Warum die Wettsteuer der wichtigste Kostenfaktor ist, den niemand versteht
Frag einen Sportwetter nach den größten Kostenfaktoren beim Wetten, und die meisten sagen: „schlechte Quoten“ oder „zu viele Kombiwetten“. Die Wettsteuer nennt fast niemand – obwohl sie bei GGL-Anbietern mehr kostet als die Buchmacher-Marge selbst.
5,3 % auf den Einsatz klingt nach wenig. Dieser Artikel rechnet vor, warum es das nicht ist – mit konkreten Euro-Beträgen für verschiedene Wett-Typen, mit dem Vergleich der drei Berechnungsmodelle, und mit der ehrlichen Antwort auf die Frage: Lohnt es sich, wegen der Steuer zu internationalen Anbietern zu wechseln?
Die Grundlagen: Was die Wettsteuer ist
Der rechtliche Rahmen
Die Wettsteuer beträgt seit Juli 2012 5 % auf den Einsatz, verankert im Rennwett- und Lotteriegesetz. Seit 2021 liegt sie bei 5,3 % (die Erhöhung erfolgte im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags). Steuerschuldner ist formal der Wetter – in der Praxis führen die Buchmacher die Steuer als Drittschuldner ans Finanzamt ab.
Die kuriose Entstehungsgeschichte
Die Wettsteuer wurde nicht eingeführt, um Geld zu verdienen – sondern als politisches Machtinstrument. Anfang 2012 begann Schleswig-Holstein als einziges Bundesland mit der Vergabe eigener Sportwetten-Lizenzen. Ein EU-konformer, fortschrittlicher Weg. Die Bundesregierung wollte diesen Alleingang stoppen – und griff zum einzigen Mittel, das funktionierte: ein Bundesgesetz. Die Wettsteuer wurde in das Rennwett- und Lotteriegesetz von 1921 eingefügt. Ein Gesetz aus der Weimarer Republik, das ursprünglich für Pferdewetten geschrieben wurde, regelt 2026 die Besteuerung digitaler Sportwetten. Da Bundesgesetze über Landesverordnungen stehen, war Schleswig-Holstein eingefangen.
Die Steuereinnahmen waren ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Aber ein willkommener: Seit der Einführung fließen jährlich dreistellige Millionenbeträge an den Fiskus. Das Paradoxe daran: Die Steuer hat die Branche in gewisser Weise legitimiert. Solange der Staat an jeder Wette mitverdient, kann er schlecht argumentieren, dass die gesamte Branche illegal sein sollte.
Der entscheidende Punkt: 5,3 % auf den Einsatz, nicht auf den Gewinn
Das ist der Aspekt, den die meisten Wetter unterschätzen. Die Steuer wird auf den Einsatz berechnet, nicht auf den Gewinn. Das bedeutet: Du zahlst die Steuer auch auf verlorene Wetten. Bei einer gewonnenen Wette mit 100 € Einsatz zahlst du 5,30 € Steuer – egal ob dein Gewinn 10 € oder 500 € beträgt. Bei einer verlorenen Wette zahlst du 5,30 € Steuer zusätzlich zu deinem Verlust von 100 €.
Jeder Anbieter, der in Deutschland Sportwetten anbietet, ist steuerpflichtig – unabhängig davon, ob er eine GGL-Lizenz hat. Die Steuer gilt für alle Wetten, die von Personen mit Wohnsitz in Deutschland platziert werden. Internationale Anbieter ohne deutsche Lizenz sind ebenfalls steuerpflichtig, führen die Steuer in der Praxis aber oft nicht ab – was einer der Gründe ist, warum sie bessere Quoten anbieten können.
Die Gesamtbelastung über ein Jahr ist deshalb deutlich höher, als die meisten Wetter ahnen.
Die drei Berechnungsmodelle – und was sie dich kosten
GGL-Anbieter handhaben die Wettsteuer unterschiedlich. Es gibt drei Modelle, und der Unterschied ist real:
Modell 1: Steuer vom Einsatz abgezogen
Du platzierst eine Wette über 100 €. Der Anbieter zieht sofort 5,30 € ab. Dein effektiver Einsatz: 94,70 €. Die Quote wird auf 94,70 € berechnet.
