Was macht Thomas Strunz heute? Der Europameister 2026

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 12 Min. Lesezeit

Thomas Strunz ist 57 Jahre alt, lebt in Duisburg und ist im deutschen Fußball noch immer präsent – wenn auch nicht mehr als TV-Gesicht oder Vereinsfunktionär. Der frühere Bayern-Star und Europameister von 1996 hat nach einer turbulenten Post-Karriere einen Weg gefunden, dem Sport verbunden zu bleiben: als Spielerberater, als Coaching-Unternehmer und immer wieder als kommentierender Beobachter, wenn der FC Bayern mal wieder Anlass zur Kritik bietet.

Und dann natürlich: „Was erlauben Strunz?“ – der Satz, der ihm auf ewig vorauseilt.


Thomas Strunz heute: Berater, Coach, Kommentator

Nach dem Ende seiner Doppelpass-Ära bei Sport1 (2018) konzentrierte sich Strunz auf zwei Standbeine:

Spielerberatung: Strunz arbeitete als Spielerberater bei der arena11 sports group GmbH aus Grünwald bei München. Seine eigene Firma TS Sports OHG war 2018 von arena11 aufgekauft worden und unter dem Namen ROOF weitergeführt worden. Zu den prominentesten Klienten, die von seinen Agenturen betreut wurden, zählten Max Kruse und Sadio Mané. Die arena11 sports group vertritt heute unter anderem Kai Havertz, Serge Gnabry und Konrad Laimer.

ELEAN – Coaching und Beratung: Strunz engagiert sich bei ELEAN, einem Unternehmen, das Profisportler und Unternehmen durch Seminare, Workshops und Coachings begleitet und berät. Dieses Standbein zeigt, dass er seine Fußballerfahrung nicht nur im Transfer-Geschäft einsetzen will, sondern auch im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und mentale Leistungsfähigkeit.

Öffentliche Auftritte 2026: Im März 2026 war Strunz Gast auf der Leipziger Buchmesse, wo er an der Podiumsrunde zur Vorstellung des Romans „Tore des Lebens“ teilnahm. Den Autor Lars-Wilhelm Baumgarten kennt er persönlich – die beiden betrieben ab 2000 für einige Jahre gemeinsam die Sportagentur „Strunz & Friends“. Strunz steuerte außerdem ein persönliches Statement für die Buchrückseite bei. Der Roman handelt von einem fiktiven Fußballprofi, der Aufstieg, Ruhm, Absturz und Neuanfang erlebt – Themen, mit denen Strunz aus eigener Erfahrung vertraut ist.

Zusätzlich äußert er sich regelmäßig zu aktuellen Bundesliga-Themen. Im August 2025 kritisierte er den FC Bayern öffentlich – ganz in der Tradition, die er in seinen sieben Doppelpass-Jahren gepflegt hatte. Klare Meinung, direkte Formulierung.


Karriere: Vom Duisburger Talentbetrieb zum Bayern-Star

Die Anfänge

Thomas Strunz wurde am 25. April 1968 in Duisburg geboren. Sein erstes Fußballspiel – nach eigener Aussage – verlor er mit 0:12. Es folgten ein 0:6 und schließlich ein 1:1. Aufwärts geht es bekanntlich nach jedem Rückschlag.

Er spielte bis zum zwölften Lebensjahr beim TuRa 88 Duisburg, dann wechselte er zum MSV Duisburg, mit dem er 1987 die Deutsche Amateurmeisterschaft gewann und 1989 in die 2. Bundesliga aufstieg. In der Zweiten Liga kam er jedoch nie zum Einsatz – weil er zeitgleich einen Lizenzspielervertrag beim FC Bayern München unterschrieb.

