
Pierre-Emerick Aubameyang ist 36 Jahre alt, spielt in der Ligue 1 — und trifft immer noch. Wer den Gabuner für beendet gehalten hat, liegt falsch. Nach einem kurzen Abstecher nach Saudi-Arabien ist der ehemalige BVB-Stürmer zurück in Frankreich und zeigt, dass er auf diesem Niveau noch immer zu den gefährlichsten Stürmern gehört, die der Verein aufbieten kann.
Aktueller Verein: Zurück bei Olympique Marseille
Aubameyang steht seit Juli 2025 erneut bei Olympique Marseille unter Vertrag — ein Vertrag, der diesmal bis 2027 läuft. Die Rückkehr war keine Notlösung, sondern eine bewusste Entscheidung. Nach einem Jahr bei Al-Qadsiah in der saudi-arabischen Pro League, das er mit einem üppigen Gehalt von angeblich über 20 Millionen Euro netto pro Jahr absolviert hatte, zog es ihn zurück in den europäischen Fußball und zurück zu einem Verein, den er bereits kennt.
Der Marktwert wird aktuell auf rund 4,6 Millionen Euro geschätzt — ein Symbol für den biologischen Realismus des Fußballgeschäfts, aber keine Aussage über seine aktuelle Gefährlichkeit.
Saisonbilanz 2025/26 bei Olympique Marseille
Die Zahlen sprechen für sich. In der laufenden Saison 2025/26 kommt Aubameyang auf 23 Einsätze für Marseille, davon 16 von Beginn an. Sein Beitrag: 8 Tore und 5 Vorlagen — das entspricht einer Torbeteiligung bei 25 Prozent aller Aktionen, an denen er beteiligt war. Die Startelfquote von knapp 70 Prozent zeigt, dass er kein Einwechsel-Joker ist, sondern nach wie vor fester Bestandteil der Planung.
Ob das auf Dauer so bleibt, hängt von seiner körperlichen Frische ab — ein 36-Jähriger im hochintensiven Pressing-Fußball der Ligue 1 muss rotiert werden. Aber im Moment ist Aubameyang beim richtigen Verein am richtigen Ort.
Das Saudi-Abenteuer: Ein Jahr Al-Qadsiah
Im Sommer 2024 verließ Aubameyang Marseille nach einer starken ersten Saison und wechselte zu Al-Qadsiah in die saudi-arabische Pro League. Der Vertrag lief bis 2026, das Gehalt überstieg nach Berichten von L'Équipe die Marke von 20 Millionen Euro netto pro Jahr — mehr als er je zuvor in seiner Karriere verdient hatte, einschließlich seiner Arsenal-Zeit.
Beim saudi-arabischen Aufsteiger traf er unter anderem auf Ex-Real-Madrid-Verteidiger Nacho und den ehemaligen Wolfsburg-Torwart Koen Casteels. Nach einem Jahr — und guten Leistungen — entschied er sich dennoch für die Rückkehr nach Europa. Das Saudi-Kapitel bleibt damit das bestbezahlte in seiner Karriere, aber kein dauerhaftes.
Die Karriere von Pierre-Emerick Aubameyang im Überblick
Aubameyang wurde am 18. Juni 1989 im französischen Laval geboren. Sein Weg an die Spitze verlief über mehrere Leihstationen: AC Mailand war sein erster Profiverein, tatsächlich gespielt hat er für die Rossoneri aber nie. Die Stationen Dijon, Lille und Monaco folgten auf Leihbasis, ehe ihm bei AS Saint-Étienne der Durchbruch gelang.
Borussia Dortmund war der eigentliche Karriere-Höhepunkt in seiner Frühphase. Zwischen 2013 und 2018 entwickelte er sich zu einem der besten Stürmer Europas. Mit 98 Toren in 144 Bundesliga-Spielen und der Torschützenkrone 2017 (31 Treffer) schrieb er BVB-Geschichte. Kein afrikanischer Spieler war in der Bundesliga jemals erfolgreicher. Der Abschied war turbulent — Aubameyang drückte sich trotz laufenden Vertrags aus dem Klub heraus. Sein Instagram-Statement dazu ist legendär: „Jeder weiß, dass Auba ein bisschen verrückt ist.“
FC Arsenal zahlte im Januar 2018 die bis dahin höchste Ablöse der Vereinsgeschichte: 63,75 Millionen Euro. Aubameyang rechtfertigte die Summe, wurde Premier-League-Torschützenkönig 2019 (22 Treffer, geteilt mit Salah und Mané), gewann den FA Cup und den Community Shield 2020. Das Ende in London war weniger ruhmreich — Mikel Arteta entzog ihm die Kapitänsbinde nach einem Disziplinvorfall, der Vertrag wurde aufgelöst.
FC Barcelona (2022), FC Chelsea (2022/23), Olympique Marseille (erste Amtszeit 2023/24, 17 Tore in 34 Spielen), Al-Qadsiah (2024/25) und nun die zweite Marseille-Amtszeit — das sind die Kapitel, die den Spätherbst seiner Karriere beschreiben.
Nationalmannschaft und Rekorde
Aubameyang ist der Rekordtorschütze der gabunischen Nationalmannschaft. In 77 Länderspielen erzielte er 31 Treffer. Obwohl er auch die französische und die spanische Staatsangehörigkeit besitzt — seine Mutter stammt aus Spanien, sein Geburtsort ist Frankreich — entschied er sich früh für Gabun. Ein U21-Kurzeinsatz für Frankreich blieb der einzige Ausflug in eine andere Nationalfarbe.
Noch beeindruckender ist sein Rekord in der UEFA Europa League: Aubameyang ist mit 34 Treffern der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte dieses Wettbewerbs.
Titel und Erfolge
Die Palmares des Gabuners:
- Ligapokalsieger 2013 (AS Saint-Étienne)
- DFB-Pokalsieger 2017 (Borussia Dortmund)
- DFL-Supercupsieger 2013 und 2014 (Borussia Dortmund)
- FA-Cup-Sieger 2020 (FC Arsenal)
- Community-Shield-Sieger 2020 (FC Arsenal)
- Spanischer Meister 2023 (FC Barcelona)
- Afrikas Fußballer des Jahres 2015
Wie lange noch?
Bis Sommer 2027 läuft der aktuelle Vertrag in Marseille. Ob Aubameyang danach noch einmal verlängert, in eine leichtere Liga wechselt oder die Karriere beendet, ist offen. Mit 36 Jahren und acht Saisontoren in einer der körperlich anspruchsvollsten Ligen Europas hat er die Zweifel jedenfalls vorerst beiseitegeschoben. Was er nach der aktiven Karriere plant, hat er bisher nicht öffentlich kommuniziert.
Als einer der faszinierendsten und widersprüchlichsten Stürmer seiner Generation hat Aubameyang jedenfalls noch Zeit, selbst die letzte Seite seines Kapitels zu schreiben.

