Premier League Darts: Littler holt ersten Tagessieg – hat der Markt ihn zu Recht als Favorit behalten?

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 4 Min. Lesezeit

Luke Littler hat am fünften Spieltag in Cardiff endlich sein Ausrufezeichen gesetzt. Nach vier durchwachsenen Abenden mit nur einem einzigen Sieg schlug der Weltmeister im Finale Jonny Clayton 6:4 – ausgerechnet beim Heimspiel des Walisers. Die Frage, die den Wettmarkt seit Wochen beschäftigt: Ist Littlers Formtief vorbei, oder war Cardiff ein Ausreißer?

Was passiert ist

Littler räumte den Weg zum Finale souverän frei: 6:4 gegen Josh Rock im Viertelfinale, 6:3 gegen Gerwyn Price im Halbfinale – und im Endspiel ein Average von 106,44 bei 54,55 % Doppelquote gegen Clayton. Das Highlight: ein 170er-Finish unter Druck und acht perfekte Darts in Folge. Die Doppel-15 zum 9-Darter verfehlte er nur um Millimeter.

Clayton erwischte ebenfalls einen starken Abend (100,9 Average, 50 % Doppelquote), kam aber am Ende nicht an Littlers Finishing heran. Der Waliser bleibt trotzdem Tabellenführer.

Die Tabelle nach Night 5

Platz Spieler Punkte
1 Jonny Clayton 14
2 Gian van Veen 10
3 Luke Littler 9
4 Gerwyn Price 9
5 Stephen Bunting 7
6 Michael van Gerwen 7
7 Luke Humphries 4
8 Josh Rock 0

Clayton baut seinen Vorsprung aus – fünf Viertelfinalsiege in fünf Abenden, eine bemerkenswerte Konstanz. Van Veen bleibt auf Rang 2 trotz drei Finalniederlage aus fünf Abenden. Littler springt mit dem Tagessieg (5 Punkte) von Rang 7 auf Rang 3 – ein massiver Sprung, der zeigt, wie schnell sich im KO-Format die Tabelle drehen kann.

Auffällig: Titelverteidiger Luke Humphries sitzt mit 4 Punkten auf Platz 7. Nur die Top 4 nach 16 Spieltagen qualifizieren sich für die Finals Night am 28. Mai.

Die Quoten: Littler trotz Formtief klarer Favorit

Der Wettmarkt hat Littler trotz des schwachen Starts nie fallengelassen:

Premier League Gesamtsieger (vor Night 5): Littler – 1,80 (4/5) | Humphries – 5,50 (9/2) | Van Veen – 6,00 (5/1) | Price – 10,00 | Van Gerwen – 12,00 | Clayton – 17,00

Das bedeutet: Die Buchmacher gaben Littler eine implizite Gewinnwahrscheinlichkeit von ca. 56 % – obwohl er nach vier Abenden nur einen einzigen Sieg hatte und auf Rang 7 stand. Die Logik dahinter: Die Premier League wird nicht in der Ligaphase entschieden, sondern in den Playoffs. Und in einem Best-of-11-KO-Abend ist Littler mit seinem Scoring-Power und seiner Nervenstärke gegen jeden Spieler Favorit.

Unsere Einschätzung

Cardiff bestätigt den Markt – teilweise

Littlers Abend in Cardiff war exakt das Niveau, das die Buchmacher einpreisen: 106+ Average, über 50 % Checkout-Rate, 170er-Finish unter Druck. Wenn er so spielt, gewinnt er die Premier League. Die Frage ist: Wie oft spielt er so?

Vor Cardiff hatte Littler eine Turnier-Doppelquote von nur 30 % – miserabel für seine Verhältnisse. Seine Averages waren hoch (102,5 im Turnierschnitt), aber er traf die Doppel nicht. In Cardiff sprang die Doppelquote auf 54,55 %. Das ist der Unterschied zwischen Viertelfinalniederlage und Tagessieg.

Clayton ist der Value-Kandidat

Clayton bei 17,00 (vor Night 5) ist aus unserer Sicht zu hoch gepreist. Der Waliser hat fünf von fünf Viertelfinals gewonnen, liegt souverän an der Tabellenspitze und hat als einziger Spieler im gesamten Feld Konstanz gezeigt. Seine Checkout-Rate von 49 % ist die beste im Turnier.

Ja, Clayton muss die Playoffs erreichen – aber bei 14 Punkten nach 5 Abenden ist das kaum noch in Frage. In einem Best-of-11-KO-Format am Finals Night kann Clayton jeden schlagen. Bei 17,00 hat er aus Wettperspektive mehr Value als Littler bei 1,80.

Humphries in echten Schwierigkeiten

4 Punkte nach 5 Abenden. Nur zwei gewonnene Matches in der gesamten Saison 2026. Der Titelverteidiger muss aufholen – und der Abstand zur Playoff-Zone wird mit jedem Abend kritischer. Bei 5,50 auf den Gesamtsieg preist der Markt ein, dass Humphries seine Form findet. Das ist möglich – 2025 startete er ähnlich schwach und gewann am Ende. Aber 2026 ist das Feld stärker, und 11 Abende sind nicht endlos viel Zeit.

Rock: Die 0-Punkte-Krise

Josh Rock hat nach fünf Abenden null Punkte. Vier 6:2-Niederlagen in Folge vor Cardiff, dazu ein Turnierschnitt von 91,6. Der 9-Darter in Belfast war spektakulär – aber er verlor das Spiel trotzdem. Wenn Rock nicht bald punktet, wird seine Saison zur reinen Formsache.

Fazit für den Wettmarkt

  • Littler bei 1,80 wird nach Cardiff eher in Richtung 1,60–1,70 sinken. Wer auf Littler setzen will, hat jetzt den letzten Moment zu einem halbwegs vernünftigen Preis.
  • Clayton bei 17,00 war vor Night 5 Value – nach dem verlorenen Finale gegen Littler dürfte er auf 12,00–14,00 sinken. Immer noch interessant für einen Spieler, der die Tabelle dominiert.
  • Van Veen bei 6,00 ist der solide Kompromiss: Drei Finalteilnahmen in fünf Abenden, WM-Finalist, Platz 2 in der Tabelle. Sein Problem: Er verliert Finals. Drei Endspielniederlagen aus drei Anläufen. Wenn er das Finalproblem löst, ist 6,00 ein Geschenk. Wenn nicht, bleibt er der ewige Zweite.

Abwarten lohnt sich bei Humphries. Wenn er bis Night 8–9 nicht in den Top 4 steht, wird seine Quote steigen – und die Chance auf einen späten Humphries-Run zu besseren Preisen wäre dann der antizyklische Play.


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Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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