
Beim Bundesliga-Topspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund am Samstagabend gerieten die Schlagzeilen weniger wegen des Ergebnisses als vielmehr wegen einer strittigen Szene. In der 89. Minute war Dortmunds Angreifer Karim Adeyemi im Strafraum nach einem Zweikampf mit Leipzigs Castello Lukeba zu Boden gegangen. Doch Schiedsrichter Benjamin Brand blieb stumm, auch der Video-Assistent griff nicht ein – sehr zum Ärger der Dortmunder Verantwortlichen. Für BVB-Trainer Niko Kovac war die Situation „ein klarer Elfmeter“: In seinen Augen handelte es sich um ein Foul, das eine Strafstoßentscheidung zwingend nötig gemacht hätte.
Auch Sportdirektor Sebastian Kehl kritisierte die Entscheidung scharf und forderte ein Einschreiten des VAR, da die Hintertorkamera gezeigt habe, dass Lukeba keinen Ballkontakt gehabt habe. Selbst Leipzigs Torschütze Christoph Baumgartner räumte ein, er hätte sich bei gegnerischer Farbe beschwert.
Bittere BVB-Erinnerungen an Bochum
Dass Dortmund nach dem Remis wieder über nicht gegebene Entscheidungen klagt, hat einen Grund: Es ist nicht das erste Mal, dass Karim Adeyemi im Zentrum einer umstrittenen Strafraumszene steht.
Besonders schmerzhaft bleibt das Bundesliga-Spiel vom 28. April 2023 zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund in Erinnerung (1:1). In der 65. Minute war Adeyemi von Bochums Danilo Soares im Strafraum klar gefoult worden, doch Schiedsrichter Sascha Stegemann pfiff nicht auf Elfmeter, und auch der VAR griff nicht ein.
Die Bilder aus dem Ruhrstadion zeigten, dass Soares seitlich von hinten in den Zweikampf ging, den Ball nicht spielte, sondern nur Adeyemi traf und ihn zu Fall brachte – nach allen Regeln der Fußball-Spielordnung ein klarer Strafstoß. Die Sportliche Leitung der DFB Schiri GmbH bestätigte später ausdrücklich, dass es ein Foul und damit einen Elfmeter gegeben hätte, wie die TV-Bilder belegten.
Massive Kritik und DFB-Eingeständnis
Nach dem Bochum-Spiel kochte der Unmut beim BVB über. Sportdirektor Sebastian Kehl nannte die Nicht-Entscheidung „fahrlässig, feige und komplett falsch“, gerade weil sie fünf Spieltage vor Saisonende und im Meisterrennen fiel.
Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe kommentierte, dass Adeyemis Spielweise – mit mehreren Schwalben-Verwarnungen zuvor – Referees vielleicht dazu gebracht haben könnte, künftig vorsichtiger zu pfeifen. Trotzdem stellte Gräfe klar: „Aber es ist halt auch einer, weil der Bochumer […] tatsächlich trifft.“
Sogar Stegemann selbst räumte später Fehler ein und sagte, nach Sicht der Szene sei es für ihn ein Elfmeter gewesen – eine Einordnung, die er auf dem Platz so nicht getroffen hatte.
Wiederholungstäter Adeyemi?
Mit Blick auf die aktuelle Diskussion in Leipzig stellt sich die Frage: Warum werden ausgerechnet klare Elfmeter-Situationen, in die Adeyemi involviert ist, so häufig nicht gepfiffen?
Während Dortmunds Verantwortliche betonen, dass es sich um legitime Situationen handelt, entwickeln manche Beobachter die These, dass vergangene Schwalben-Verwarnungen bei Adeyemi zu einer höheren Zurückhaltung der Unparteiischen führen könnten, ihn in Zweifelsfällen nicht den Vorteil zu geben.
Ob diese These zutrifft oder nicht – fest steht, dass frühere Fehlentscheidungen wie in Bochum nicht nur vereinzelt blieben, sondern nun wieder aufleuchten. Für den BVB können solche Momente am Ende entscheidend sein: im Kampf um Meisterschaftspunkte, bei direkten Duellen oder im engen Tabellenkampf.
Nach dem späten Ausgleich in Leipzig bleibt Dortmund jedenfalls mit einem bitteren Beigeschmack zurück – und mit der Forderung, dass solche offensichtlichen Szenen künftig konsequent mit VAR-Unterstützung geahndet werden.