FC Bayern: Erste Phase (1989–1992)

Sein Bundesliga-Debüt gab Strunz am 31. August 1989 beim 4:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV – eingewechselt in der 71. Minute für Olaf Thon. In dieser ersten Bayern-Phase holte er 1990 die Deutsche Meisterschaft. Dann aber kam, was ihn die gesamte Karriere begleiten sollte: Verletzungen. Knie, Muskeln, immer wieder Ausfallzeiten.

VfB Stuttgart (1992–1995)

1992 wechselte Strunz zum VfB Stuttgart, wo er drei solide Spielzeiten absolvierte. Beim VfB fand er stabileres Terrain, spielte regelmäßig und empfahl sich für die Rückkehr nach München.

FC Bayern: Zweite Phase (1995–2001) – die Hochzeit

1995 kehrte Strunz nach München zurück – und hatte sofort seinen größten Vereinserfolg: UEFA-Pokal-Sieg 1996 unter Franz Beckenbauer. Im Rückspiel des Finals gegen Girondins Bordeaux – damals mit Zinédine Zidane und Bixente Lizarazu – spielte Strunz auf der linken Abwehrseite und bereitete Jürgen Klinsmanns Tor zum 3:1 vor.

Es folgten weitere Titel: Meisterschaft 1997, 1999, 2000, DFB-Pokal 1998. Aber die Verletzungen hörten nicht auf.

Das Trapattoni-Erbe: „Was erlauben Strunz?“

Am 10. März 1998 hielt Giovanni Trapattoni, damals Bayern-Trainer, eine Pressekonferenz ab, die in die Geschichte eingehen würde. In gebrochenem Deutsch und mit wachsender Empörung sprach er über seine Mannschaft – und über Thomas Strunz:

„Strunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt.“

Dann der berühmte Satz: „Was erlauben Strunz?!“

Das Kuriose daran: Trapattoni wollte Strunz, wie er später selbst erklärte, gar nicht persönlich angreifen. Eigentlich waren die Kollegen Mario Basler und Mehmet Scholl gemeint, die Trap öffentlich kritisiert hatten. Strunz kam irgendwie dazwischen. „Thomas war im Grunde unschuldig und deshalb verlief alles so unglücklich“, bekannte Trapattoni Jahre später.

Der Satz wurde zum geflügelten Wort – und gab einer gleichnamigen TV-Sendung seinen Namen. Im neapolitanischen Dialekt bedeutet „Strunz“ zudem eine unflätige Beschimpfung, was die internationale Verbreitung des Clips befeuerte.

Strunz selbst nahm es mit Humor, musste aber jahrelang damit leben. Bis heute ist „Was erlauben Strunz?“ der erste Satz, der fällt, wenn sein Name erwähnt wird.

Das frühe Karriereende

In der Winterpause 2000/01 sortierte Trapattonis Nachfolger Ottmar Hitzfeld Strunz aus seinem Kader aus. Strunz erklärte kurz darauf sein Karriereende – mit gerade einmal 32 Jahren. Chronische Knieverletzungen hatten seinen Körper zermürbt.

Er verpasste damit zwei der größten Momente seiner Bayern-Zeit: die Meisterschaft 2001 und den Champions-League-Sieg in Mailand (2001 gegen den FC Valencia im Elfmeterschießen). Offiziell erhielt er beide Titel, weil er Teile der Saison absolviert hatte. Aber das sportliche Erlebnis war er nicht mehr dabei.


Die Nationalmannschaft: 41 Länderspiele, ein Elfmeter für die Ewigkeit

Zwischen 1990 und 1999 bestritt Strunz 41 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Ein einziges Tor – aber das spielte keine Rolle, weil seine Rolle die des defensiven Mittelfeldarbeiters war.

WM 1994 in den USA

Strunz war Teil des deutschen WM-Kaders, der in den USA antrat. Im Viertelfinale war gegen Bulgarien Endstation – eine der größten WM-Überraschungen der Geschichte. Strunz erzielte in diesem Turnier kein Tor, gehörte aber zum Stammpersonal.