Rechenbeispiel – Quote 2,00: Einsatz: 100 €. Abzug Wettsteuer: 5,30 €. Effektiver Einsatz: 94,70 €. Gewinn bei Erfolg: 94,70 € × 2,00 = 189,40 €. Dein Nettogewinn: 89,40 € (statt 100 € ohne Steuer). Verlust bei Niederlage: 100 € (du verlierst den vollen Einsatz inklusive Steuer).
Modell 2: Steuer vom Gewinn abgezogen
Du platzierst eine Wette über 100 €. Der volle Betrag wird eingesetzt. Gewinnst du, werden 5,30 € vom Gewinn abgezogen. Verlierst du, wird keine Steuer berechnet.
Rechenbeispiel – Quote 2,00: Einsatz: 100 €. Gewinn bei Erfolg: 200 € − 5,30 € = 194,70 €. Dein Nettogewinn: 94,70 €. Verlust bei Niederlage: 100 € (keine zusätzliche Steuer).
Modell 3: Anbieter übernimmt die Steuer
Du platzierst eine Wette über 100 €. Der volle Betrag wird eingesetzt, keine Steuer wird an dich weitergegeben.
Rechenbeispiel – Quote 2,00: Einsatz: 100 €. Gewinn bei Erfolg: 200 €. Dein Nettogewinn: 100 €. Verlust bei Niederlage: 100 €.
Welches Modell ist am besten?
Modell 3 (Anbieter übernimmt Steuer) ist offensichtlich das beste – du zahlst nichts. Aber: Diese Anbieter sind selten und finanzieren die Steuer oft über höhere Margen. Prüfe also nicht nur, ob Steuer abgezogen wird, sondern vergleiche die tatsächlichen Quoten. Ein Anbieter, der die Steuer übernimmt, aber 6 % Marge hat, ist schlechter als ein Anbieter, der die Steuer weitergibt, aber nur 3 % Marge hat.
Modell 2 (Steuer vom Gewinn) ist besser als Modell 1, weil du bei verlorenen Wetten keine Steuer zahlst. Der Unterschied wird umso größer, je öfter du verlierst – und die Mehrheit der Wetten verliert.
Modell 1 (Steuer vom Einsatz) ist das teuerste Modell für den Wetter. Du zahlst Steuer auf jede Wette, egal ob gewonnen oder verloren.
Was die Steuer langfristig kostet – die Jahresrechnung
Hier wird es ernst. Kurzfristig sind 5,30 € pro 100-€-Wette nicht viel. Langfristig summiert es sich zu einem Betrag, der dein Wettergebnis fundamental verändert.
Szenario 1: Gelegenheitswetter (200 €/Monat, 20 Wetten à 10 €)
Jahresumsatz: 2.400 € (240 Wetten à 10 €). Wettsteuer bei Modell 1: 127,20 €/Jahr. Buchmacher-Marge (ca. 5 % auf 1X2): 120 €/Jahr. Gesamtkosten: 247,20 €/Jahr. Die Steuer macht mehr als die Hälfte deiner Gesamtkosten aus.
Ohne Steuer (internationaler Anbieter mit 3 % AHC-Marge): 72 €/Jahr. Differenz: 175 €/Jahr. Für einen Gelegenheitswetter ist das spürbar, aber kein Dealbreaker. Du zahlst ca. 15 € pro Monat mehr als bei einem internationalen Anbieter.
Szenario 2: Regelmäßiger Wetter (500 €/Monat, 25 Wetten à 20 €)
Jahresumsatz: 6.000 € (300 Wetten à 20 €). Wettsteuer bei Modell 1: 318 €/Jahr. Buchmacher-Marge (ca. 5 %): 300 €/Jahr. Gesamtkosten: 618 €/Jahr. Ohne Steuer (internationaler Anbieter mit 3 % Marge): 180 €/Jahr. Differenz: 438 €/Jahr. Das ist ein Wochenendtrip – oder 22 zusätzliche Wetten à 20 €.
Szenario 3: Aktiver Wetter (1.000 €/Monat, 50 Wetten à 20 €)
Jahresumsatz: 12.000 € (600 Wetten à 20 €). Wettsteuer bei Modell 1: 636 €/Jahr. Buchmacher-Marge (ca. 5 %): 600 €/Jahr. Gesamtkosten: 1.236 €/Jahr. Ohne Steuer (internationaler Anbieter mit 3 % Marge): 360 €/Jahr. Differenz: 876 €/Jahr. Fast 75 € pro Monat. Bei diesem Volumen ist die Anbieterwahl eine finanzielle Entscheidung, keine Geschmacksfrage.
