Ballon d’Or 2026: Warum Musiala gerade der heißeste Kandidat ist — und was Wirtz noch braucht

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 3 Min. Lesezeit
BERGAMO, ITALY – MARCH 10: Jamal Musiala, of Bayern Munchen, celebrates after scoring during the UEFA Champions League round of 16 first leg football match between Atalanta and Bayern Munchen at the Stadio di Bergamo, Italy, on March 10, 2026. Isabella Bonotto / Anadolu (Photo by Isabella Bonotto / Anadolu via AFP)

30 Jahre. So lange wartet der deutsche Fußball auf einen Ballon-d'Or-Sieger. Matthias Sammer war 1996 der letzte. Seitdem regierte die Welt der Wahl-Weltfußballer immer wieder Messi, Ronaldo, Modric, Benzema — zuletzt Ousmane Dembélé, der 2025 mit dem CL-Titel von PSG gewann.

2026 ist das Jahr, in dem das enden könnte. Und es gibt gleich zwei Deutsche, die in der engsten Auswahl stehen: Jamal Musiala und Florian Wirtz. Dazu Kane als dritten Münchner Wildcard. Wer hat die besten Chancen — und warum ist Musiala gerade der Mann der Stunde?

Musiala: Die Rückkehr, die alles verändert

Im Sommer verpasste Musiala den Start der Saison mit einem Wadenbeinbruch, den er sich beim Club World Cup zugezogen hatte. Monate ohne Spiele, Unsicherheit über die Form. Dann die Rückkehr — und was für eine.

Beim 4:3 gegen Real Madrid im CL-Viertelfinale Rückspiel kam Musiala eingewechselt und war sofort entscheidend. Seine Hackentrick-Vorlage zum 3:3, sein Tempo, seine Intuition — das war der Musiala, den die Welt kennt und fürchtet. Bundesliga.com-Prognose zufolge startet er am Sonntag gegen Stuttgart von Beginn an.

Was Musiala nun fehlt: Kontinuität über Wochen, nicht nur Glanzmomente. Und der finale Beweis in einem großen Spiel von Anfang an. Das PSG-Halbfinale ab dem 28. April ist genau diese Bühne.

Der entscheidende Faktor ist die WM. Deutschland spielt im Juni in einer handhabbaren Gruppe (Elfenbeinküste, Ecuador, Curacao). Wenn Nagelsmanns Team weit kommt und Musiala dabei der Unterschiedsspieler ist, schließt sich der Kreis: Bundesliga-Meister mit Bayern, CL-Halbfinale (mindestens), WM-Glanzleistung. Das ist das komplette Ballon-d'Or-Paket.

Wirtz: Großer Transfer, schwieriger Start — aber WM wartet

Florian Wirtz wechselte im Sommer für rund 125 bis 150 Millionen Euro zu Liverpool. Die Erwartungen waren riesig. Die Anpassung verlief zäher als erwartet: wenige Scorerpunkte zu Beginn, erste öffentliche Zweifel.

Lothar Matthäus sieht das optimistisch: „Ich hoffe, dass er zur WM mit Selbstvertrauen fliegt und nicht mit dem Selbstzweifel, den er gerade vielleicht noch etwas hat. Ich bin überzeugt, dass er aus dieser unbefriedigenden Situation herauskommt.“

Die Wahrheit liegt dazwischen. Wirtz hat nicht versagt — er hat sich angepasst. Und Premier League-Anpassungen dauern. Was für ihn spricht: Wenn es bei der WM klickt und Deutschland weit kommt, kann Wirtz innerhalb von vier Wochen aus dem Schatten treten. Ballon-d'Or-Wähler erinnern sich an das, was zuletzt passiert ist — und eine starke WM wiegt schwer.

Kane: Der Leise-Favorit aus München

Harry Kane hatte in dieser Bundesliga-Saison von Anfang an eine außergewöhnliche Quote. Die Tore kamen von Beginn an, der Bayern-Stürmer spielte auf einem Level, das ihn in die Ballon-d'Or-Diskussion geschossen hat. In den Rankings ist er nach einem starken Rückrunden-Lauf deutlich nach oben geklettert.

Was gegen Kane spricht: Er ist Engländer in der Bundesliga — und der Ballon d'Or ist strukturell europazentral. Ohne CL-Titel und ohne Nationalmannschafts-Highlight (England qualifizierte sich für die WM, aber die Erwartungen an Kane persönlich sind gedämpft) ist er eher der Kandidat, der bei schwächeren Leistungen der Konkurrenz abräumt.

Der WM-Joker: Wer im Sommer glänzt, gewinnt im Herbst

Der Ballon d'Or 2026 wird nicht allein über die Klubsaison entschieden. Er wird auch durch die WM entschieden — und das ist der Punkt, der alles offenhält.

Vinicius Junior hat Real Madrid im Viertelfinale (gegen Bayern, 6:4-Gesamtniederlage) nicht retten können. Mbappé spielt bei Frankreich, einem der größten WM-Favoriten. Lamine Yamal ist erst 18 und steht bei Barça. Alle drei haben WM-Chancen, alle drei könnten den Deutschen die Show stehlen.

Aber: Das Verhältnis Musiala zu seinen Konkurrenten war selten so gut wie jetzt. Er ist gesund, in Form, beim besten Verein der Welt — und hat vier Monate für den Ballon-d'Or-Beweis vor sich.

Unsere Einschätzung: Musiala ist derzeit der stärkste deutsche Kandidat — aber nicht der sichere Gewinner. Der Ballon d'Or 2026 wird im Sommer in Nordamerika entschieden. Wer dort am hellsten leuchtet, hält den goldenen Ball im Herbst in den Händen.


Autor: Armin Schwarz, Chef-Analyst Sportwetten24.com | 17. April 2026

Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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