EM 1996 in England: Der Europameister-Moment

Das Highlight seiner Nationalmannschaftskarriere: die Europameisterschaft 1996 in England. Deutschland spielte ein überzeugendes Turnier und erreichte das Finale gegen die Tschechische Republik (3:2 nach Verlängerung, Golden Goal durch Oliver Bierhoff).

Unvergessen sein Auftritt im Halbfinale gegen England. Das Spiel ging nach Verlängerung ins Elfmeterschießen. Strunz trat an und verwandelte – Deutschland zog ins Finale ein. Später wurden er und seine Mitspieler von Bundespräsident Roman Herzog mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.

Dieser Elfmeter ist der sportlich sauberste Moment seiner Nationalmannschaftskarriere – und der am wenigsten bekannte, weil er stets hinter dem Trapattoni-Satz verschwindet.

EM 2000

Strunz war auch bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden dabei – einem Turnier, das für Deutschland katastrophal verlief. Gruppenphase, Ausscheiden, viele Fragen über die Zukunft des deutschen Fußballs.

Sein letztes Länderspiel bestritt er am 8. September 1999 in Dortmund beim 4:0-Sieg gegen Nordirland in der EM-Qualifikation.


Nach der Karriere: Manager, Sportdirektor, TV-Experte

Spielervermittlung (ab 2001)

Unmittelbar nach dem Karriereende arbeitete Strunz als Spielervermittler. Der Übergang war naheliegend – er kannte die Bundesliga aus nächster Nähe, hatte Kontakte zu Trainern, Managern und Spielern.

VfL Wolfsburg: Manager und Geschäftsführer (2005)

Sein erster großer Schritt ins Management: Am 1. Januar 2005 übernahm Strunz beim VfL Wolfsburg als Manager und Geschäftsführer – Nachfolger des zurückgetretenen Peter Pander. Der Plan war, den Verein sportlich zu stabilisieren.

Es lief nicht gut. Nach der Entlassung von Trainer Eric Gerets, dem ausbleibenden Erfolg unter Nachfolger Holger Fach (den Strunz selbst geholt hatte) und dem sportlichen Niedergang geriet auch der neue Manager unter Druck. Nach der Hinrunde 2005/06 wurde Strunz entlassen – zusammen mit Fach, beide mit Abfindung.

Eine Amtszeit von weniger als einem Jahr. Strunz selbst kommentierte die Zeit später nüchtern: Die Strukturen beim VfL waren damals nicht auf Erfolg ausgerichtet, die Rahmenbedingungen schwierig.

Rot-Weiss Essen: Sportlicher Leiter und Teamchef (2008–2009)

Im April 2008 übernahm Strunz beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen die Position des Sportlichen Leiters. Mit einem ambitionierten Fünf-Jahres-Plan wollte er den Traditionsverein zurück in die 2. Bundesliga führen.

In der Saison 2009/10 übernahm er zusätzlich die Rolle des Teamchefs – auf dem Platz. Es folgte die bitterste Erfahrung seiner Managerlaufbahn: Am 11. September 2009, nach einer 0:2-Niederlage gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln, wurde Strunz mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben entbunden.

Der Fünf-Jahres-Plan hatte gerade einmal 16 Monate gehalten.

Sport1 und der Doppelpass (2011–2018)

Zurück in der Komfortzone: Ab 2011 wurde Strunz festes Mitglied der Talkshow Doppelpass auf Sport1 – und ersetzte dort den langjährigen Experten Udo Lattek. Er war sieben Jahre dabei, jeden Sonntag im TV, pointiert und meinungsstark.

Parallel analysierte er den Bundesliga-Spieltag in der Montagssendung „Telekom Spieltaganalyse“. Nach eigener Aussage fühlte er sich dort am wohlsten: „Hier ging es tatsächlich um die Prozesse auf dem Feld.“ Die taktischen Feinheiten, die Spielsysteme – das war sein Element.

