
Ein Kommentar von Chefredakteur Simon Schneider
Große Namen üben im Fußball eine magische Anziehungskraft aus. Sie versprechen Hoffnung, Aufmerksamkeit und im besten Fall sportlichen Aufschwung. Edin Dzeko ist zweifellos so ein Name. Mit Stationen bei Manchester City, AS Rom, Inter Mailand und zuletzt der AC Florenz hat der Bosnier eine Karriere vorzuweisen, von der viele Profis nur träumen können. Doch genau hier liegt das Problem des Transfers zum FC Schalke 04: Dzekos Vita ist beeindruckend – seine Gegenwart dagegen hochproblematisch.
Denn der Stürmer, der im März 40 Jahre alt wird, hat seine beste Zeit längst hinter sich. Fußball ist ein gnadenloses Geschäft, und Alter lässt sich auch durch Erfahrung nicht aufhalten.
Dzeko ist langsam geworden, sowohl im Antritt als auch in der Rückwärtsbewegung. Eigenschaften, die in der italienischen Serie A mit cleverem Positionsspiel noch kaschiert werden konnten, dürften in der 2. Bundesliga schonungslos offengelegt werden.
Dzeko hat schon lange kein Tor mehr gemacht
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwei Tore in 722 Pflichtspielminuten für die Fiorentina sind für einen Mittelstürmer schlicht zu wenig – Krise hin oder her.
Noch alarmierender ist der Blick auf die Einsatzzeiten. Dzekos letztes Tor liegt im Oktober, sein letzter Pflichtspieleinsatz über einen Monat zurück. Danach Bank, Blessuren, Bedeutungslosigkeit. Wer glaubt, ein solcher Spieler komme ohne Anlaufzeit nach Gelsenkirchen und schieße Schalke im Aufstiegsrennen quasi im Alleingang nach oben, verkennt die Realität.
Die 2. Bundesliga ist eine Knochenmühle
Gerade Schalke ist aktuell kein Umfeld, in dem man behutsam auf Form warten kann. Die 2. Bundesliga ist brutal, physisch, laufintensiv. Hier wird nicht zelebriert, hier wird gearbeitet.
Woche für Woche. Zudem passt Dzeko sportlich kaum ins Profil der Königsblauen. Schalke hat ligaweit den geringsten Ballbesitz, gehört zu den Teams mit den wenigsten Torschüssen. Das bedeutet: wenige Abschlüsse, viele Zweikämpfe, viel Defensive. Genau das ist Gift für einen Stoßstürmer, der von Zuspielen lebt und Räume braucht.
Für Muslic könnte Dzeko zum Problem werden
Trainer Miron Muslic steht damit vor einer heiklen Aufgabe. Gibt er Dzeko Zeit, riskiert er Punkte. Gibt er ihm keine, riskiert er Unruhe. Moderation statt Leistung – das kann in einer Aufstiegssaison schnell zum Problem werden. Die Verpflichtung wirkt daher weniger wie ein sportlich durchdachter Transfer, sondern eher wie ein emotionales Signal: Seht her, Schalke holt einen Star.
Auch die Inszenierung des Wechsels – früher Medizincheck, Blitztermin im „medicos“, große Erwartungshaltung – unterstreicht das Gefühl, dass hier mehr Hoffnung verkauft wird als realistische Perspektive. Dzeko mag ein großer Name sein, aber Namen schießen keine Tore. Schon gar nicht in einer Liga, in der Robustheit, Tempo und Rhythmus entscheidend sind.
Dass Edin Dzeko in der 2. Bundesliga wie am Fließband trifft, ist daher äußerst unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist: Schalke hat sich von der Strahlkraft der Vergangenheit blenden lassen – und zahlt dafür bald sportlich den Preis. Ein Flop mit Ansage.