Lars Ricken heute: Zehn Sekunden für die Ewigkeit – und eine zweite Karriere beim BVB

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 4 Min. Lesezeit

Zehn Sekunden. So lange war Lars Ricken auf dem Platz, als er am 28. Mai 1997 im Champions-League-Finale in München den Ball über Juventus-Torwart Angelo Peruzzi lupfte und den BVB zum 3:1-Sieg und damit zum Titel trieb. Es war eines der ikonischsten Tore in der Geschichte des europäischen Fußballs – und es kam von einem 20-jährigen Einwechselspieler, der eben noch auf der Bank gesessen hatte.

Dieser Moment hat Lars Ricken definiert. Aber er hat ihn auch überlebt – in dem Sinne, dass Ricken sich seit drei Jahrzehnten nicht darauf ausruht. Heute, mit fast 50 Jahren, sitzt er nicht mehr auf der Bank, sondern am Vorstandstisch von Borussia Dortmund.

Der Spieler: Ein Leben in Schwarz-Gelb

Ricken ist ein Kind Dortmunds. TuS Eving-Lindenhorst, TSC Eintracht Dortmund, dann 1990 in die BVB-Jugend – und dort blieb er. 1993 schaffte er unter Ottmar Hitzfeld den Sprung in den Profikader. Sein erstes Bundesligaspiel: 8. März 1994, Einwechslung gegen den VfB Stuttgart. Das erste von 301 Bundesligaspielen für den BVB, mit 38 Toren.

Was in dieser Zeit an Titeln zusammenkam, ist bemerkenswert: Zwei Deutsche Meisterschaften (1995 und 1996), Champions-League-Sieg 1997, Weltpokal 1997. Für einen Spieler, der nie unumstrittener Stammspieler war, ist das eine außergewöhnliche Titelliste.

Das Champions-League-Finale war sein größter Abend – aber er hatte auch in den Runden zuvor geliefert: entscheidende Treffer im Viertelfinale gegen Auxerre und im Halbfinale gegen Manchester United. Der Finaltreffer war kein Zufall, er war Resultat einer Spielzeit, in der Ricken in den wichtigsten Momenten da war.

Vereinshistorie:

Zeitraum Verein
1993–2007 Borussia Dortmund (Profis)
1993–2009 Borussia Dortmund II

Verletzungen – vor allem ein Kreuzbandriss 2005 – bremsten ihn in seinen letzten Jahren. Ab 2005 spielte er überwiegend für die zweite Mannschaft, im Februar 2007 beendete er seine Profikarriere. Andere Vereine? Nie. Rickens gesamte aktive Laufbahn gehörte dem BVB.

Der Moment: Das Tor, das bleibt

„BVB-Tor des Jahrhunderts“ nennen es die Dortmunder Fans. Zehn Sekunden nach der Einwechslung, ein Heber aus 20 Metern über Peruzzi, 3:1 – fertig. Juventus Turin, der haushohe Favorit, geschlagen. Borussia Dortmund, Europameister.

Was dieses Tor so besonders macht, ist nicht nur die Technik oder der Timing-Zufall – es ist die Geste dahinter. Ein Jugendspieler des Vereins, der nie woanders spielen wollte, der in der wichtigsten Nacht der Vereinsgeschichte den entscheidenden Treffer erzielt. Das ist Fußball-Romantik, die heute kaum noch herstellbar ist.

Nationalmannschaft: Randfigur bei einer WM-Finalteilnahme

16 Länderspiele, ein Tor – Rickens Bilanz im DFB-Trikot ist überschaubar. Sein einziger Treffer fiel beim 7:1-Kantersieg gegen Israel 2002. Zur WM 2002 in Japan und Südkorea wurde er von Rudi Völler nominiert – und saß das gesamte Turnier auf der Bank. Deutschland erreichte das Finale, verlor 0:2 gegen Brasilien. Ricken sah es von der Ersatzbank aus.

Jugendlich war er erfolgreicher: U16-Europameister 1992 unter Bernd Stöber, Vize-Europameister mit der U18 1994. Aber für die A-Nationalmannschaft blieb er eine Randerscheinung – ähnlich wie Allofs in anderer Form das ewige Talent, das im Verein brillierte und im Nationalteam nie die Bühne bekam.

Nach der Spielerkarriere: Vom Nachwuchskoordinator zum Geschäftsführer

Nach dem Karriereende 2007 folgten zwei Jahre als TV-Experte bei Sky – Bundesliga- und Europa-League-Analysen, als Kollege von Beckenbauer, Sammer und Hitzfeld. Im Juli 2008 wechselte er in die BVB-Geschäftsstelle, im selben Jahr wurde er Nachwuchskoordinator. 2021 folgte die Beförderung zum Direktor des Nachwuchsleistungszentrums.

In dieser Rolle ist sein Fingerabdruck deutlich sichtbar. Unter seiner Verantwortung entwickelten sich Spieler wie Christian Pulisic, Jadon Sancho und Giovanni Reyna zu internationalen Stars. Das ist kein Zufall – Ricken hat die Akademie des BVB zu einer der renommiertesten in Europa mitgestaltet.

Im Mai 2024 folgte der nächste Schritt: Lars Ricken wurde als Nachfolger von Hans-Joachim Watzke zum Geschäftsführer Sport beim BVB berufen. Damit sitzt das Dortmunder Urgestein heute an der Spitze des Vereins, für den er als Siebenjähriger das erste Mal gegen einen Ball getreten hat.

Privat: BWL-Abschluss, CD-Produktion, zwei Ehen

Ricken ist kein eindimensionaler Fußballer. Während seiner aktiven Karriere studierte er an der Fernuniversität Hagen und erwarb einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre – eine Basis, die ihm in seiner Managerlaufbahn geholfen haben dürfte. 1998 produzierte er mit 1Live eine Compilation-CD mit seinen Lieblingssongs unter anderem von Die Ärzte. Das klingt wie eine Fußnote, sagt aber etwas über seine Persönlichkeit aus.

Seine erste Ehe mit TV-Moderatorin Andrea Kaiser (2010–2013) scheiterte nach drei Jahren. Seit dem 6. Mai 2016 ist er mit Franziska verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.

Das Ricken-Prinzip: Loyalität als Lebensmodell

Was Lars Ricken von vielen seiner Generation unterscheidet, ist die Konsequenz seiner Vereinstreue. Kein Vereinswechsel als Spieler, kein Karriereende ohne Rückkehr, keine Ablenkung durch andere Projekte. Dortmund war und ist sein Verein – als Kind, als Teenager, als Profi, als Nachwuchschef, als Geschäftsführer.

Ob er als Sportdirektor genauso erfolgreich wird wie als Nachwuchschef – das wird sich zeigen. Aber dass er den richtigen Hintergrund mitbringt, zeigen nicht nur die zehn Sekunden von München 1997, sondern auch die Jahre danach.


Steckbrief Lars Ricken

Geburtstag 10. Juli 1976
Geburtsort Dortmund
Größe 1,78 m
Position Mittelfeld / Flügel
Aktive Karriere 1993–2007
Länderspiele/Tore 16 / 1
Aktuelle Funktion Geschäftsführer Sport, Borussia Dortmund (seit Mai 2024)
Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
Fehler gefunden?
Wir legen höchste Priorität auf aktuelle und fachlich korrekte Informationen. Trotz sorgfältiger Recherche können Fehler nie gänzlich ausgeschlossen werden. Haben Sie einen Fehler gefunden oder eine Anmerkung? Wir freuen uns über Ihren Hinweis, um unsere Inhalte stetig zu verbessern.
Kontaktieren Sie unsere Redaktion