
Die Szene im Bundesliga-Klassiker gegen den FC Bayern München ließ nichts Gutes ahnen. Nach einem Zweikampf blieb Emre Can mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen, hielt sich das Knie – und musste wenig später ausgewechselt werden. Die Diagnose bestätigte die schlimmsten Befürchtungen: Kreuzbandriss im linken Knie, Saison-Aus.
Für den Kapitän von Borussia Dortmund ist es ein schwerer Rückschlag. Mehrere Monate Pause stehen bevor, eine Operation und ein langer Reha-Weg. Besonders bitter: Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Normalerweise eine Situation, in der Vereine vorsichtig werden. Doch in diesem Fall entscheidet sich der BVB für einen anderen Weg.
Ein Zeichen der Wertschätzung
Statt Distanz zu wahren, sendet Dortmund ein deutliches Signal: Der Klub will mit seinem Kapitän verlängern – trotz der schweren Verletzung.
BVB-Geschäftsführer Lars Ricken bestätigte, dass der Verein weiterhin mit Can plant. Die Verantwortlichen hätten „eine enorme Wertschätzung“ für den Mittelfeldspieler und wollen ihn deshalb über den Sommer hinaus auf seinem Weg zurück begleiten.
Geplant ist demnach eine Vertragsverlängerung über den 30. Juni hinaus. Konkrete Gespräche sollen allerdings erst stattfinden, wenn Can seine Operation hinter sich gebracht hat und klar ist, wie der Reha-Prozess verläuft.
In Zeiten, in denen Verträge im Profifußball häufig rein nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet werden, ist diese Entscheidung bemerkenswert. Dortmund stellt bewusst Loyalität über kurzfristige Risikoabwägung.
Kapitän und Führungsspieler
Die Bedeutung von Emre Can für den BVB geht über reine Statistiken hinaus. Seit 2023 trägt der gebürtige Frankfurter die Kapitänsbinde und ist eine zentrale Führungsfigur in der Kabine.
Seine Rolle reicht dabei weit über das defensive Mittelfeld hinaus. Can kann sowohl im Mittelfeld als auch in der Abwehr eingesetzt werden und gilt als emotionaler Antreiber der Mannschaft. Gerade in schwierigen Phasen ist er einer der Spieler, die Verantwortung übernehmen.
Trainer und Mitspieler betonen immer wieder seine Bedeutung für die Teamstruktur. Für eine Mannschaft im Umbruch kann ein solcher Führungsspieler kaum ersetzt werden – selbst wenn er für einige Monate ausfällt.
Mehr als nur ein Vertrag
Die geplante Verlängerung ist daher auch eine symbolische Entscheidung. Der BVB will zeigen, dass Spieler, die sich über Jahre für den Verein einsetzen, nicht in dem Moment fallengelassen werden, in dem sie verletzt ausfallen.
Im modernen Profifußball ist das keineswegs selbstverständlich. Gerade bei auslaufenden Verträgen führt eine schwere Verletzung häufig dazu, dass sich Verein und Spieler trennen. Dortmund geht bewusst einen anderen Weg.
Für Can bedeutet das vor allem eines: Sicherheit während der langen Reha-Phase. Statt um seine Zukunft bangen zu müssen, kann sich der Kapitän vollständig auf sein Comeback konzentrieren.
Ein starkes Signal im Fußballgeschäft
Die Entscheidung des BVB ist daher mehr als nur eine Personalie. Sie ist auch ein Statement über Werte im Profifußball.
Borussia Dortmund zeigt, dass Loyalität und Vertrauen im Geschäft weiterhin eine Rolle spielen können – selbst in einem Umfeld, das sonst von Zahlen, Verträgen und kurzfristigen Erfolgen geprägt ist.
Ob und wann Emre Can wieder auf sein altes Niveau zurückkehrt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Doch eines steht schon jetzt fest: Der BVB steht in dieser schwierigen Phase hinter seinem Kapitän. Und genau das macht diese Vertragsverlängerung zu einer der bemerkenswertesten Entscheidungen dieser Saison.