
Die Meinung von Chefredakteur Simon Schneider
Beim FC Erzgebirge stehen die Zeichen auf Absturz. Und zwar auf Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit. Der einst stolze Verein aus Aue liegt in Trümmern. Trainer Jens Härtel wurde am Samstag vor die Tür gesetzt, aus unserer Sicht verständlich, aber nicht mehr als ein Bauernopfer.
Egal, welchen Trainer die Veilchen aus dem Lößnitztal engagieren, der Abstieg in die Regionalliga ist aus unserer Sicht nicht mehr aufzuhalten. Die Kompetenzlosigkeit der Vereinsführung bedeutet: Aue wird von der Karte der deutschen Profivereine verschwinden, und zwar für immer.
Kein Trainer der letzten Jahre hatte in Aue Erfolg
Aue hat in den zurückliegenden Jahren Trainer um Trainer verbrannt. Seit Dirk Schuster, der im Mai 2021 den Hut nehmen musste, hat es kein Coach geschafft, für sportliche Stabilität zu sorgen. In der Vorsaison wurde Pavel Dotchev geschasst, obwohl die Mannschaft zum Zeitpunkt der Entlassung in jeder Hinsicht im Soll war.
Kriegstreiber im Verein waren damals Sportdirektor Matthias Heidrich und Co-Trainer Jörg Emmrich. Die beiden Verantwortlichen haben mit ihren Intrigen immer wieder für Unruhe gesorgt, unter der auch Jens Härtel leiden musste.
Die Fans vom FC Erzgebirge Aue sind ebenfalls keine Engel, sondern eher sprücheklopfende Laien. Dass man Dotchev damals als bulgarischen Rentner betitelt hat, zeigt, dass man im Erzgebirge das Wort Respekt einfach nicht kennt.
Jens Härtel musste in den zurückliegenden Wochen ebenfalls Kommentare hören, die einfach nur unter der Gürtellinie waren.
Fragwürdige Spielerverpflichtungen sorgen für den Abstieg
Der Abstieg der Aue Mannschaft ist recht einfach erklärt. Im Erzgebirge hat man in den zurückliegenden Jahren immer wieder Spieler aus unterklassigen Teams geholt, in der Hoffnung, dass sich die Akteure ans raue Drittklassen-Niveau anpassen. Der Weg ist vollständig gescheitert. Wer Regionalspieler kauft, spielt irgendwann in der Regionalliga. In dieser Saison ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Erfolg in der 2. Bundesliga einst mit Nebenschattierungen
Unter der Regentschaft der Brüder Leonhardt spielte der FC Erzgebirge Aue einst in der 2. Bundesliga. Dass der Aufstieg der Leonhardt-Brüder nach der Wende geschäftlich zumindest als fragwürdig angesehen werden kann, wird im Auer Fußballkosmos gern vergessen.
Es gibt sogar Fans, die sich die beiden Patriarchen zurückwünschen. Wer aber aus einem Fußballverein einen Kumpelverein machen will, hat im heutigen Profifußball aus unserer Sicht nichts zu suchen.
Michael Tarnat – der einzige kleine Hoffnungsträger
Die Entlassung von Matthias Heidrich – im Erzgebirge als Mr. Arroganz bekannt – war Ende der Rückrunde sicherlich ein richtiger Schritt. Mit Michael Tarnat hat man in Aue zumindest Erfahrung und Kompetenz auf die Position des Sportdirektors gesetzt. Helfen wird’s jedoch nicht mehr. Tarnat kann nicht die ganze Mannschaft austauschen.
Keine gestandenen Profis gehen ins Niemandsland
Gern wird in Aue die Behauptung aus dem Hut gezaubert, dass man sich finanziell keine Top-Spieler leisten kann. Dies ist aber nicht richtig. Vergleicht man die Profibezahlung der Drittliga-Clubs, steht Aue nicht wirklich schlecht da. Das Problem ist, dass kaum ein ambitionierter Fußballprofi ins Lößnitztal geht, in ein Gebiet, in dem Fußwege bei Finsternis hochgeklappt werden.
Wer wird Nachfolger von Jens Härtel? Wir möchten uns an Trainerspekulationen überhaupt nicht beteiligen. Der neue Coach trifft auf jeden Fall auf einen Kader, der kaum als drittligatauglich zu sehen ist. Der Absturz des FC Erzgebirge Aue wird in den kommenden Wochen erst richtig Fahrt gewinnen.