Juventus ist in einer Partie ausgeschieden, die sich wie ein einziger Stresstest über 120 Minuten angefühlt hat. Nach dem bitteren 5:2 im Hinspiel in Istanbul stand die Ausgangslage ohnehin auf Kante – und dennoch lieferte die Mannschaft in Turin einen Auftritt, der eher nach Trotzreaktion als nach Resignation aussah. Am Ende reichte es nicht: Galatasaray nutzte die Überzahl in der Verlängerung und machte mit späten Treffern alles klar. Doch ausgerechnet nach dem Aus war der Ton bei Juve nicht nur enttäuscht, sondern auch kämpferisch.
Weil Luciano Spalletti nach Abpfiff nicht vor die Medien trat, übernahm Sportdirektor Giorgio Chiellini die Rolle des Sprechers – und wählte Worte, die mehr nach Schutzschild für Mannschaft und Trainer klangen als nach Ausreden.
Rote Karten, Rückstand, Verlängerung – und trotzdem fast die Wende
Juve wusste, was es braucht: ein Spiel, das früh kippt, ein Stadion, das daran glaubt, und Momente, die man erzwingen muss. Doch die Aufgabe wurde noch schwerer, als Kelly in der 48. Minute Rot sah – eine Szene, die zunächst wie eine zweite Gelbe wirkte, dann aber per VAR als direkte Rote gewertet wurde. Plötzlich stand Juventus erneut vor dem Worst-Case-Szenario: ein Comeback mit zehn Mann.
Und trotzdem: Die Bianconeri stemmten sich gegen das Aus. Manuel Locatelli verwandelte einen Elfmeter, Federico Gatti und Weston McKennie trafen – Juventus schleppte das Duell tatsächlich in die Verlängerung. Es gab sogar den Moment, der alles hätte drehen können: eine große Chance, die nach dem perfekten Fußball-Drama roch. Doch statt der Krönung kam die Entscheidung auf der anderen Seite.
In Überzahl schlug Galatasaray spät zu: Victor Osimhen und Baris Yilmaz besiegelten Juves Aus und brachten die Türken in die nächste Runde.
Chiellini erklärt Spallettis Abwesenheit – und stellt sich vor die Mannschaft
Chiellini machte gleich zu Beginn klar, warum er sprach und nicht Spalletti: Es sei „angemessen“, dass in so einer Situation der Sportdirektor das Wort ergreife. Der Subtext war eindeutig: kein öffentliches Theater, kein neuer Brandherd, sondern Stabilität.
Trotz Frust über das Ergebnis lobte Chiellini die Haltung des Teams. Juventus sei erschöpft, enttäuscht – aber auch „unglaublich stolz“ darauf, wie man gekämpft habe. Die Fans im Stadion bestätigten das Bild: Beim Schlusspfiff gab es Applaus, nicht Pfeifen. Nicht, weil das Aus weniger schmerzt – sondern weil der Auftritt endlich wieder nach Juventus wirkte.
„Sprungbrett“ statt Krise: Chiellinis Botschaft für die entscheidenden Wochen
Juve steckt sportlich nicht in einer Wohlfühlphase. Die Formkurve war zuletzt holprig, die Konstanz ein Dauerthema. Chiellini nahm diese Kritik auf, drehte sie aber in eine klare Zielansage: Dieses Spiel müsse ein Sprungbrett sein, um „den Funken wiederzuentfachen“, gerade in den kommenden Schlüsselwochen der Saison.
Er betonte auch, dass man Spallettis Amtszeit nicht auf einzelne Rückschläge reduzieren dürfe. Wirklich gestrauchelt sei die Mannschaft nur selten – entscheidende Momente hätten eher gegen Juventus als für Juventus gearbeitet. Die Richtung solle trotzdem stimmen: weitermachen, stabil bleiben, nicht nervös werden.
Seitenhieb zur Roten Karte: „Zum Glück war es Kelly und nicht ich“
Den größten Lacher im bitteren Kontext lieferte Chiellini ausgerechnet beim Thema Rote Karte. Auf die Frage, wie der Verein die Entscheidung bewerte, reagierte er trocken: Man könne froh sein, dass es Kelly getroffen habe und nicht ihn – mehr wolle er dazu nicht sagen.
Es war die klassische Chiellini-Art: Humor als Ventil, aber ohne die Situation lächerlich zu machen. Und auch hier schwang mit, was Juventus nun braucht: Ruhe, Fokus, innere Geschlossenheit.
Blick nach vorn: Noch zwölf Spiele, viel steht auf dem Spiel
Chiellini machte deutlich, dass Juventus sich nicht in Selbstmitleid verlieren darf. Es warten noch zwölf Spiele, und es steht „viel auf dem Spiel“. Das Team habe gezeigt, dass es bereit ist – trotz Rückschlag, trotz Hindernissen, trotz Überzahl für den Gegner über lange Strecken.
Auch die Champions-League-Saison bewertete er nicht als Fehlschlag. Juventus habe starke Momente gehabt, schwierige Spiele gemeistert und wichtige Gegner geschlagen. Was fehlte, sei am Ende vor allem Konzentration in entscheidenden Phasen gewesen. Doch das Kapitel ist jetzt zu – und der Fokus rückt sofort auf die Liga und das nächste große Spiel.