
Was sich im Estádio da Luz abspielte, hatte alles, was die Champions League so besonders macht: Drama, Chaos – und einen Torhüter als unerwarteten Helden. In der Nachspielzeit köpfte Benficas Keeper Anatolij Trubin seine Mannschaft zu einem spektakulären 4:2-Erfolg gegen Real Madrid und sorgte damit für eine der verrücktesten Szenen dieser Saison.
Während José Mourinho an der Seitenlinie völlig ausrastete und sogar einen Balljungen in seine Jubelarie einbezog, stürzten sich die Mitspieler auf ihren Schlussmann. Ein Torwarttreffer in letzter Minute gegen das Starensemble aus Madrid – viel unwahrscheinlicher wird Fußball kaum.
„Mir fehlen immer noch die Worte“, meinte Trubin später im TV-Interview sinngemäß. Er sei es schließlich nicht gewohnt, selbst zu treffen. „Das war eine völlig irre Situation – so etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärte der Ukrainer mit breitem Grinsen.
Chaos auf dem Platz, Klarheit in letzter Sekunde
Kurios: In der hektischen Schlussphase schien auf dem Rasen kaum jemand genau zu wissen, welche tabellarischen Konsequenzen das 3:2 gehabt hätte. Reichte das Ergebnis? Oder brauchte Benfica noch ein weiteres Tor?
„Ich hatte ehrlich gesagt keinen Überblick, ob uns das genügt“, gestand Mourinho nach Abpfiff. Erst in den letzten Momenten kam offenbar ein entscheidender Hinweis von außen.
Auch Trubin schilderte die Szene später schmunzelnd: Plötzlich hätten Mitspieler hektisch Gesten gemacht und eine Eins angezeigt. „Ich habe erst gar nicht verstanden, was sie wollten – aber alle schrien, ich solle nach vorne sprinten.“ Gesagt, getan. Der Torwart lief mit – und köpfte Benfica endgültig in die nächste Runde.
Mit dem Treffer sicherten sich die Portugiesen in letzter Sekunde einen Platz unter den besten 24 Teams und bleiben im Wettbewerb. Ein später Punch mit enormer Wirkung – sportlich wie finanziell.
„Historisch“ für Benfica, Albtraum für Madrid
Für Mourinho hatte der Sieg weit mehr als nur sportlichen Wert. Ein Erfolg über Real sei immer etwas Besonderes, erklärte er. Dieser Triumph werde jedoch in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung bleiben – wirtschaftlich bedeutsam, prestigeträchtig und emotional überwältigend. „Nach dem Tor hatte ich das Gefühl, das Stadion hebt gleich ab“, beschrieb er die Explosion der Gefühle.
Ganz anders die Stimmung bei den Königlichen. Die spanische Presse sprach von einem Debakel, von einer schwarzen Nacht in Lissabon. Und auch die Stars zeigten sich ungewohnt selbstkritisch.
Jude Bellingham sprach offen darüber, wie furchtbar sich diese Niederlage anfühle. Teamkollege Kylian Mbappé wurde noch deutlicher: So dürfe sich ein Team mit diesem Anspruch nicht präsentieren.
Play-offs und neue Chancen
Für Real geht das Abenteuer Königsklasse dennoch weiter – allerdings über den Umweg der Play-offs. Schon im Februar könnten die Madrilenen die Gelegenheit zur Revanche bekommen. Die Auslosung in Nyon entscheidet, ob es zu einem schnellen Wiedersehen mit Benfica kommt.
Fest steht: Die neu gestaltete Ligaphase der Champions League ist beendet, die Karten werden neu gemischt. Die Teams auf den Plätzen neun bis 16 treffen in den Play-offs auf Gegner aus dem Bereich 17 bis 24, wobei die besser Platzierten im Rückspiel Heimrecht genießen.
Nach diesem magischen Abend in Lissabon ist jedenfalls klar: In dieser Saison ist nichts vorhersehbar – nicht einmal, wer am Ende das entscheidende Tor erzielt. Manchmal ist es eben der Torwart.