Szenario 4: Vielwetter (15.000 €/Jahr Umsatz, AHC-Märkte)
Jahresumsatz: 15.000 €. Wettsteuer: 795 €. GGL-Marge auf AHC (ca. 3–4 %): 450–600 €. Gesamtkosten: 1.245–1.395 €/Jahr. Internationaler Anbieter (2,5 % AHC-Marge, keine Steuer): 375 €/Jahr. Differenz: 870–1.020 €/Jahr.
Wie die Steuer verschiedene Wetttypen trifft
Die Wettsteuer trifft nicht alle Wetten gleich. Je niedriger die Quote, desto stärker der relative Effekt.
Niedrige Quoten (1,20–1,50): Steuer ist verheerend
Wette: 100 € auf Quote 1,20. Möglicher Gewinn ohne Steuer: 20 €. Wettsteuer (Modell 1): 5,30 €. Die Steuer frisst 26,5 % deines potenziellen Gewinns. Bei Quote 1,30 sind es 17,7 %. Bei Quote 1,50 sind es 10,6 %. Wetten auf niedrige Quoten bei GGL-Anbietern sind durch die Steuer überproportional belastet. Wenn du systematisch auf Favoriten mit Quoten unter 1,50 wettest, verlierst du allein durch die Steuer einen erheblichen Teil deines Ertrags.
Mittlere Quoten (2,00–3,00): Steuer ist spürbar
Wette: 100 € auf Quote 2,00. Möglicher Gewinn: 100 €. Steuer: 5,30 € = 5,3 % des Gewinns. Bei Quote 3,00: Steuer = 2,65 % des Gewinns. Hier ist die Steuer als absoluter Betrag gleich (5,30 €), aber relativ zum Gewinn deutlich geringer. Mittlere Quoten sind bei GGL-Anbietern effektiver als niedrige.
Hohe Quoten (5,00+): Steuer ist kaum relevant
Wette: 100 € auf Quote 5,00. Möglicher Gewinn: 400 €. Steuer: 5,30 € = 1,3 % des Gewinns. Bei Quote 10,00: 0,5 %. Bei hohen Quoten ist die Steuer relativ zum potenziellen Gewinn vernachlässigbar. Aber: Wetten auf hohe Quoten gewinnen selten. Im Durchschnitt zahlst du öfter Steuer auf verlorene Wetten, als du hohe Gewinne realisierst.
Die Konsequenz für deine Strategie
Wenn du bei GGL-Anbietern wettest, vermeide systematische Wetten auf niedrige Quoten (unter 1,50) – die Steuer macht sie überproportional teuer. Bevorzuge mittlere Quoten (1,80–3,00) und Märkte mit niedrigerer Marge (Asian Handicap statt 1X2). Oder: Platziere niedrige-Quoten-Wetten bei internationalen Anbietern ohne Steuer, und nutze den GGL-Anbieter für den Spielerschutz bei höheren Quoten.
Wettsteuer und Kombiwetten: Der Multiplikator-Effekt
Bei Kombiwetten wird die Steuer einmal auf den Gesamteinsatz berechnet – nicht auf jede Einzelwette. Das klingt nach einem Vorteil: Du zahlst bei einer Vierer-Kombi nicht viermal Steuer, sondern einmal.
Aber: Kombiwetten haben eine deutlich höhere Marge als Einzelwetten. Bei einer Vierer-Kombi beträgt die effektive Marge ca. 18–20 %. Plus 5,3 % Wettsteuer = 23–25 % Gesamtkosten. Von jedem Euro, den du auf eine Vierer-Kombi bei einem GGL-Anbieter setzt, bekommst du langfristig ca. 75 Cent zurück.
Bei einem internationalen Anbieter ohne Steuer zahlst du nur die Marge (18–20 %). Immer noch schlecht – aber 5 Prozentpunkte besser. Die Wettsteuer macht Kombiwetten bei GGL-Anbietern zum schlechtesten verfügbaren Produkt. Wenn du bei GGL wettest: Einzelwetten auf AHC-Märkte. Keine Kombis.
Steuer bei Live-Wetten
Die Wettsteuer gilt bei Live-Wetten genauso wie bei Pre-Match-Wetten: 5,3 % auf den Einsatz. Bei Live-Wetten kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: Die Quoten sind volatiler, die Margen höher (6–8 % statt 3–5 % bei Pre-Match), und die 5-Sekunden-Regel bei GGL-Anbietern kann dazu führen, dass du eine schlechtere Quote bekommst als geplant.
