Handball: Wieso trainiert Bob Hanning eigentlich Italien?

Simon Schneider | am: 15.01.26
Italien geht als klarer Außenseiter in die Handball-EM 2026.

Dass Bob Hanning bei einer Handball-Europameisterschaft nicht für Deutschland, sondern für Italien an der Seitenlinie steht, sorgt für verwunderte Blicke in der Handball-Szene. Der 57-jährige Deutsche, bekannt als Geschäftsführer der Füchse Berlin und langjähriger Funktionär im deutschen Handball, hat sich im Frühjahr 2025 einer neuen Aufgabe gestellt.

Er übernahm das Amt des Cheftrainers der italienischen Nationalmannschaft – und das parallel zu seiner verantwortungsvollen Tätigkeit in der Hauptstadt des deutschen Vereinshandballs.

Vom Funktionär zur Nationaltrainer-Überraschung

Hanning ist kein klassischer Nationaltrainer-Einsteiger. Seine Karriere umfasst Stationen als Jugend- und Assistenztrainer, eine Zeit als Coach beim HSV Hamburg und vor allem bedeutende Funktionärsrollen, darunter als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Doch die Aufgabe in Italien markiert seine erste Tätigkeit als Cheftrainer einer Nationalmannschaft bei einem Großereignis.

Warum gerade Italien? Ein historischer Kontext

Der italienische Handball war lange kein Fixpunkt auf der europäischen Landkarte – bis sich das Bild in den vergangenen Jahren veränderte. 2025 gelang den Azzurri nach über zwei Jahrzehnten erstmals wieder die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft, bei der sie überraschend die Hauptrunde erreichten und mit drei Siegen für Furore sorgten.

Der Verband FIGH sah darin eine historische Gelegenheit, den Aufwärtstrend nachhaltig zu gestalten. Statt sich für einen namhaften internationalen Startrainer zu entscheiden, fiel die Wahl auf Hanning: einen Macher mit Erfahrung im deutschen Profi-Handball, der organisatorisch und taktisch überzeugen kann, aber gleichzeitig Lust auf einen Aufbau-Prozess jenseits klassischer Handball-Nationen hatte.

Hannings Verpflichtung sollte laut Verband dazu beitragen, die italienische Handball-Kultur nicht nur kurzfristig erfolgreich, sondern langfristig konkurrenzfähig zu machen. „Es wird ein entscheidender Zeitraum, in dem neue Energie und ambitionierte Ziele gesetzt werden müssen“, erklärte der Präsident des italienischen Verbandes bei der Vorstellung des Deutschen.

Vom Qualifikationsdebüt zur EM-Teilnahme

Der Start in die Mission „Italien bei der EM“ verlief nicht ohne Hürden. In den Qualifikationsspielen seiner ersten Saison als Trainer zeigte die Mannschaft kämpferische Qualitäten, gewann wichtige Spiele – etwa gegen Lettland – und hielt die Chance auf ein EM-Ticket offen.

Nicht ohne Drama: In der Qualifikation kassierte Italien unter Hanning seine erste Niederlage gegen Spanien, verpasste den Gruppensieg, sicherte sich aber dennoch als einer der besten Drittplatzierten das EM-Ticket für die Saison 2026 – die zweite Teilnahme nach fast 30 Jahren.

Die Doppelrolle: Verbandsmann und EM-Taktiker

Eine besondere Facette an Hannings Engagement ist seine Doppelrolle: Er bleibt Geschäftsführer bei den Füchsen Berlin, führt gleichzeitig eine Nationalmannschaft bei einem der bedeutendsten Turniere des Jahres – der Handball-EM 2026 in Dänemark, Norwegen und Schweden.

Mit dieser Aufgabe steht Hanning exemplarisch für einen modernen Handball-Manager, der sich nicht nur um Vereinsbelange kümmert, sondern auch internationale Ambitionen verfolgt. In Interviews betont er, dass die Motivation der Spieler, die Stärkung der Identität und der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Teamkultur im Zentrum seiner Arbeit stehen.

Die italienische Hymne „Il Canto degli Italiani“ – so Hanning augenzwinkernd – bringe seine Spieler schon allein aus Leidenschaft an ihre Grenzen.

Kritik, Kontroversen und deutsche Perspektiven

Nicht alle Beobachter finden die Kombination aus Vereinsfunktionär und Nationaltrainer sinnvoll. In Deutschland sorgte Hanning mehrfach für Diskussionen, wenn er etwa den deutschen Bundestrainer Alfred Gislason öffentlich – und aus italienischer Perspektive – kritisierte, etwa bei Kaderentscheidungen rund um EM-Spieler.

Gleichzeitig bleibt Hanning ein Verfechter des internationalen Handballs: Er sieht Deutschland bei der EM weiterhin als Favoriten auf einen Halbfinaleinzug – ein Statement, das sowohl sportlich als auch freundschaftlich für Gesprächsstoff sorgt.

Ausblick: Hoffnung auf mehr italienische Erfolge

Für Italien und Hanning selbst ist die EM 2026 mehr als nur ein Turnier: Es ist ein Messpunkt für den Fortschritt einer Mannschaft, die lange im Schatten der größeren Handball-Nationen stand. Der Einzug in die Hauptrunde wäre für die Azzurri ein Meilenstein, der über reine Außenseiterrollen hinausweist. Hanning selbst beschreibt diese Perspektive als „Traum“.

So versteht man, warum ein deutscher Handball-Manager plötzlich die italienischen Farben überstreift: Es ist die Verbindung aus Herausforderung, Entwicklungsperspektive und dem Wunsch, eine Handball-Nation auf eine neue Stufe zu heben – ein spannendes Kapitel im europäischen Handball, das bei der EM 2026 seine bisherige Krönung finden könnte.

Simon Schneider Simon – Senior Redakteur & News-Experte Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus (u.a. für das renommierte Portal Sport-Revue) bringt Simon journalistische Sorgfalt in die Welt der Sportwetten. Er weiß: Informationen sind die Währung des Erfolgs.

Während seine Wurzeln im Fußball, Esports und Wintersport liegen, hat er sein Portfolio bei Sportwetten24 erfolgreich erweitert. Simon ist unser Spezialist für das aktuelle Nachrichtengeschehen – von kurzfristigen Ausfällen im Tennis über MMA-Fights bis hin zu Politik-Wetten. In der Redaktion gilt er als der "Allrounder mit dem goldenen Händchen" und überzeugt intern regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. mehr lesen