Am 15. Juli 2018, beim WM-Doppelpass nach dem WM-Finale in Russland, wurde Strunz von Moderator Thomas Helmer offiziell verabschiedet. Nach sieben Jahren war Schluss.

Der Grund war pragmatisch: Die Doppelpass-Rolle und die wachsenden Verpflichtungen als Geschäftsführer einer Spielerberatungsagentur ließen sich zeitlich nicht mehr vereinbaren.


Das private Leben: Effenberg, Claudia und vier Kinder

Thomas Strunz hat vier Kinder aus drei Beziehungen:

  • Einen Sohn aus seiner ersten Ehe mit Beate
  • Eine Tochter und einen Sohn aus seiner zweiten Ehe mit Claudia (1997–2002)
  • Eine Tochter mit seiner aktuellen Lebensgefährtin Stephanie, die er 2005 kennenlernte – sie war damals Klubsekretärin beim VfL Wolfsburg

Die Geschichte mit Claudia gehört zu den berühmtesten Fußball-Privatdramen der 2000er Jahre. Ehemaliger Teamkollege Stefan Effenberg begann 2002 eine Beziehung mit Claudia Strunz – damals noch Strunz‘ Ehefrau. Als Thomas Strunz eine SMS von Effenberg an Claudia entdeckte, brach ein Streit aus. „Du Schwein hast mir meine Frau geklaut!“, soll er Effenberg am Telefon beschuldigt haben. Effenberg bestritt das zunächst und behauptete, Claudia habe sich längst getrennt.

2002 schied Effenberg bei Bayern aus. 2004 heirateten Claudia und Stefan Effenberg.

Strunz baute danach ein neues Leben auf – und gründete mit Stephanie eine neue Familie in Duisburg, wo er bis heute lebt.

Auch das Finanzielle wurde zeitweise zum Thema: 2013 wurde berichtet, dass Strunz Unterhaltsschulden gegenüber seinen Kindern mit Claudia in Höhe von rund 24.000 Euro angehäuft hatte. Er bestritt dies oder erklärte, es handele sich um einen Rechtsstreit über die Höhe des Unterhalts.


Strunz über Bayern München: Der ewige Kritiker

Auch ohne feste TV-Plattform äußert sich Strunz regelmäßig zum FC Bayern – und dabei nicht zimperlich. Im August 2025 kritisierte er die Vereinsführung öffentlich. Vorher hatte er mehrfach kein gutes Haar an Trainer Thomas Tuchel gelassen, zweifelte am Marmoush-Transfer und bemängelte die Kaderpolitik des Klubs.

Es ist die Rolle, die am besten zu ihm passt: der Insider mit Abstand, der von außen klar benennt, was falsch läuft. Sieben Jahre im Doppelpass haben dieses Format etabliert. Die Bereitschaft, unbequeme Meinungen zu formulieren, ist geblieben.


Strunz auf der Buchmesse 2026: Ein neues Kapitel?

Im März 2026 tauchte Strunz auf der Leipziger Buchmesse auf – als Podiumsgast bei der Vorstellung des Romans „Tore des Lebens“ von Lars-Wilhelm Baumgarten. Der Autor und Strunz kennen sich aus der gemeinsamen Sportagentur-Zeit.

Das Buch handelt von einem fiktiven Fußballer, der den gesamten Kreislauf aus Aufstieg, Ruhm, Absturz und Neuanfang durchläuft. Strunz begleitet das Buch mit einem Statement auf der Rückseite und sprach auf der Bühne über Leistungsdruck, mentale Belastung und die Frage, wer man ist, wenn der Applaus verstummt.

Es ist kein Interview, keine TV-Show – es ist ein nachdenkliches Format, das zeigt, dass Strunz mit seinem Leben nach dem Fußball im Reinen ist. Und dass er mehr zu sagen hat als „Was erlauben Strunz?“


Die Titel: Was bleibt von der Karriere?

