
Die englische Premier League geht einen mutigen neuen Weg in der Vermarktung ihrer Inhalte: Erstmals plant die Liga, ihre Spiele direkt an Fans zu streamen, statt sie über klassische Sender zu verkaufen. Dieser Schritt hat das Potenzial, die Fußball-Medienlandschaft nachhaltig zu verändern – und gibt auch der Bundesliga eine mögliche Zukunftsvision vor.
Neues Modell: „Premier League +“ in Singapur
Die Premier League hat angekündigt, zur Saison 2026/27 einen eigenen Streamingdienst mit dem Namen „Premier League +“ zu starten – zunächst in Singapur. Dort will die Liga ihren Inhalt direkt an Zuschauer verkaufen, ohne den klassischen Umweg über Sender wie Sky, DAZN oder NBC.
Das Modell unterscheidet sich vom bisherigen Ansatz: Statt Rechte an Fernsehanstalten oder Plattformen zu verkaufen, übernimmt die Liga die Distribution selbst. Das bedeutet, dass sie sich künftig auch mit Preisgestaltung, Werbung, Kundenbindung und Streaming-Technik auseinandersetzen will – Faktoren, die bisher Sender und Dienstanbieter getragen haben.
Zudem entsteht ein neues Produktionszentrum in London, das die Medieninhalte zentral für die Liga produzieren soll. Die Premier League hofft, aus Singapur wichtige Erfahrungen zu sammeln und das Modell später weltweit auszurollen.
Warum dieser Schritt?
Die Beweggründe der Premier League sind klar: Durch direkte Vermarktung kann die Liga mehr Kontrolle und potenziell höhere Einnahmen erzielen. Statt nur einer einmaligen Rechtezahlung könnten laufende Einnahmen aus Abonnements und globalen Streaming-Deals entstehen. Dieser Trend erinnert an Angebote wie den NBA League Pass oder NFL Game Pass, bei denen Fans direkt bei der Liga bezahlen, um Spiele zu sehen.
Außerdem bewegt sich der Fußballmarkt immer stärker in Richtung digitale Direktangebote, da Streaming viele Zuschauergewohnheiten verändert hat. Junge Zielgruppen sind zunehmend bereit, Inhalte online und à la carte zu konsumieren statt über klassische TV-Pakete.
Signalwirkung für die Bundesliga?
Dass die Bundesliga genau hinschaut, ist kein Geheimnis. Nach Angaben aus der Meldung wird der Schritt in Singapur als Vorbild gesehen, weil auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) daran interessiert ist, ihr Produkt international stärker zu vermarkten.
Allerdings gibt es derzeit keine öffentliche Bestätigung, dass die Bundesliga einen eigenen Streamingdienst starten will. Die DFL hat erst kürzlich die Verlängerung der Zusammenarbeit mit der China Media Group über 2027/28 hinaus unterzeichnet – ein traditionelleres Rechte-Modell.
Dennoch könnte ein eigenes Angebot perspektivisch Sinn machen: Im deutschen Markt sind mehrere Anbieter und Rechte-Splitte inzwischen Standard, was Fans oft zu mehreren Abos zwingt (z. B. DAZN, Sky, RTL+). Ein zentrales Bundesliga-Streaming könnte diese Fragmentierung mittelfristig reduzieren – und der Liga direkte Einnahmen sichern.
Was bedeutet das für Fans?
Für Fußball-Abonnenten wäre ein eigener Bundesliga-Streamingdienst ein weiteres Abo-Produkt – und er könnte Vor- und Nachteile haben:
- Positiv: Direkter Zugang zu Spielen und Zusatzinhalten, potenziell niedrigere Einstiegspreise als bei kombinierten TV-Paketen.
- Negativ: Noch mehr Dienste, die monatlich bezahlt werden müssen; mögliche Fragmentierung von Inhalten.
Ob und wann die Bundesliga diesen Schritt geht, bleibt offen. Doch der Vorstoß der Premier League zeigt: Die Zukunft der Fußballübertragung könnte direkter und digitaler werden – und Fans, Medienhäuser sowie Ligen selbst vor neue Herausforderungen stellen.