Sitzt Salih Özcan beim BVB wirklich seinen Vertrag aus?

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit
So gut wie nie auf dem Platz, aber ein fettes Gehalt: Salih Özcan bei Borussia Dortmund.

Die Geschichte von Salih Özcan bei Borussia Dortmund ist inzwischen zu einem Symbol für ein strukturelles Problem geworden. Der Mittelfeldspieler spielt sportlich kaum noch eine Rolle, steht bei Trainer Niko Kovac meist nur als Notlösung im Kader – und dennoch dürfte er bis zum Vertragsende bleiben.

Özcan kam 2022 mit ordentlichem Ruf aus der Jugend und Profiabteilung des 1. FC Köln nach Dortmund. Damals galt er als laufstarker Abräumer, der Stabilität ins defensive Mittelfeld bringen sollte. Doch die Realität entwickelte sich anders: Einsatzzeiten wurden seltener, sportlich rückte er immer weiter ins zweite Glied. In der laufenden Saison kommt er teilweise nur zu Kurzeinsätzen – oder wird komplett aus dem Spieltagskader gestrichen.

Das Ergebnis: Ein Spieler im besten Fußballeralter von 27 Jahren, der kaum noch Perspektive beim BVB hat.

Der Vertrag als Schutzschild

Die Debatte um Özcan dreht sich inzwischen weniger um seine sportliche Qualität als um seinen Vertrag. Der türkische Nationalspieler soll rund vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen – eine Summe, die für viele potenzielle Abnehmer schlicht zu hoch ist.

Entsprechend kursiert seit Monaten die Vermutung, Özcan könnte seinen bis 2026 laufenden Vertrag einfach erfüllen – selbst wenn das bedeutet, große Teile der Zeit auf der Bank oder Tribüne zu verbringen. Laut Berichten plante er ohnehin, seinen Kontrakt zu erfüllen, da er ein vergleichbares Gehalt bei anderen Klubs kaum erzielen dürfte.

Für viele Fans wirkt das wie ein klassisches Beispiel eines Profis, der seinen Vertrag „aussitzt“. Doch so einfach ist die Situation nicht.

Kann man dem Spieler das wirklich vorwerfen?

Die entscheidende Frage lautet: Ist Özcan tatsächlich Teil des Problems – oder eher dessen Ergebnis?

Aus Spielersicht ist die Lage klar. Ein Profi unterschreibt einen Vertrag zu den Konditionen, die ihm ein Verein anbietet. Wenn der Klub bereit ist, ein Gehalt in dieser Größenordnung zu zahlen, ist es kaum überraschend, dass ein Spieler diese Sicherheit auch nutzt. Ein Wechsel zu deutlich schlechteren Konditionen wäre für viele Profis wirtschaftlich unvernünftig.

Zudem hat Özcan durchaus versucht, seine Situation zu verändern. Zwischenzeitlich wurde er verliehen, doch auch diese Phase brachte keine nachhaltige sportliche Perspektive. Der Schritt zurück nach Dortmund bedeutete letztlich nur eine Rückkehr auf die Ersatzbank.

Ein strukturelles Problem beim BVB

Viel spannender als die Personalie Özcan ist deshalb die grundsätzliche Frage: Warum vergibt der BVB solche Verträge überhaupt an Spieler, die eher als Ergänzung gedacht sind?

In den vergangenen Jahren hat Dortmund mehrfach Profis verpflichtet, die solide Bundesliga-Spieler waren – aber keine klare Entwicklungsperspektive mitbrachten. Werden solche Spieler dann mit langfristigen, hoch dotierten Verträgen ausgestattet, entsteht schnell ein Dilemma: Sie sind für den Verein zu teuer, um sie leicht weiterzuverkaufen, und gleichzeitig sportlich nicht stark genug für eine zentrale Rolle.

Özcan ist damit weniger ein Einzelfall als vielmehr ein Symptom dieser Transferpolitik.

Zwischen Realität und Erwartung

Am Ende steht eine nüchterne Erkenntnis: Der BVB sitzt auf einem Spieler, der sportlich kaum noch eingeplant ist, finanziell aber nur schwer zu bewegen ist. Für Özcan wiederum ist der Vertrag eine Absicherung – und kein moralisches Problem.

Die Kritik richtet sich deshalb weniger an den Spieler als an die Struktur dahinter. Denn wenn ein Klub Ergänzungsspielern Gehälter zahlt, die sie für andere Vereine unattraktiv machen, schafft er sich seine Probleme oft selbst.

Salih Özcan ist damit nicht nur ein Reservist im Dortmunder Kader – sondern ein Sinnbild für eine Transferpolitik, deren Nebenwirkungen inzwischen deutlich sichtbar werden.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
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