Formel 1 Melbourne FP1: Ferrari dominiert den Auftakt – was das für die WM-Quoten bedeutet

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 5 Min. Lesezeit

Das erste Training der neuen Elektro-Ära ist gelaufen – und Ferrari hat in Melbourne ein Statement gesetzt. Charles Leclerc fuhr in 1:20,267 die souveräne Bestzeit, fast fünf Zehntel vor Lewis Hamilton im zweiten Ferrari. Red Bull ordnete sich als zweite Kraft ein, Mercedes und McLaren blieben im vorderen Mittelfeld. Audi lieferte einen respektablen Einstand, Aston Martin ein Desaster.

Aber was bedeuten diese 90 Minuten für den Wettmarkt? Mehr als man denkt – und weniger als man hofft.

Was passiert ist

Leclerc setzte seine starke Testform aus Bahrain nahtlos fort und legte erst in der letzten Runde die Bestzeit hin. Hamilton folgte als Zweiter – für Ferrari ein optimales Doppelergebnis zum Saisonstart. Red Bull zeigte mit Verstappen und Rookie Isack Hadjar solide Pace, konnte Ferrari aber nicht angreifen.

Die erwarteten Probleme mit den neuen Power Units – knapp 50 % der Leistung kommen jetzt aus dem Elektromotor – blieben weitgehend aus. Oscar Piastri meldete kurz fehlende Leistung, konnte aber weiterfahren. Racing-Bulls-Rookie Arvid Lindblad blieb in der Boxenausfahrt stehen. Insgesamt war das erste Training stabiler als befürchtet.

Die Verlierer des Tages:

Weltmeister Lando Norris absolvierte wegen Getriebeproblemen nur sieben Runden – eine rote Flagge für McLarens Zuverlässigkeit unter den neuen Regeln. Aston Martin erlebte ein Debakel: Fernando Alonso fuhr wegen eines Antriebsverdachts gar nicht erst raus, Lance Stroll schaffte drei Runden – seine schnellste Zeit lag 30 Sekunden hinter der Spitze. Das Team hatte bereits am Donnerstag massive Vibrationsprobleme mit der Honda-Power-Unit eingeräumt.

Die Überraschung: Audi. Nico Hülkenberg fuhr als erster Pilot überhaupt einen Audi-Boliden in der Formel 1 und landete mit Gabriel Bortoleto auf den Plätzen 9 und 10. Für ein Debütantenteam ein starker Einstand.

Die WM-Quoten vor dem Rennwochenende

Der Markt ging mit folgendem Bild in das Melbourne-Wochenende:

Fahrer-WM (Durchschnitt mehrerer Anbieter, Stand 05.03.2026): George Russell – 3,00 | Max Verstappen – 4,00 | Charles Leclerc – 6,00 | Lewis Hamilton – 8,00 | Lando Norris – 10,00 | Oscar Piastri – 10,00

Konstrukteurs-WM: Mercedes – 2,20 | Ferrari – 3,50 | McLaren – 3,50 | Red Bull – 8,00

Auffällig: Russell ist WM-Favorit, obwohl Mercedes im Training nur im Mittelfeld landete. Leclerc dominierte – steht aber nur bei 6,00. Diese Diskrepanz ist der Kern der Wettfrage für 2026.

Unsere Einschätzung: Was FP1 für die Quoten bedeutet

Ferrari: Bestätigung, kein Zufall

Leclercs Bestzeit ist kein Ausreißer. Ferrari hat bereits in den Bahrain-Tests die schnellste Runde des gesamten Winters gefahren. Die Pace über eine schnelle Runde scheint real. Die entscheidende Frage für den Wettmarkt ist eine andere: Kann Ferrari diese Qualifying-Geschwindigkeit auch im Renntempo halten?

Ferraris WM-Geschichte ist voll von Saisons, in denen starke Tests in mittelmäßige Ergebnisse mündeten. 2025 war ein enttäuschendes Jahr ohne Rennsieg – das erste seit 2021. Aber genau das hat Ferrari dazu gebracht, die gesamte Entwicklungsarbeit früh auf 2026 umzulenken. Der Vorsprung im Training ist möglicherweise real, weil Ferrari schlicht mehr Zeit in das neue Reglement investiert hat als die Konkurrenz.

Quotenbewegung erwartet: Leclerc dürfte von 6,00 auf 4,50–5,00 sinken, wenn sich die FP1-Form in Qualifying und Rennen bestätigt. Hamilton könnte von 8,00 auf 6,50–7,00 nachrücken. Für den Konstrukteurs-Titel sehen wir Ferrari von 3,50 in Richtung 2,80 wandern.

Mercedes: Der Marktfavorit unter Druck

Russell ist WM-Favorit bei 3,00 – aber sein Training war unauffällig. Mercedes hat in den Bahrain-Tests bewusst keine Qualifying-Simulation gefahren und bei suboptimalen Bedingungen getestet. Die Paddock-Meinung war trotzdem: Mercedes hat die beste Power Unit. FP1 hat das nicht bestätigt.

