
Nach der Trennung von Hamburgs früherem Sportvorstand Stefan Kuntz droht dem HSV eine öffentliche Auseinandersetzung mit erheblicher Sprengkraft. Erstmals hat sich nun der Aufsichtsrat des Bundesligisten offiziell zu Wort gemeldet und Stellung zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung bezogen, die letztlich zur Beendigung der Zusammenarbeit geführt haben.
In der Erklärung des Kontrollgremiums heißt es, dass dem Aufsichtsrat im Dezember 2025 Hinweise auf ein schwerwiegendes Fehlverhalten des damaligen Vorstandsmitglieds zugetragen worden seien. Unmittelbar nach Bekanntwerden habe man externe, spezialisierte Juristen eingeschaltet, um die Vorfälle unabhängig untersuchen zu lassen.
Nach eingehender Prüfung sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Anschuldigungen nachvollziehbar und belastbar seien. Vor diesem Hintergrund habe der Aufsichtsrat entschieden, die Trennung von Kuntz so schnell wie möglich herbeizuführen.
Warum hat Kuntz intern keine Stellung bezogen?
Weiter stellt der HSV klar, dass Kuntz der Vertragsauflösung zum 31. Dezember 2025 zugestimmt habe – und zwar in Kenntnis der gegen ihn erhobenen Vorwürfe sowie mit anwaltlicher Begleitung.
Mehrfach habe man ihm angeboten, sich persönlich gegenüber dem Aufsichtsrat zu äußern. Dieses Angebot habe er jedoch bewusst nicht angenommen. Aussagen über eine angebliche Kampagne gegen seine Person seien daher aus Sicht des Vereins haltlos und würden ein falsches Bild zeichnen.
Kuntz streitet die Vorwürfe ab
Auslöser der öffentlichen Reaktion war ein Instagram-Statement von Kuntz am Sonntagabend. Darin erklärte der 63-Jährige, ihn erreichten zahlreiche Anfragen zur aktuellen Berichterstattung. Die Vorwürfe träfen ihn schwer, zugleich wies er sie entschieden zurück.
Zum Schutz seiner Familie habe er seine Anwälte beauftragt, gegen aus seiner Sicht falsche Anschuldigungen und Vorverurteilungen vorzugehen.
HSV will Betroffene schützen
Der Aufsichtsrat betont in seiner Mitteilung erneut, dass der HSV unabhängig von Position oder Rang keinerlei Fehlverhalten dieser Art toleriere. Der Klub sehe sich klar den Werten von Respekt, Toleranz und Nichtdiskriminierung verpflichtet.
In dem konkreten Fall sei es entscheidend gewesen, schnell, konsequent und zugleich verantwortungsvoll zu handeln. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen habe oberste Priorität.
Mitarbeiterinnen sexuell belästigt?
Konkret geht es um Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Nötigung. Anfang Dezember soll sich eine Mitarbeiterin an den Aufsichtsrat gewandt haben, woraufhin interne Untersuchungen durch eine externe Kanzlei eingeleitet wurden.
Im Verlauf der Prüfung meldeten sich weitere Mitarbeiterinnen mit ähnlichen Schilderungen. Den Anwälten gelten die Aussagen als glaubwürdig, insbesondere die detaillierten Angaben einer zweiten Frau sollen maßgeblich für die Bewertung gewesen sein. In mindestens einem Fall soll es um Äußerungen mit sexuellem Bezug gegangen sein, die als massiv übergriffig empfunden wurden.
Kuntz droht Verlust seiner Reputation
Die Vorgänge führten letztlich zum Aus des einstigen Hoffnungsträgers. Kuntz war erst Ende Mai 2024 nach Hamburg gekommen und hatte den HSV im siebten Anlauf zurück in die Bundesliga geführt.
Trotz sportlichen Erfolgs war eine Vertragsverlängerung jedoch nie reine Formsache. Als Kuntz rund um den Jahreswechsel um eine Auflösung seines Vertrags bat, wirkte dies nach außen einvernehmlich – inzwischen deutet vieles darauf hin, dass es einem erzwungenen Abschied gleichkam.