Die Kombination aus höherer Live-Marge, Wettsteuer und 5-Sekunden-Verzögerung macht Live-Wetten bei GGL-Anbietern zum teuersten Wettformat. Wenn Live-Wetten ein zentraler Teil deiner Strategie sind, ist der Wechsel zu einem internationalen Anbieter finanziell am stärksten begründet.
„Kann ich die Wettsteuer legal umgehen?“ – Die fünf häufigsten Ideen
Idee 1: Bei einem internationalen Anbieter ohne Steuer wetten
Das ist keine Umgehung – das ist die Realität. Internationale Anbieter ohne GGL-Lizenz führen die deutsche Wettsteuer in der Regel nicht ab. Du wettest ohne Steuer, zahlst effektiv 5,3 % weniger pro Wette. Das ist legal für dich als Kunde: Der Glücksspielstaatsvertrag verbietet das Angebot nicht-lizenzierter Glücksspiele, nicht die Nutzung. Es gibt keinen dokumentierten Fall, in dem ein deutscher Spieler wegen Wetten bei einem internationalen Anbieter verfolgt wurde.
Die Kehrseite: Kein OASIS-Schutz, kein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit, eingeschränkter Rechtsweg bei Streitigkeiten. Es ist eine bewusste Abwägung zwischen Kosten und Schutz, keine illegale Trickserei.
Idee 2: Wohnsitz ins Ausland verlegen
Die Wettsteuer gilt für Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Wohnst du in Österreich, fällt keine deutsche Wettsteuer an – unabhängig von deiner Staatsangehörigkeit. Das ist legal, aber offensichtlich kein praktikabler „Trick“, um 5,30 € pro Wette zu sparen. Wenn du ohnehin im Ausland lebst: Gut für dich. Extra umziehen wegen der Wettsteuer: Absurd.
Idee 3: Über VPN oder ausländische Adresse registrieren
Falsch und riskant. Spätestens bei der Auszahlung wird eine Identitätsprüfung (KYC) durchgeführt. Wenn dein Ausweis eine deutsche Adresse zeigt, fliegt der Schwindel auf. Mögliche Konsequenzen: Kontosperrung, Einbehaltung des Guthabens, Ausschluss vom Anbieter. Keine Option.
Idee 4: Anbieter nutzen, die die Steuer selbst tragen
Das ist tatsächlich eine sinnvolle Strategie – keine Umgehung, sondern die richtige Anbieterwahl. Es gibt GGL-Anbieter, die die 5,3 % nicht an Kunden weitergeben. Das ist legal, transparent und der einfachste Weg, die Steuerbelastung zu eliminieren. Aber prüfe immer die Quoten: Manche Anbieter, die die Steuer übernehmen, kompensieren das über höhere Margen. Vergleiche die Endquoten, nicht nur die Steuer-Policy.
Idee 5: Nur Kombiwetten spielen, weil die Steuer einmal statt mehrmals anfällt
Technisch richtig: Bei einer Vierer-Kombi zahlst du einmal 5,3 % statt viermal. Aber das ist ein klassischer Trugschluss. Die Marge einer Vierer-Kombi (18–20 %) ist so viel höher als die Steuerersparnis, dass du insgesamt deutlich mehr verlierst. Vier Einzelwetten à 100 € bei 5 % Marge + 5,3 % Steuer kosten dich effektiv 41,20 €. Eine Vierer-Kombi à 100 € bei 20 % Marge + 5,3 % Steuer kostet dich effektiv 25,30 € – aber dein erwarteter Verlust durch die höhere Marge ist so viel größer, dass die Steuerersparnis irrelevant wird. Einzelwetten bleiben mathematisch überlegen.
Die Steuer im internationalen Vergleich
Österreich
Keine Wettsteuer für den Kunden. Sportwetten-Anbieter zahlen eine Glücksspielabgabe, die nicht an Kunden weitergegeben wird (in der Regel). Österreichische Wetter haben einen strukturellen Kostenvorteil von 5,3 Prozentpunkten gegenüber deutschen Wettern bei GGL-Anbietern.
