Miroslav Klose trainiert den 1. FC Nürnberg und verdient dabei mehr als mancher Bundesligatrainer. Thomas Stamm coacht Dynamo Dresden für rund 150.000 Euro im Jahr. Dazwischen liegen die meisten Trainer der 2. Bundesliga – und eine Gehaltsspanne, die kaum einer anderen Liga in Deutschland ähnelt. Was Cheftrainer im Unterhaus verdienen, wovon es abhängt, und wie weit der Abstand zur Bundesliga wirklich ist.
Die bekannten Gehälter im Überblick
Trainergehälter werden nicht offiziell veröffentlicht – die verfügbaren Zahlen stammen aus Sport Bild, kicker und ähnlichen Quellen, die auf Vereins- und Beraterinformationen zurückgreifen. Sie sind belastbare Schätzungen, keine verifizierten Zahlen.
| Trainer | Verein | Jahresgehalt (ca.) |
|---|---|---|
| Miroslav Klose | 1. FC Nürnberg | ~2.100.000 € |
| Dieter Hecking | VfL Bochum | ~600.000 € |
| Christian Titz | Hannover 96 | ~500.000 € |
| Thomas Kleine | Greuther Fürth | ~450.000 € |
| Markus Anfang | Fortuna Düsseldorf | ~360.000 € |
| Thomas Stamm | Dynamo Dresden | ~150.000 € |
Die Bandbreite ist enorm: Klose verdient etwa das 14-Fache von Stamm – in derselben Liga, in derselben Saison.
Miroslav Klose: Der Ausreißer nach oben
Mit rund 2,1 Millionen Euro Jahresgehalt ist Miroslav Klose der mit Abstand bestbezahlte Trainer der 2. Bundesliga. Zum Vergleich: Er verdient mehr als HSV-Chefcoach Steffen Polzin in der Bundesliga (600.000 €) und nur knapp weniger als einige Mittelfeld-Trainer des Oberhauses.
Kloses Gehalt hat mehrere Erklärungen: sein Weltranking als ehemaliger Weltrekord-Torschütze, die wirtschaftliche Ambition des 1. FC Nürnberg, und die Signalwirkung einer Verpflichtung, die medial bundesweit wahrgenommen wurde. Der Club hat mit dieser Personalie auch außerhalb des Platzes investiert – Klose ist eine Marke.
Das ist zugleich ein Sonderfall. Kein anderer Zweitligatrainer kommt auch nur annähernd an diese Zahl heran.
Das Mittelfeld: 300.000 bis 600.000 Euro
Die Mehrheit der 18 Zweitligatrainer verdient zwischen 300.000 und 600.000 Euro brutto pro Jahr. Das entspricht einem monatlichen Grundgehalt von rund 25.000 bis 50.000 Euro brutto.
In dieser Spanne liegt auch das, was man als „marktgerechtes Trainergehalt in der 2. Bundesliga“ bezeichnen kann. Wer in diesem Bereich liegt, hat entweder bereits Erstliga-Erfahrung gesammelt und ist ins Unterhaus gewechselt – oder hat sich beim aktuellen Klub über mehrere Jahre profiliert und nachverhandelt.
Prämienstruktur: Auch Trainerverträge beinhalten Prämien. Aufstiegsprämien können in der 2. Bundesliga einmalig 100.000 bis 500.000 Euro zusätzlich bedeuten – je nach Vertragsgestaltung. Das erklärt, warum das ausgewiesene Jahresgehalt nie das vollständige Bild zeigt.
Thomas Stamm und das untere Ende
Thomas Stamm bei Dynamo Dresden mit rund 150.000 Euro Jahresgehalt ist das bekannteste Beispiel für die untere Gehaltsklasse in der Liga. Dresden ist ein Traditionsklub mit begrenzten Budgets – Stamm ist ein junger, aufstrebender Trainer ohne langjährige Profikarriere als Spieler im Hintergrund.
150.000 Euro klingt im Volksempfinden gut. Im Kontext eines 60-Stunden-Jobs mit öffentlichem Erfolgsdruck, langen Reisen, Medienverantwortung und einer durchschnittlichen Amtszeit von unter zwei Jahren ist es kein außergewöhnliches Einkommen.
Vergleich: Was verdienen Trainer in anderen Ligen?
| Liga | Durchschnitts-Trainergehalt/Jahr |
|---|---|
| Bundesliga | ~2.500.000 € |
| 2. Bundesliga | ~400.000-600.000 € |
| 3. Liga | ~80.000-200.000 € |
| Regionalliga | ~2.800 €/Monat (~34.000 €/Jahr) |
Der Sprung von der 2. Bundesliga in die Bundesliga kann das Gehalt eines Trainers verfünffachen – das ist der stärkste finanzielle Anreiz im deutschen Trainergeschäft. Entsprechend intensiv ist der Wettbewerb um die wenigen Aufstiegsplätze.
Der Sprung nach unten ist ähnlich drastisch: Wer nach einem Abstieg in der 3. Liga landet, verliert als Trainer in der Regel 60-70% seines bisherigen Einkommens – sofern nicht vertraglich abgesichert.
Was das Trainergehalt in der 2. Bundesliga bestimmt
Spielerkarriere und Namensbekanntheit Klose ist das deutlichste Beispiel: Ein bekannter Name zieht mehr Aufmerksamkeit, höhere Ticketnachfrage und bessere Sponsorengespräche. Vereine zahlen für diesen Mehrwert – unabhängig von der Trainingsqualität.
Vereinsgröße und TV-Einnahmen Hamburger SV, Schalke 04 oder Hannover 96 in der 2. Bundesliga haben größere Fanbasen und höhere Gesamtbudgets als kleinere Zweitligisten. Das wirkt sich direkt auf den Trainergehaltsetat aus.
Vertragslaufzeit und Verhandlungsposition Trainer mit laufendem Vertrag verhandeln aus einer schwächeren Position als Trainer, die frei sind und mehrere Angebote vorliegen haben. Wer sich in der Rückrunde mit dem Verein einig wird, holt in der Regel weniger raus als jemand, der im Sommer mit mehreren Interessenten verhandelt.
Aufstiegsambitionen des Vereins Klubs, die ernsthaft in die Bundesliga wollen, zahlen mehr – weil sie mehr verlangen. Das erhöhte Erwartungsniveau rechtfertigt das höhere Gehalt aus Vereinssicht.
Wie lange halten Zweitligatrainer ihren Job?
Die durchschnittliche Amtszeit eines Cheftrainers im deutschen Profifußball liegt bei unter zwei Jahren. In der 2. Bundesliga ist die Quote ähnlich. Trainer, die über drei oder vier Saisons beim selben Verein bleiben, sind die absolute Ausnahme.
Das bedeutet: Das angegebene Jahresgehalt wird oft nicht vollständig ausgezahlt. Wer nach 14 Monaten entlassen wird, kassiert entweder eine Abfindung oder läuft seinen Vertrag im schlimmsten Fall durch bis zum Ende – ohne aktiven Einsatz. Vertragsgestaltung und Abfindungsklauseln sind deshalb ein wesentlicher Teil der Gehaltsverhandlungen.


