
In der europäischen Fußballwelt sorgt ein mutmaßlicher Rassismus-Vorfall um Vinícius Júnior für Schlagzeilen – und mitten im Zentrum der Debatte steht Vincent Kompany. Der Bayern-Trainer hat in einem öffentlichen Statement ungewöhnlich scharf gegen José Mourinho ausgeteilt – und damit eine hitzige Diskussion über Rassismus, Verantwortung und Digitalisierung der Debatte entfacht.
Auslöser war das Champions-League-Play-off-Hinspiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon, bei dem Prestianni, ein Spieler von Benfica, dem Real-Star Vinícius Junior nach dessen Torjubel rassistische Worte zugerufen haben soll. Die UEFA hat Ermittlungen eingeleitet. Mourinho sorgte im Anschluss für Kontroversen, weil er weniger die Vorwürfe, sondern mehr den Torjubel und die Frage betonte, ob Real Madrid selbstanteil habe. Kompany reagierte darauf mit einem kraftvollen Appell.
Kompanys flammendes Statement
Vor dem Bundesliga-Spiel seines FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt nutzte Kompany eine Pressekonferenz, um in einem fast zwölf Minuten langen Statement seine Sichtweise darzulegen. In englischer Sprache, um auch international wahrgenommen zu werden, verteidigte er Vinícius Junior und übte dabei klare, direkte Kritik an Mourinho.
Kompany betonte, dass die Reaktion Mourinhos – den Fokus auf den Jubel zu lenken und Rassismus in Abrede zu stellen – nicht nur fehl am Platz sei, sondern ein Führungsfehler, der das Problem verharmlost. Der Belgier mit kongolesischen Wurzeln beschrieb eindringlich, wie Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft noch immer ein drängendes Thema sei und dass Betroffene ernst genommen werden müssten.
Er wies zudem darauf hin, dass die Geschichte mit großen Namen wie Eusébio (auf den Mourinho verwies) nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass strukturelle Diskriminierung weiterhin existiert. Kompany selbst habe in seiner Karriere mehrfach rassistische Erfahrungen gemacht und appellierte an mehr Sensibilität im Umgang mit entsprechenden Vorwürfen.
Führungsperspektive und Verantwortung
Kompany machte deutlich, dass er Mourinho nicht als Person verurteile, sondern seine Reaktion auf den Vorfall – und den Umgang mit einem sensiblen Thema – kritisiere. Er sprach von einer verpassten Chance, ein Zeichen zu setzen, und forderte stattdessen einen offeneren, empathischeren Umgang mit Betroffenen.
Seiner Ansicht nach sei es die Pflicht von Führungspersönlichkeiten im Fußball, sensibel und verantwortungsbewusst zu agieren – gerade wenn es um Rassismus gehe. Kompanys Worte spiegeln eine wachsende Forderung wider, dass sportliche Autoritätspersonen nicht nur Spiele, sondern auch gesellschaftliche Werte mitprägen sollten.
Debatte schlägt große Wellen
Die Kritik des Bayern-Coachs sorgt in Fußballkreisen für Diskussionen. Während einige Kompanys Mut loben, sich öffentlich gegen Rassismus auszusprechen, sehen andere den Schulterschluss mit der Debatte über Rassismus als komplizierten Balanceakt zwischen Solidarität und Vorverurteilung. Die UEFA-Untersuchung läuft weiter und wird zeigen, wie der Vorfall offiziell bewertet wird.
Unabhängig vom Ausgang bleibt Kompanys Statement ein starkes Zeichen dafür, dass Fragen um Rassismus und Verantwortungsbewusstsein im Fußball weiter hoch auf der Agenda stehen. Seine Kritik an Mourinho dürfte in den kommenden Tagen noch weiter kommentiert und diskutiert werden – auf und neben dem Platz.