Das bedeutet nicht, dass Mercedes schlecht ist. Es bedeutet, dass die Quote von 3,00 auf Russell eine Mercedes-Dominanz einpreist, die bisher nicht nachweisbar ist. Wenn Mercedes im Qualifying am Samstag nicht in den Top 3 auftaucht, wird Russell schnell in Richtung 4,00–4,50 driften.

Red Bull: Solide, nicht spektakulär

Verstappen auf P3 hinter zwei Ferraris – das ist die erwartete Ausgangslage. Red Bull fährt 2026 erstmals mit einer hauseigenen Power Unit (mit Ford), was Unsicherheit mitbringt. Verstappens Quote von 4,00 reflektiert beides: sein individuelles Genie und die technische Ungewissheit.

Aus Wettsicht bleibt Verstappen der gefährlichste Außenseiter. Vier WM-Titel sprechen für sich – und er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er aus einem zweitbesten Auto ein WM-fähiges Paket machen kann. Bei 4,00 ist das fair gepreist, aber nicht unbedingt Value.

McLaren: Die größte Quotenverschiebung

Norris mit sieben Runden wegen Getriebeproblemen – das ist das Szenario, das McLaren-Wetter fürchten mussten. Der amtierende Weltmeister hat unter den neuen Regeln noch keine Zuverlässigkeit bewiesen. Piastri lief zwar problemfrei, kam aber nicht über das Mittelfeld hinaus.

McLarens Stärke war historisch die Entwicklung im Saisonverlauf. 2025 starteten sie schwächer und dominierten ab der zweiten Saisonhälfte. Bei Norris‘ Quote von 10,00 und McLaren bei 3,50 im Konstrukteurskampf: Wenn Melbourne schlecht weiterläuft, dürften beide Quoten steigen – möglicherweise auf 12,00–15,00 für Norris und 5,00+ für McLaren. Das wäre dann der Moment, an dem langfristige Wetter zugreifen könnten.

Audi & Aston Martin: Die Extreme

Audi (Platz 9–10): Für ein Team, das seinen ersten F1-Tag erlebt, sind P9 und P10 bemerkenswert. Hülkenberg und Bortoleto haben mehr aus dem Auto geholt als erwartet. Für den WM-Markt irrelevant (keine Titelquoten), aber für Spezialwetten (Konstrukteurs-Endplatzierung, Punktewertung) ein Signal, dass Audi nicht das Hinterbänkler-Desaster wird, das manche erwartet haben.

Aston Martin: Das Gegenteil. Alonso nicht gefahren, Stroll 30 Sekunden hinter der Spitze. Honda-Power-Unit mit massiven Vibrationsproblemen. Das ist nicht „schlechtes Training“ – das ist eine fundamentale Krise. Wenn sich das nicht innerhalb der nächsten Wochen löst, steht Aston Martin vor einer verlorenen Saison.

Wie viel ist FP1 wirklich wert?

Ehrliche Antwort: Begrenzt. FP1 ist eine Orientierung, kein Ergebnis. Teams testen unterschiedliche Programme, Spritmengen, Reifen. Mercedes hat möglicherweise gar nicht versucht, schnell zu fahren. Ferrari hat möglicherweise alles auf eine Schlagzeile gesetzt.

Aber: In einer Saison mit komplett neuen Regeln ist FP1 aussagekräftiger als in Normaljahren. Kein Team hat Erfahrungswerte mit den neuen Autos. Die Hierarchie, die sich in Melbourne zeigt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch in die nächsten Rennen hineinzuwirken – weil es keine Entwicklungsdaten aus Vorjahren gibt, auf die man zurückgreifen kann.

Unser Fazit für den Wettmarkt

Ferrari / Leclerc: Die Quoten werden sinken. Wer auf Leclerc (aktuell 6,00) oder Ferrari-Konstrukteur (3,50) setzen wollte, sollte es vor dem Qualifying tun – danach wird es teurer.

  • Russell / Mercedes: Unter Druck, aber noch nicht widerlegt. Wenn Mercedes am Samstag im Qualifying vorne auftaucht, war FP1 eine Fußnote. Wenn nicht, wird Russell von 3,00 auf 4,00+ driften – das wäre dann antizyklisch interessant.
  • Norris / McLaren: Getriebeproblem + schwache Pace = Quotenverschiebung nach oben. Wer an McLarens Entwicklungsstärke über die Saison glaubt, bekommt in den nächsten Tagen bessere Preise als heute.
  • Verstappen: Stabil bei 4,00 – FP1 ändert nichts an seiner Einschätzung. Fair gepreist, aber kein offensichtlicher Value.

Achtung: Das ist ein einziges Freies Training. Die Quoten werden sich bis Sonntagabend nach dem Rennen deutlich stärker verschieben. Wer auf Saisonwetten setzt, sollte mindestens die ersten drei Rennen abwarten – es sei denn, er sieht jetzt einen Preis, der nach dem Qualifying verschwunden sein wird.


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Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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