
Vier Monate vor Beginn der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 sorgt eine erneute Gewaltwelle in Mexiko für internationale Besorgnis – und wirft Fragen auf, ob eines der Gastgebersländer der Fußballexplosion im Sommer wirklich gewappnet ist. Auslöser der jüngsten Unruhen ist die Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes, Anführer des mächtigen Jalisco Nueva Generación Cartel (CJNG).
Sein Tod nach einem Militäreinsatz im Bundesstaat Jalisco hat eine Welle von Gewalt, Straßensperren und Blockaden ausgelöst – zumeist in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Ballungszentren und WM-Spielorten.
Tod eines Kartellchefs und extreme Gewalt als Antwort
„El Mencho“ galt lange als einer der mächtigsten Drogenbosse Mexikos. Die Operation gegen ihn konnte zwar als Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen gewertet werden, doch die unmittelbare Reaktion der kriminellen Gruppen war brutal.
Nachdem Sicherheitskräfte ihn tödlich verwundet hatten, kam es in mehreren Bundesstaaten zu koordinierten Aktionen: Straßen wurden mit brennenden Fahrzeugen blockiert, Angriffe auf Sicherheitskräfte gemeldet und Verkehrsverbindungen lahmgelegt.
Ausländische Fluglinien sagten Flüge in verschiedene Städte ab, Botschaften warnten vor Reisen in bestimmte Regionen, und Schulen sowie öffentliche Einrichtungen wurden vorsorglich geschlossen.
Inzwischen gibt es massive Sicherheitsbedenken
Gemessen am Ausmaß und an der Koordination dieser Vergeltungsaktionen warnen Sicherheitsexperten, dass die unmittelbaren Folgen des Todes von „El Mencho“ tiefer liegende strukturelle Probleme in Mexiko offengelegt haben: eine teils schwache staatliche Kontrolle in ländlichen Regionen, korrupte Netzwerke innerhalb lokaler Machtstrukturen und die hohe Verfügbarkeit schwerer Waffen.
Diese Faktoren könnten die Sicherheitslage bis zum WM-Start im Juni weiter destabilisieren.
WM-Spielorte im Fokus – Wie gefährdet ist das Turnier?
Mexiko ist als eines der drei Gastgeberländer der Weltmeisterschaft vorgesehen, mit insgesamt drei WM-Stadien, darunter das legendäre Estadio Azteca in Mexiko-Stadt, Estadio Akron in Guadalajara und Estadio BBVA in Monterrey. Gerade Guadalajara, das mehrere Gruppenspiele austragen soll, wurde in den letzten Tagen zu einem Brennpunkt der Gewalt.
Berichte über blockierte Zufahrtswege und Sicherheitsalarme rund um das Estadio Akron haben auch die FIFA und internationale Behörden in Alarmbereitschaft versetzt – auch wenn offizielle Aussagen bislang betonen, dass alle Sicherheitspläne nochmals überprüft würden.
Zudem mussten im Zuge der Eskalation sogar einige mexikanische Ligaspiele abgesagt werden, was die Frage aufwirft, inwiefern große Menschenmengen in bestimmten Regionen sicher zusammengeführt werden können, wenn der innere Frieden nicht stabil bleibt.
Kein akuter WM-Abbruch, aber ernsthafte Zweifel
Trotz der dramatischen aktuellen Gewaltentwicklung gibt es bislang keine offiziellen Signale, dass die WM-Partien in Mexiko tatsächlich abgesagt oder verlagert werden sollen. Die mexikanische Regierung betont, dass Sicherheit höchste Priorität habe, und internationale Organisationen prüfen gemeinsam mit der FIFA zusätzliche Maßnahmen.
Doch die jüngsten Ereignisse haben die internationale Debatte über Reisewarnungen, Fan-Sicherheit und Vertrauen in die Veranstaltungsfähigkeit eines WM-Gastgeberlandes neu entfacht – und machen klar, dass die organisierte Kriminalität nicht nur ein „Nebenschauplatz“ bleibt, sondern ein ernst zu nehmender Faktor im Vorfeld des größten Fußballfestes der Welt ist.