:
- zu späte Reaktion auf gegnerische Vorgaben
- mangelnde Intensität im Pressing
- unklare Rollen im Aufbau
Benatia fordert Standards ein
Sportdirektor Mehdi Benatia fand klare Worte. Nicht die Niederlage an sich sei das Problem, sondern die Art des Auftritts. In einem Klub dieser Größe seien Rückschläge akzeptabel – fehlende Haltung nicht. Respekt gegenüber den Fans und professionelle Umsetzung seien Mindeststandard. Seine Botschaft: Niederlagen gehören dazu, Hingabe ist Pflicht.
Feldleistung entscheidend – nicht das Rechnen
So sehr Marseille in der Nachspielzeit nach Lissabon blickte: Die Leistung bleibt maßgeblich. Taktische Vorbereitung reicht nicht, wenn Umsetzung fehlt. Entscheidend waren frühe Intensität des Gegners, klare Zuordnung im Strafraum und aktives Verteidigen. Wenn Reaktionen ausbleiben, liegt die Verantwortung auf dem Platz.
Erinnerungen an schwierige Europaphasen
Das Champions-League-Aus ruft in Marseille Erinnerungen an Zeiten wach, in denen Europas Spitze zu oft eine Nummer zu groß war. Es gab Lichtblicke – etwa der klare Sieg gegen Ajax Amsterdam (4:0) sowie knappe Erfolge gegen Newcastle United (2:1) und Union Saint-Gilloise (3:2). Doch aus Einzelsiegen entstand keine Serie, kritische Fehler wiederholten sich.
Fokus auf den nationalen Endspurt
Nach dem Aus richtet sich der Blick nach vorn. Der Kalender verlangt volle Konzentration:
- Liga: gegen Paris FC
- Pokal: Achtelfinale gegen Stade Rennes
- Liga auswärts: bei Paris Saint-Germain
Die Champions League ist Geschichte. Die kommenden Wochen entscheiden, wie Marseille diese Saison bewertet – und ob aus der Enttäuschung die nötigen Konsequenzen folgen.