
Alexander Zverev reist mit großen Ambitionen zu den Australian Open 2026. In Melbourne will der Hamburger endlich den Makel ablegen, noch keinen Grand-Slam-Titel gewonnen zu haben. Die Auslosung liefert dafür durchaus Argumente – doch sie mahnt zugleich zur Vorsicht. Denn schon zum Auftakt wartet ein Gegner, der alles andere als ein Selbstläufer ist.
Als die Lose in Melbourne gezogen wurden, blickte Zverev sehr genau hin. Der Weg Richtung zweite Turnierwoche scheint machbar, doch der erste Schritt hat es in sich.
Kein lockerer Start ins Turnier
In Runde eins trifft der Weltranglistendritte auf den Kanadier Gabriel Diallo, aktuell Nummer 41 der Welt. Für ein Auftaktmatch ist das ein unangenehmes Los – vielleicht eines der schwierigsten, das Zverev in einer ersten Runde hätte erwischen können.
Diallo ist kein unbeschriebenes Blatt. Der 2,03 Meter große Rechtshänder bringt einen wuchtigen Aufschlag mit, sucht früh die Initiative und scheut keinen Schlagabtausch. Dass es das erste Duell der beiden ist, macht die Aufgabe zusätzlich heikel. Zverev wird vom ersten Ballwechsel an hellwach sein müssen, um nicht direkt in Bedrängnis zu geraten. Ein Fehlstart könnte im schnellen Melbourne-Sommer schnell fatale Folgen haben.
Neue Saison, neue Hoffnung – aber alte Nervosität
Zverev betont immer wieder, wie sehr ihn ein neues Tennisjahr motiviert. Eine frische Saison bedeute neue Chancen, neue Energie und neue Zuversicht. Doch gerade die erste Runde eines Grand Slams hat ihre eigenen Gesetze. Boris Becker brachte es treffend auf den Punkt: Auch als Favorit sei man zu Beginn oft nervös, müsse erst in den Rhythmus finden und sich ins Turnier hineinarbeiten. Genau darin liegt die Gefahr gegen einen Gegner wie Diallo.
Gleichzeitig spricht vieles für Zverev. Melbourne zählt zu seinen besten Grand-Slam-Stationen, hier spielte er regelmäßig stark. Diese positiven Erinnerungen könnten helfen, die Anfangsnervosität schnell abzulegen – vorausgesetzt, der Hamburger übersteht die ersten kritischen Phasen unbeschadet.
Ein Turnierbaum mit Perspektive
Sollte Zverev die erste Hürde meistern, öffnet sich ein durchaus reizvoller Weg. In der dritten Runde könnte Cameron Norrie warten, im Viertelfinale möglicherweise Daniil Medvedev, der mit seinem Sieg in Brisbane bereits früh Form bewiesen hat. Ein mögliches Halbfinale gegen Carlos Alcaraz wäre ein echter Gradmesser auf höchstem Niveau.
Bemerkenswert: Titelverteidiger Jannik Sinner und Rekordchampion Novak Djokovic befinden sich in der anderen Turnierhälfte. Ein Duell mit ihnen droht Zverev frühestens im Finale – ein klarer Pluspunkt der Auslosung.
Standortbestimmung nach schwierigen Monaten
Das Auftaktmatch gegen Diallo ist für Zverev mehr als nur der Start in ein Turnier. Nach einer durchwachsenen Vorsaison, die von körperlichen Problemen und kleinen Verletzungen geprägt war, geht es auch darum zu zeigen, dass er wieder stabil und belastbar ist. Zverev selbst hofft auf ein Jahr mit weniger Rückschlägen – körperlich wie spielerisch.
Dass der Start in die neue Saison noch holprig verlief, muss kein schlechtes Zeichen sein. Zverev kommt traditionell langsam in Schwung. Wichtig ist, dass er in Melbourne rechtzeitig seinen Fokus findet.
Der Traum lebt – doch Vorsicht ist geboten
Zwölf Mal stand Zverev bislang bei den Australian Open im Hauptfeld, zwölf Mal reiste er ohne Titel ab. Der große Traum vom ersten Grand-Slam-Sieg begleitet ihn auch diesmal.
Doch bevor er an Halbfinals oder gar den Pokal denken darf, muss er eine unbequeme Aufgabe lösen. Gabriel Diallo ist kein Gegner, den man im Vorbeigehen schlägt. Für Zverev gilt daher mehr denn je: volle Konzentration von Beginn an – sonst droht der Traum von Melbourne schneller zu platzen, als ihm lieb ist.