Titel Jahr Wettbewerb
Deutscher Amateurmeister 1987 MSV Duisburg
Deutscher Meister 1990 FC Bayern
UEFA-Pokal-Sieger 1996 FC Bayern
Europameister 1996 Deutsche Nationalmannschaft
Deutscher Meister 1997 FC Bayern
DFB-Pokal-Sieger 1998 FC Bayern
Deutscher Meister 1999 FC Bayern
Deutscher Meister 2000 FC Bayern
Champions-League-Sieger* 2001 FC Bayern
Weltpokal-Sieger* 2001 FC Bayern

*Strunz war in Teilen der Saison aktiv, war aber nicht mehr Teil des Teams beim finalen Titelgewinn.

235 Bundesligaspiele, 33 Tore. 41 Länderspiele, 1 Tor – und ein Elfmeter im Halbfinale einer Europameisterschaft, der alles bedeutete.


Strunz als Zeuge einer Fußball-Ära

Thomas Strunz spielte in einer Zeit, die den deutschen Fußball grundlegend verändert hat – und die heute oft verklärt wird. Die späten 1990er Jahre beim FC Bayern waren eine Ära, die noch keine Social Media, keine Transfermarkt-Millionen im heutigen Ausmaß und keine Datenschnittstellen im Training kannte. Es war Fußball, der noch stark vom Charakter und der Persönlichkeit der Spieler getragen wurde.

Strunz selbst reflektiert das gelegentlich. In einem Interview sagte er: „Ich bin wirklich froh, dass es die sozialen Netzwerke, die Fotohandys und all das in meiner Karriere noch nicht gab.“ Die Spieler damals hatten einen anderen Umgang mit Öffentlichkeit – und auch mit Grenzüberschreitungen. Die Geschichte mit Claudia und Stefan Effenberg wäre heute ein Social-Media-Sturm, der alles überlagert hätte. Damals blieb es im Boulevard, schmerzte trotzdem – und verging irgendwann.

Was Strunz jungen Spielern heute mitgeben will: Authentizität, Verantwortungsbewusstsein und das Wissen, dass Öffentlichkeit immer bedeutet, mit allem rechnen zu müssen. „Letzten Endes muss aber jeder seinen Weg finden, wie er damit umgeht. Das ist dann auch Teil einer Authentizität, die ja gewünscht ist.“


Was macht Strunz, wenn er nicht berät? Privates aus Duisburg

Strunz lebt mit Lebensgefährtin Stephanie und seiner jüngsten Tochter in Duisburg – seiner Heimatstadt, in der er als Kind angefangen hat, Fußball zu spielen. Ein Kreis, der sich schließt.

Er ist kein Typ, der im großen gesellschaftlichen Rampenlicht steht. Keine Promi-Events, keine regelmäßigen Social-Media-Auftritte, kein öffentliches Netzwerken in Münchner Business-Kreisen. Er hat, anders als viele Weggefährten, keinen Drang, dauerhaft sichtbar zu sein.

Was er laut eigener Aussage genießt: Gespräche über taktische Feinheiten des Fußballs, die Analyse von Spielverläufen – genau das, was er in der Telekom Spieltaganalyse auf Sport1 am liebsten getan hat. Diese inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Spiel ist für ihn keine Arbeit, sondern echtes Interesse.

Und: Er erzählt seinen Söhnen vom 0:12-Auftakt seiner Karriere. Wenn hoch verloren wurde, kommt der Satz: „Das Leben ist auch nach einer solchen Niederlage nicht zu Ende.“ Das ist vielleicht die prägnanteste Aussage, die Thomas Strunz je gemacht hat – und sie hat mit Fußball zu tun, aber nicht nur.


Strunz und der FC Bayern: Ein kompliziertes Verhältnis

Wer acht Jahre für Bayern München gespielt hat, ist auf Lebenszeit mit dem Verein verbunden – auch wenn das Ende der Beziehung unschön war. Ottmar Hitzfeld sortierte ihn 2001 aus; Strunz hatte das Ende seiner Karriere nicht selbst bestimmt. Das hinterlässt Spuren.

