Mit dem Abschalten der Studiolichter in Lausanne geht eine der prägendsten Sendungen des Schweizer Sportradios zu Ende. Stéphane Trisconi beendet seine Zeit bei Sport-Première – und damit schließt sich ein Kapitel, das den Sportjournalismus der französischsprachigen Schweiz über Jahre hinweg geprägt hat.
In den Studios von RTS, hoch über Lausanne, lief Trisconis letzte Sendung an einem Samstagabend so ruhig und konzentriert ab, wie es seinem Stil entsprach. Mit dem Ende der Verkehrsmeldungen verlöschten zum letzten Mal die roten und blauen Lichter im Studio – ein stiller Abschied für eine Sendung, die sonst vom Adrenalin lebte.
Ein Radiokonzept aus einer anderen Zeit
Seit 2013 war Trisconi an dutzenden Samstagabenden das Gesicht – oder besser: die Stimme – von Sport-Première. Das Format stand für einen Journalismus, der heute kaum noch existiert: Live, ununterbrochen, vielseitig. Fußballplätze, Eishallen, spontane Wendungen – alles floss in Echtzeit zusammen, ohne Schnitte, ohne Pause.
Die Sendung lief regelmäßig von 19 bis 23 Uhr, bei Overtime im Eishockey nicht selten bis Mitternacht. Damit war Sport-Première nicht nur eine der längsten, sondern auch eine der traditionsreichsten Sportsendungen im RTS-Programm. Ursprünglich von Francis Parel geprägt, ging das Format wie ein Vermächtnis an Trisconi über – der es als moderner Hüter weiterführte.
Balance zwischen Ekstase und Analyse
Das Erfolgsrezept änderte sich über Jahre kaum: schnelle Live-Schalten wechselten sich mit ruhigeren, analytischen Momenten ab. Genau diese Mischung machte die Sendung einzigartig – und zugleich schwer reproduzierbar. RTS-Sportverantwortliche beschrieben Sport-Première oft als Grenzgang zwischen emotionalem Rausch und journalistischer Einordnung.
Doch genau dieses Gleichgewicht wurde zunehmend zur Herausforderung. In einer Medienwelt, die immer stärker auf kurze Formate, Clips und On-Demand-Inhalte setzt, wirkte das klassische Live-Multiplex-Radio zunehmend wie ein Relikt aus einer anderen Epoche.
Offene Fragen für die Zukunft des Sportradios
Das Ende von Sport-Première kam für viele überraschend – und wirft Fragen auf. Was folgt auf ein Format, das Live-Sport, Analyse und Atmosphäre über Jahrzehnte verbunden hat? Und hat klassisches Sportradio in dieser Form überhaupt noch Platz?
Antworten darauf gibt es bislang nicht. Klar ist nur: Mit Stéphane Trisconi verabschiedet sich nicht nur ein Moderator, sondern ein ganzer Stil von Sportjournalismus. Ob und wie diese Lücke geschlossen wird, bleibt offen.
Für viele Hörer endet damit eine Ära – leise, respektvoll und ganz ohne Abpfiff.

