
Die Reise nach Lyon sollte ein Fußballfest werden – sie endete in einer Katastrophe. Sieben Anhänger von PAOK Saloniki verloren bei einem schweren Verkehrsunfall in Rumänien ihr Leben. Die jungen Fans waren mit einem Kleinbus unterwegs zum Europa-League-Spiel ihres Klubs gegen Olympique Lyon. Statt Vorfreude herrschen nun Trauer, Wut und Fassungslosigkeit – vor allem wegen der Reaktion der UEFA.
Der Unfall ereignete sich nahe der westrumänischen Stadt Timișoara. Fernsehbilder aus Griechenland zeigen die völlig zerstörten Überreste des Minibusses. Berichten zufolge kam es nach einem riskanten Überholmanöver zur Frontalkollision mit einem Lastwagen.
Für sieben Insassen kam jede Hilfe zu spät. Die Gruppe hatte eine lange Route gewählt: von Thessaloniki über mehrere EU-Länder bis nach Frankreich. Offenbar wollten sie Grenzkontrollen auf der Balkanroute umgehen und ausschließlich innerhalb der EU reisen. Eine Entscheidung, die sich tragisch zuspitzte.
Große Trauer in Griechenland
In Griechenland löste die Nachricht tiefe Bestürzung aus. PAOK-Eigentümer Iwan Savvidis sprach von einem „unfassbaren Schlag“, der den Klub mitten ins Herz treffe. Er zeigte sich erschüttert über den „so sinnlosen Verlust junger Menschen“, die nichts anderes wollten, als ihr Team zu unterstützen.
Auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis meldete sich zu Wort. Er erklärte, er habe mit großer Erschütterung vom Unglück erfahren, bei dem sieben junge Griechen ums Leben gekommen seien. Die Gedanken der Regierung seien bei den Familien, die griechische Botschaft stehe im engen Austausch mit den rumänischen Behörden, um Hilfe zu leisten. Worte des Trostes – doch sie können die Leere nicht füllen, die diese Tragödie hinterlässt.
UEFA zeigt „Mitgefühl“ – und pfeift an
Während Fans trauerten, Angehörige informiert wurden und in Thessaloniki Kerzen brannten, lief in Nyon offenbar das übliche Programm weiter. PAOKs Vereinsführung informierte die UEFA über das Unglück und stellte die naheliegende Frage, ob das Spiel in Lyon verschoben werden könne. Die Antwort kam schnell – und kalt: Anpfiff wie geplant.
Zwar veröffentlichte die UEFA ein kurzes Statement in den sozialen Netzwerken. Man stehe der „PAOK-Familie in dieser schweren Zeit“ bei und spreche sein Beileid aus. Doch diese Worte wirkten wie eine formelle Pflichtübung, während die Maschinerie aus TV-Verträgen, Sponsoreninteressen und Terminplänen ungebremst weiterrollte. Fußball als Geschäft – selbst wenn gerade Fans gestorben sind.
Leerer Gästeblock als stiller Protest
Viele PAOK-Anhänger reagierten mit Entsetzen auf die Entscheidung. Hunderte stornierten ihre Reise nach Frankreich. Andere, die bereits unterwegs waren, kehrten aus Solidarität um. Der Gästeblock im Groupama Stadium wird leer bleiben – ein stilles, aber deutliches Zeichen. Keine Gesänge, keine Fahnen, keine Auswärtsstimmung. Nur Abwesenheit.
Sportlich geht es für beide Klubs um viel: Lyon steht vor dem letzten Spieltag der Europa-League-Phase an der Tabellenspitze, PAOK liegt auf Rang zwölf. Doch diese Zahlen wirken plötzlich bedeutungslos. Während Funktionäre auf Abläufe und Vermarktung pochen, trauert eine Fangemeinde um sieben ihrer eigenen Leute.
Der europäische Fußball betont gern seine Werte, spricht von Respekt, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Doch wenn der Spielplan wichtiger ist als menschliches Mitgefühl, bleiben diese Worte hohl. Für viele PAOK-Fans steht fest: In den Augen der UEFA zählt am Ende vor allem eines – dass die Kameras laufen.