Schweiz
Wettgewinne über 1.000 CHF pro Gewinnfall sind einkommensteuerpflichtig (die Regelungen variieren zwischen Kantonen). Keine separate Wettsteuer auf den Einsatz. Für Schweizer Wetter mit kleinen Gewinnen (unter 1.000 CHF) ist die Situation besser als in Deutschland. Für Wetter mit größeren Gewinnen kann die Einkommensteuer höher sein als die deutsche Wettsteuer – abhängig vom Kanton und der persönlichen Steuersituation.
Großbritannien
Keine Wettsteuer für Kunden (seit 2001 abgeschafft). Buchmacher zahlen 15 % Gross Profits Tax, die in die Quoten eingepreist wird – aber deutlich weniger sichtbar und weniger belastend als die deutsche 5,3 % auf den Einsatz.
Die Einordnung
Deutsche Wetter bei GGL-Anbietern haben im europäischen Vergleich die höchste direkte Steuerbelastung. Die 5,3 % auf den Einsatz ist eine der aggressivsten Wettbesteuerungen in Europa – und einer der Hauptgründe, warum 30–50 % des deutschen Wettvolumens bei internationalen Anbietern ohne Steuer platziert wird.
Die Wettsteuer als Kanalisierungsproblem
Hier liegt die zentrale Ironie der deutschen Regulierung: Die GGL will möglichst viele Wetter im regulierten Markt halten (hohe Kanalisierungsquote). Gleichzeitig macht die Wettsteuer den regulierten Markt 5,3 Prozentpunkte teurer als den unregulierten. Je höher die Steuer, desto attraktiver werden internationale Anbieter ohne Steuer – und desto niedriger die Kanalisierungsquote.
Branchenverbände argumentieren seit Jahren, dass eine Senkung oder Abschaffung der Wettsteuer die Kanalisierungsquote erhöhen und damit paradoxerweise zu mehr Steuereinnahmen führen würde – weil mehr Wettvolumen im steuerpflichtigen Markt bliebe. Die Politik hat dieses Argument bisher nicht aufgegriffen. Ob sich das ändert, bleibt offen.
Sind Wettgewinne steuerpflichtig?
Kurze Antwort: Nein, für die große Mehrheit der Wetter nicht.
Die Grundregel
Gewinne aus Sportwetten gelten in Deutschland als Glücksspielgewinne und sind steuerfrei. Du musst sie nicht in der Steuererklärung angeben und zahlst keine Einkommensteuer darauf. Das gilt unabhängig von der Höhe des Gewinns und unabhängig davon, ob du bei einem GGL-Anbieter oder einem internationalen Anbieter wettest.
Die Ausnahme: Gewerbsmäßiges Wetten
Wenn das Finanzamt dein Wettverhalten als gewerbsmäßig einstuft, können Gewinne einkommensteuerpflichtig werden. Kriterien für Gewerbsmäßigkeit: regelmäßiges Wetten mit Gewinnerzielungsabsicht, Wetten als Haupteinkommensquelle, systematische und professionelle Herangehensweise. Für den typischen Hobbywetter (auch mit mehreren hundert Wetten pro Jahr) ist das nicht relevant. Für die theoretischen „Profiwetter“ (die es aus den im Artikel „Vom Wetten leben“ genannten Gründen ohnehin kaum gibt): potenziell relevant.
Die Empfehlung
Führe eine einfache Dokumentation deiner Wettaktivitäten: Einzahlungen, Auszahlungen, Nettobilanz pro Jahr. Nicht weil du musst, sondern weil du bei einer Nachfrage des Finanzamts (z. B. bei ungewöhnlich hohen Geldeingängen auf deinem Konto) belegen kannst, dass es sich um steuerfreie Glücksspielgewinne handelt.
Die ehrliche Entscheidungshilfe: GGL mit Steuer oder international ohne?
Statt einer pauschalen Empfehlung die Rechnung für deinen Fall:
Unter 200 € Monatsumsatz: Die Steuer kostet dich ca. 10 €/Monat. Der Spielerschutz-Vorteil der GGL (OASIS, Einzahlungslimit) ist bei diesem Volumen wertvoller als die Steuerersparnis. Bleib bei GGL, wenn dir Spielerschutz wichtig ist.
200–500 € Monatsumsatz: Die Steuer kostet 10–26 €/Monat. Ein zusätzliches Konto bei einem internationalen MGA-Anbieter (ohne Steuer) für deine AHC- und Über/Unter-Wetten spart dir 120–300 €/Jahr. Nutze den GGL-Anbieter für den Spielerschutz und den internationalen für die quotensensitiven Wetten.
