WM-Aus für den Iran: Wer könnte nachrücken?

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit
Der Iran hat sich für die WM 2026 qualifiziert – wird aber aus politischen Gründen ziemlich sicher nicht teilnehmen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 steht vor einem außergewöhnlichen Szenario. Nach der Eskalation des Kriegs im Nahen Osten hat Irans Sportminister angekündigt, dass das Land unter keinen Umständen an der WM teilnehmen könne. Damit droht dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko kurzfristig eine Veränderung im Teilnehmerfeld.

Noch ist der Rückzug formal nicht bestätigt, doch die Zeichen verdichten sich. Für die FIFA stellt sich damit eine heikle Frage: Wer ersetzt den Iran – und wie läuft das Verfahren überhaupt ab?

Iran bereits qualifiziert – und nun vor dem Rückzug

Sportlich hatte sich der Iran souverän für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Als Gruppensieger in der asiatischen Qualifikation sicherte sich das Team frühzeitig ein Ticket für das Turnier mit erstmals 48 Mannschaften.

In der Gruppenphase war die iranische Nationalmannschaft bereits eingeplant. Die Mannschaft sollte in Gruppe G gegen folgende Teams antreten:

  • Belgien
  • Ägypten
  • Neuseeland

Zwei Spiele waren in Los Angeles angesetzt, eines in Seattle.

Durch die militärische Eskalation im Nahen Osten und politische Spannungen mit den USA gilt eine Teilnahme inzwischen jedoch als praktisch ausgeschlossen.

FIFA-Regeln: Der Weltverband entscheidet

Für solche Fälle existieren zwar Richtlinien, doch sie lassen der FIFA einen großen Spielraum. Laut Artikel 6 der WM-Regularien entscheidet der Weltverband selbst, wie mit dem Rückzug einer qualifizierten Mannschaft umzugehen ist.

Die möglichen Optionen sind grundsätzlich:

  • Ersatz durch eine andere Nationalmannschaft
  • Anpassung der Turnierstruktur
  • oder eine andere organisatorische Lösung

In der Praxis wird die FIFA versuchen, die ursprüngliche Turnierstruktur beizubehalten. Schließlich ist der Spielplan mit 48 Teams und 104 Partien bereits vollständig geplant.

Deshalb gilt ein Nachrücker als wahrscheinlichste Lösung.

Kommt der Ersatz aus Asien?

Die naheliegendste Variante wäre, den freien Platz wieder an eine Mannschaft aus der Asian Football Confederation (AFC) zu vergeben. Schließlich hatte der Kontinent ursprünglich acht Startplätze für die WM erhalten.

In diesem Szenario kommen mehrere Kandidaten infrage – vor allem Teams, die in der Qualifikation knapp gescheitert sind.

Besonders häufig genannt werden:

  • Irak
  • Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

Beide Teams gehörten zu den besten asiatischen Mannschaften außerhalb der direkten Qualifikationsplätze.

Die Emirate belegten in der Qualifikation den dritten Platz in ihrer Gruppe und landeten anschließend in der Playoff-Runde. Auch der Irak war dicht an der direkten Qualifikation dran.

Rolle der interkontinentalen Playoffs

Eine weitere Möglichkeit hängt mit den interkontinentalen Playoffs zusammen, in denen die letzten WM-Tickets vergeben werden.

Der Irak ist einer der Teilnehmer dieses Turniers und trifft dort auf den Sieger eines Duells zwischen Bolivien und Suriname.

Denkbar wäre deshalb ein Szenario wie dieses:

  • Der Irak verliert das Playoff-Finale
  • erhält aber trotzdem den freien WM-Platz
  • weil er als bestplatzierte asiatische Mannschaft nachrückt

Alternativ könnte auch der Gewinner des Playoffs direkt den Platz übernehmen. Die FIFA wird diese Entscheidung wahrscheinlich erst treffen, wenn alle Qualifikationsspiele abgeschlossen sind.

Damit bleibt der Verband flexibel und kann das sportlich plausibelste Team auswählen.

Weitere Szenarien sind theoretisch möglich

Auch wenn ein asiatischer Nachrücker am wahrscheinlichsten erscheint, ist er laut FIFA-Reglement nicht zwingend vorgeschrieben.

Der Weltverband könnte theoretisch auch:

  • ein Team aus einer anderen Konföderation nominieren
  • das Playoff-System anpassen
  • oder die Gruppenstruktur verändern

Solche Lösungen gelten allerdings als unwahrscheinlich, weil sie den gesamten Turnierplan beeinflussen würden.

Drohen Iran Konsequenzen?

Ein freiwilliger Rückzug von der Weltmeisterschaft hätte für den iranischen Verband auch sportliche und finanzielle Folgen.

Mögliche Sanktionen sind:

  • Geldstrafen im sechsstelligen Bereich
  • Rückzahlung bereits erhaltener FIFA-Prämien
  • mögliche Sperren für zukünftige Turniere

Je näher der Rückzug am Turniertermin erfolgt, desto höher fallen die Strafen aus.

Der Fall wäre historisch: Rückzüge von bereits qualifizierten Teams sind bei Weltmeisterschaften äußerst selten.

Entscheidung wohl erst nach den Playoffs

Für die FIFA steht derzeit vor allem eines im Vordergrund: Zeit gewinnen. Offiziell ist Iran weiterhin Teilnehmer der WM, obwohl die politische Lage eine Teilnahme kaum realistisch erscheinen lässt.

Der Weltverband wird die Situation daher wahrscheinlich bis zum Abschluss der letzten Qualifikationsspiele beobachten. Erst danach dürfte entschieden werden, ob und welches Team nachrückt.

Eines ist jedoch klar: Sollte der Iran tatsächlich absagen, würde die WM 2026 schon vor dem Anpfiff eine der ungewöhnlichsten Wendungen in der Geschichte des Turniers erleben.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
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