In seinen Doppelpass-Jahren und danach hat Strunz den FC Bayern selten geschont. Er kritisierte Trainer, Kaderpolitik und Vereinsführung – und tat das mit einer Regelmäßigkeit, die den Eindruck erweckt, dass hier jemand mit dem Verein noch eine offene Rechnung hat. Oder einfach jemand, der Kritik als Teil professioneller Auseinandersetzung versteht.

Der Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß reagierte darauf einmal mit einer Läster-Attacke gegen Strunz – was wiederum beweist, dass die Worte des Ex-Profis in der Allianz Arena noch ankommen.

Zuletzt, im August 2025, kritisierte Strunz den FC Bayern erneut – konkret zum Kurs der Vereinsführung. Keine inhaltliche Sensation, aber ein Zeichen, dass er weiterhin verfolgt, was beim Verein passiert, und keine Scheu hat, das öffentlich zu sagen.


Strunz, Mané und die Agentur-Jahre

Eine Episode, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist: Über seine Beratungs-Firma war Thomas Strunz an der Betreuung von Sadio Mané beteiligt – einem der bekanntesten Fußballer der letzten Dekade, der 2022 von Liverpool zum FC Bayern wechselte. Der Transfer verlief, wie bekannt, nicht ganz reibungslos: Mané und Bayern trennten sich nach nur einem Jahr.

Auch Max Kruse gehörte zu den Spielern, die in der Sphäre von Strunz‘ Agenturnetzwerk beraten wurden – ein Spieler mit ähnlicher Polarisierungs-Energie wie Strunz selbst zu Spielerzeiten.

Diese Klientenliste zeigt, dass Strunz im Hintergrund des Transfermarkts eine Rolle spielte, die öffentlich selten sichtbar war. Das Spielerberater-Geschäft funktioniert oft im Verborgenen – und Strunz hat sich darin eingerichtet.


Statistiken und Stationen im Überblick

Karriere-Statistiken

Verein Zeitraum Bundesligaspiele Tore
FC Bayern München (1) 1989–1992 58 10
VfB Stuttgart 1992–1995 73 11
FC Bayern München (2) 1995–2001 104 12
Gesamt Bundesliga 235 33

Champions League: 55 Spiele, 5 Tore DFB-Pokal: 27 Spiele, 2 Tore Länderspiele: 41 (1 Tor)

Zeitstrahl nach der aktiven Karriere

Zeitraum Station Ergebnis
2001–2005 Spielervermittler Aufbau Netzwerk
2005 VfL Wolfsburg Manager Entlassen nach Hinrunde
2008–2009 Rot-Weiss Essen Entlassen nach Niederlage
2011–2018 Sport1 Doppelpass 7 Jahre fester Experte
2018 TS Sports → arena11 Vollzeit Spielerberatung
Seit ~2020 ELEAN Coaching/Seminare
2026 Buchmesse Leipzig Podiumsgast, Buchstatement

Thomas Strunz wird auf ewig mit einem Satz verbunden bleiben, der gar nicht über ihn war. Und gleichzeitig mit einem anderen Moment, der selten erwähnt wird: dem Elfmeter gegen England, der Deutschland 1996 ins EM-Finale brachte.

Dazwischen liegt eine Karriere, die von Verletzungen gezeichnet, von Titeln gekrönt und von privaten Dramen begleitet wurde. Danach: ein langer, nicht immer geradliniger Weg durch Management, TV, Beratung und Coaching.

Heute ist Thomas Strunz 57 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Duisburg, berät Profisportler bei ELEAN, taucht gelegentlich in der Öffentlichkeit auf – und hat offenbar mit sich und dem, was war, seinen Frieden gemacht. Das sagt mehr über einen Menschen aus als jede Titelsammlung.


Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: April 2026.

Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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