
Meinung von Chefredakteur Simon Schneider
Die Hängepartie um die Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck beim Borussia Dortmund dauert nun schon deutlich länger, als sie sollte – und sie nervt. Fast ein Dreivierteljahr zerren sich Spieler und Klub an diesem Thema ab, ohne dass echte Klarheit herrscht. Für einen Führungsspieler, der auf und neben dem Platz eine zentrale Rolle im Team spielt, ist das schlicht zu viel Zeit.
Der BVB darf sich nicht länger von Schlotterbeck auf der Nase herumtanzen lassen – ein klares Signal muss jetzt kommen.
Welche Fragen sind eigentlich noch offen?
Schlotterbecks Vertrag läuft noch bis Sommer 2027, doch die Gespräche über eine Verlängerung ziehen sich hin wie Kaugummi. Sportdirektor Sebastian Kehl betonte wiederholt, man wolle frühzeitig verlängern und dem Abwehrchef eine Perspektive bieten – finanziell attraktiv, personell stabil, sportlich ambitioniert. So weit, so verständlich.
Aber: Inzwischen ist klar, was beide Seiten wollen – oder zumindest grob wissen sollten. Die Rahmenbedingungen stehen längst fest. Und trotzdem fällt eine Entscheidung aus. Für einen Klub wie den BVB, der seit Jahren – zurecht – von klaren Ansagen und ambitionierter Planung lebt, ist dieses Zögern ein Luxus, den man sich nicht leisten kann.
Eine Entscheidung muss her – und zwar jetzt
Klar, ein Spieler hat das Recht, seine Zukunft sorgsam zu planen. Auch Schlotterbeck hat sich intern eine Frist gesetzt, die er aber nicht öffentlich machen will. Auch das ist legitim – aber nicht, wenn der Verein jahrelang im Unklaren gelassen wird, während andere Topklubs in Lauerstellung warten.
Das betrifft nicht nur die sportliche Planung, sondern auch die strategische Kaderentwicklung. Will Dortmund den Weg nach oben fortsetzen, braucht es Kontinuität, Klarheit und frühzeitige Entscheidungen. Die Fans, die Mannschaft, die sportliche Leitung – alle haben ein Anrecht darauf zu wissen, woran sie sind.
Interesse aus England und Spanien
Mal abgesehen von der Zeitfrage: Der sportliche Wert Schlotterbecks ist unbestritten. In dieser Saison hat er wieder bewiesen, dass er nicht nur ein hervorragender Verteidiger, sondern auch ein Leader auf dem Platz ist – technisch stark, mutig im Zweikampf und charakterlich ein unübersehbarer Faktor.
Diese Qualitäten machen ihn attraktiv und haben bereits Interesse aus München, England und Spanien nach sich gezogen. Die Spekulationen um potenzielle Abnehmer, etwa aus Madrid, zeigen, dass seine Zeit beim BVB nicht ewig so unklar bleiben kann.
Zögern nicht länger nachvollziehbar
Doch so wichtig Schlotterbeck sportlich ist: Der BVB sollte sich nicht zum Bittsteller machen. Wer seit Monaten um eine Zusage bettelt, verliert am Ende die Deutungshoheit. Und das kann am Ende schlimmere Folgen haben, als einen verdienten Spieler ziehen zu lassen, der unbedingt woanders hin will.
Fußball ist ein Geschäft – klar. Loyalität zählt. Aber eine einseitige Geduldsparty darf nicht zur Dauerlösung werden. Wenn der Spieler signalisiert, dass er bleiben will und die Perspektive realistisch ist, prima. Wenn nicht – dann muss man handeln, bevor man zum Verlierer dieser Vertragssaga wird.
Der BVB darf sich nicht abhängig machen
Der BVB steht sportlich gut da, kämpft in der Bundesliga ganz oben mit und sollte sich nicht dauerhaft in Unsicherheit suhlen. Klarheit schafft Stabilität. Und Stabilität ist ein Grundpfeiler für Erfolg. Wenn Schlotterbeck also ein Zeichen setzt und sagt: „Ich bleibe – mit Überzeugung!“ – umso besser.
Wenn nicht, dann muss Borussia Dortmund die Konsequenzen ziehen und sich neu ausrichten. So hart das klingt: Ein Klub dieser Größenordnung darf nicht von Unschlüssigkeit abhängig sein. Die Entscheidung liegt nun bei Schlotterbeck – doch der BVB sollte seine Geduld nicht endlos verschenken.