Rote Karte auf der Bank: Wird Schlotterbeck jetzt gesperrt?

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit
Nico Schlotterbeck sah in Bergamo die Rote Karte – obwohl er gar nicht auf dem Platz stand. Konsequenzen wird dies trotzdem haben.

Borussia Dortmunds Aus in der Borussia Dortmund Champions League-Play-off-Rückspiel beim Atalanta Bergamo endete nicht nur sportlich in einer Enttäuschung (1:4), sondern auch mit einem ungewöhnlichen und viel diskutierten Platzverweis: Nico Schlotterbeck sah in der Nachspielzeit die Rote Karte, obwohl er gar nicht am Spielgeschehen beteiligt war und lediglich auf der Bank gesessen hatte.

Schlotterbeck selbst zeigte sich nach der Partie fassungslos. In einem Social-Media-Statement schrieb der Verteidiger, dass ihm selbst der spanische Schiedsrichter José María Sánchez Martínez nach dem Spiel den Grund für den Platzverweis nicht habe nennen können.

Demnach sei er lediglich aufgestanden und habe lautstark darauf hingewiesen, dass sich mehrere Atalanta-Spieler nach einer VAR-Entscheidung wieder setzen sollten – ohne Beleidigungen oder respektlose Äußerungen. Trotzdem habe ihn der Schiedsrichter vom Platz verwiesen, obwohl er nicht aktiv am Spiel teilgenommen hatte.

Trainer Kovac mit möglicher Erklärung

Auch Niko Kovač, Trainer von Borussia Dortmund, zeigte sich irritiert über die Entscheidung, lieferte aber zumindest eine mögliche Ursache: Nach seinen Worten könnte Schlotterbeck sich in der technischen Zone des gegnerischen Trainerteams befunden haben. L

aut den Fußballregeln ist es Offiziellen und Ersatzspielern untersagt, die Coaching-Zone der Gegnermannschaft zu betreten. Dies könnte ein formeller Grund sein, obwohl es objektiv niemanden zu verletzen schien und die Situation vorher nicht eskaliert war.

Regeltechnische Grundlage für Sperren

Was bedeutet eine solche Rote Karte nun in Bezug auf mögliche Sperren? Laut den UEFA-Regeln für die Champions League wird ein Spieler oder Mannschafts-Offizieller, der vom Schiedsrichter mit einer Roten Karte belegt wird, automatisch für das nächste UEFA-Klubspiel gesperrt, egal ob es ein Feldspiel, ein Play-off oder eine spätere Phase des Wettbewerbs ist.

Die konkrete Dauer der Sperre kann von der UEFA-Disziplinarkammer je nach Schwere des Vergehens noch erhöht werden.

Da Dortmund in dieser Saison jedoch in der Champions League ausgeschieden ist, bleibt die Frage: Wird die Sperre in die nächste Saison übertragen? Nach den UEFA-Regelungen werden einzelne Rote Karten-Sperren grundsätzlich in den nächsten relevanten UEFA-Wettbewerb getragen, wenn der Spieler dort spielberechtigt wäre.

Spieler-Sperren aus Platzverweisen, die am Ende einer Saison ausgestellt werden, sind nicht automatisch aufgehoben – sie können in den folgenden europäischen Wettbewerb übernommen werden, solange der Spieler für diesen Wettbewerb gemeldet ist.

Fragwürdiger Ausschluss, unklare Konsequenzen

Der Platzverweis von Nico Schlotterbeck in Bergamo bleibt ein Kuriosum: Ein Spieler, der nicht im Spielgeschehen stand und dessen Aussagen zufolge niemand beleidigt wurde, sah trotzdem die Rote Karte – ein Umstand, der selbst beim Schiedsrichter Unverständnis hervorrief.

Sportlich hatte diese Entscheidung zwar keinen Einfluss mehr auf den Ausgang der Partie, doch für die Disziplinarstatistik und mögliche Sperren ist sie relevant. Sollte die UEFA die Rote Karte als gültigen Platzverweis werten – und daran gibt es keine Garantie, dass sie diesen zurücknimmt – könnte Schlotterbeck zumindest ein Spiel als Sperre in einem kommenden Champions-League-Spiel der nächsten Saison absitzen müssen, sofern er dort spielberechtigt ist.

In jedem Fall dürfte dieser Vorfall auch zur weiteren Diskussion über Schiedsrichterentscheidungen und den Umgang mit Platzverweisen auf der Bank beitragen. Beobachter und Fans werden gespannt verfolgen, ob die UEFA ihrem eigenen Reglement folgend eine Sperre ausspricht oder die Entscheidung intern noch einmal bewertet.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.