500–1.000 € Monatsumsatz: 26–53 €/Monat Steuer. Der Wechsel zu internationalen Anbietern spart dir 300–600 €/Jahr. Bei diesem Volumen ist die Steuer ein signifikanter Kostenfaktor, der dein Jahresergebnis um hunderte Euro verschlechtert. Internationale MGA-Anbieter mit Krypto-Zahlung bieten den besten Kompromiss aus Quoten und Zugänglichkeit.
Über 1.000 € Monatsumsatz: Über 53 €/Monat Steuer, 636 €+ pro Jahr. Internationale Anbieter sind wirtschaftlich deutlich besser. Die GGL-Auflagen (Einzahlungslimit 1.000 €, 5-Sekunden-Regel, Steuer) werden bei diesem Volumen kumulativ einschränkend.
Was passiert, wenn die Steuer erhöht wird?
Es gibt wiederkehrende politische Diskussionen über eine Erhöhung der Wettsteuer – auf 8 %, 10 % oder sogar höher. Die Argumentation: Sportwetten verursachen gesellschaftliche Kosten (Sucht, Kriminalität), die Steuer soll diese Kosten decken.
Was eine Erhöhung auf 8 % bedeuten würde: Bei 15.000 € Jahresumsatz steigen deine Steuerkosten von 795 € auf 1.200 € – ein Anstieg um 405 €. Die effektiven Gesamtkosten pro Wette (Marge + Steuer) bei einem GGL-Anbieter lägen bei 12–14 %. Der Unterschied zu einem internationalen Anbieter ohne Steuer (2–3 % Marge) würde auf 9–11 Prozentpunkte wachsen.
Die wahrscheinliche Folge: Noch mehr Wetter würden zu internationalen Anbietern wechseln. Die Kanalisierungsquote würde sinken. Die Gesamtsteuereinnahmen könnten trotz höherem Steuersatz fallen – weil weniger Volumen im steuerpflichtigen Markt verbleibt. Das ist kein theoretisches Szenario, sondern in anderen Ländern mit hoher Wettbesteuerung dokumentiert.
Für dich als Wetter: Falls die Steuer erhöht wird, rechne die neuen Kosten für dein Volumen durch. Je höher die Steuer, desto größer der wirtschaftliche Vorteil internationaler Anbieter – und desto schwerer wiegt die Entscheidung, aus Spielerschutz-Gründen im GGL-Markt zu bleiben.
Die Kurzversion
Die Wettsteuer beträgt 5,3 % auf den Einsatz bei allen GGL-Anbietern. Je niedriger die Quote, desto stärker der relative Effekt: Bei Quote 1,20 frisst die Steuer 26,5 % des Gewinns, bei Quote 5,00 nur 1,3 %. Drei Berechnungsmodelle bei GGL-Anbietern: Abzug vom Einsatz (teuerste Variante), Abzug vom Gewinn (besser, weil keine Steuer auf Verluste), Anbieter übernimmt Steuer (beste Variante, aber selten – und oft über höhere Margen finanziert).
Jahreskosten: 127 € bei 2.400 € Umsatz, 318 € bei 6.000 €, 636 € bei 12.000 €, 795 € bei 15.000 €. Die Steuer macht bei den meisten Wettern über die Hälfte der Gesamtkosten aus – mehr als die Buchmacher-Marge. Im europäischen Vergleich ist die deutsche Wettsteuer eine der höchsten. Österreich: keine. Schweiz: keine Einsatzsteuer, aber Gewinnsteuer ab 1.000 CHF. Großbritannien: keine für Kunden.
Kombiwetten bei GGL-Anbietern: 18–20 % Marge plus 5,3 % Steuer = 23–25 % Gesamtkosten. Wettgewinne sind für Hobbywetter steuerfrei. Die Entscheidung GGL vs. international hängt vom Volumen ab: Unter 200 € Monatsumsatz lohnt der Wechsel kaum, ab 500 € ist der Steuervorteil internationaler Anbieter finanziell signifikant.
→ Detailartikel: [Sportwetten Bonus] → Detailartikel: [Sportwetten und Mathematik]
Sportwetten können süchtig machen. Hilfe: BZgA-Hotline 0800 1 37 27 00 (kostenlos, anonym). Wenn du bei dir Anzeichen problematischen Spielverhaltens erkennst, informiere dich unter www.check-dein-spiel.de.