
Knapp siebeneinhalb Jahre nach Angelique Kerbers Wimbledon-Triumph könnte der nächste ganz große deutsche Tennis-Moment näher rücken. Zumindest wenn man den Stimmen prominenter Ex-Profis glaubt. Sowohl Kerber selbst als auch Tommy Haas sehen Alexander Zverev reif für den ganz großen Coup – womöglich sogar schon in dieser Saison. Am Rande der Australian Open machten die beiden früheren Topstars deutlich, wie viel sie dem Hamburger zutrauen.
Kerber zeigt sich überzeugt, dass Zverev früher oder später einen Grand-Slam-Titel holen wird. Sie verweist auf seine enorme Trainingsdisziplin und seine Fähigkeit, auf höchstem Niveau zu spielen.
Aus ihrer Sicht brauche es bei einem Major-Turnier neben Klasse auch das nötige Quäntchen Fortune – und die Fähigkeit, auch durch schwierigere Matches hindurchzukommen. Genau das bringe Zverev inzwischen mit.
Prominente Unterstützung für den Titeltraum
Auch Tommy Haas, einst selbst Weltranglistenzweiter, schlägt in dieselbe Kerbe. Für ihn gehört Zverev längst zur absoluten Weltspitze, mit realistischen Chancen auf jeden der vier größten Titel.
Der Deutsche wirke stabil, fit und mental gefestigt. Selbst ein Duell mit Carlos Alcaraz schrecke ihn nicht: Zverev habe bereits mehrfach bewiesen, dass er gegen die größten Namen bestehen könne. Und wenn er erst einmal in einem Finale stehe, sei in einem einzelnen Spiel ohnehin alles offen.
Boris Becker äußerte sich nach Zverevs Viertelfinalsieg ebenfalls sehr positiv. Der frühere Wimbledon-Champion lobte dessen Leistungsniveau im gesamten Turnierverlauf und meinte, in dieser Verfassung könne Zverev tatsächlich bis zum Titel durchmarschieren.
Per Kraftakt ins Halbfinale
Der Weltranglistendritte selbst lieferte auf dem Platz die passenden Argumente. Im Viertelfinale rang er den stark aufspielenden US-Youngster Learner Tien in einem intensiven Match nieder und zog zum vierten Mal in Melbourne ins Halbfinale ein. Nach über drei Stunden Spielzeit verwandelte Zverev seinen vierten Matchball und durfte erneut vom größten Titel seiner Karriere träumen.
Im Anschluss zeigte er sich erleichtert und stolz. Besonders das druckvolle Spiel seines Gegners von der Grundlinie habe ihm alles abverlangt, erklärte er. Sein Aufschlag sei an diesem Tag ein entscheidender Faktor gewesen – ohne die vielen freien Punkte wäre es wohl deutlich enger geworden.
Duell mit dem Weltranglistenersten
Im Halbfinale wartet nun mit Carlos Alcaraz eine der schwierigsten Aufgaben im Herrentennis. Doch Zverev muss sich nicht verstecken: Die direkte Bilanz der beiden ist ausgeglichen, und der Deutsche konnte den Spanier bereits in bedeutenden Matches schlagen. Das Wissen darum dürfte zusätzlich Selbstvertrauen geben.
Endlich wieder schmerzfrei
Ein wesentlicher Grund für Zverevs starke Auftritte scheint seine körperliche Verfassung zu sein. Nachdem ihn im vergangenen Jahr immer wieder Beschwerden ausgebremst hatten, fühlt er sich nun erstmals seit langer Zeit wirklich fit. Mit einem Augenzwinkern berichtete er von einer intensiven Behandlung bei Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, die ihm offenbar gutgetan habe.
Vor allem aber betont Zverev, wie wichtig das schmerzfreie Spielen für ihn ist. Seit rund zehn Tagen fühle er sich körperlich richtig gut, sagte er. Diese neue Leichtigkeit spiegele sich auch auf dem Platz wider: mehr Freude am Spiel, mehr Vertrauen in den eigenen Körper – und vielleicht genau das letzte Puzzleteil auf dem Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel.