26,2 Millionen Euro pro Saison. Das ist der Gesamttopf, aus dem sich alle Drittligisten ihre TV-Einnahmen teilen. Keine Leistungskomponente, kein Zuschauerbonus, keine Platzierungsformel – jeder Verein bekommt denselben Anteil. Das ist der größte strukturelle Unterschied zu Bundesliga und 2. Bundesliga – und gleichzeitig einer der meistdiskutierten Punkte im deutschen Profifußball unterhalb der DFL-Ligen.
Der aktuelle TV-Vertrag – Laufzeit und Volumen
Der aktuelle Vertrag gilt von der Saison 2023/24 bis 2026/27 und wurde vom DFB ausgehandelt. Das Gesamtvolumen: 104,8 Millionen Euro über vier Jahre, also 26,2 Millionen Euro pro Saison.
Das klingt nach viel – ist aber im Kontext erschreckend wenig. Zur Einordnung:
| Liga/Verein | TV-Einnahmen pro Saison |
|---|---|
| Bundesliga gesamt | ~1,1 Milliarden Euro |
| FC Bayern München | ~83,4 Millionen Euro |
| Borussia Dortmund | ~76 Millionen Euro |
| 2. Bundesliga gesamt | ~640 Millionen Euro |
| 3. Liga gesamt | ~26,2 Millionen Euro |
| Letzter Bundesligist (Grundbetrag) | ~32 Millionen Euro |
Der Letzte der Bundesliga kassiert also mehr TV-Geld als alle 20 Drittligisten zusammen. Das ist die finanzielle Realität dieser Liga – und erklärt, warum Aufstieg für Drittligisten keine Frage von Ehrgeiz ist, sondern von wirtschaftlichem Überleben.
Gleichverteilung: Das Prinzip der 3. Liga
Das strukturell entscheidende Merkmal: In der 3. Liga gibt es keine Leistungskomponente bei den TV-Geldern. Während die DFL in der Bundesliga und 2. Bundesliga das Geld nach Platzierung, Zuschauerinteresse, Nachwuchsausbildung und historischer Relevanz aufteilt, herrscht in der dritten Liga strikte Gleichverteilung.
Jeder der 20 Vereine bekommt denselben Betrag – egal ob Aufstiegskandidat oder Abstiegskämpfer, egal ob 15.000 Zuschauer im Schnitt oder 2.000.
Die einzige Ausnahme: Zweite Mannschaften der Lizenzvereine erhalten keine TV-Gelder. In der Saison 2024/25 spielten Borussia Dortmund II, VfB Stuttgart II und Hannover 96 II in der Liga – damit teilten sich nur 17 Vereine den Topf. Das erhöhte die Pro-Kopf-Ausschüttung leicht.
Konkret: Bei 17 teilnehmenden Erstteams und 90% Ausschüttung (10% an den DFB):
- Gesamtpot: 26,2 Mio. €
- An Vereine: 23,58 Mio. €
- Pro Verein: ca. 1,39 Millionen Euro
Bei 20 Erstteams (kein Reserveteam dabei) entspräche das ca. 1,18 Millionen Euro pro Klub.
Wer überträgt die 3. Liga?
MagentaSport (Deutsche Telekom) ist seit 2023/24 der Hauptrechtinhaber und überträgt alle 380 Spiele einer Saison live – ausschließlich hinter einer Bezahlschranke.
ARD und die Dritten Programme haben das Recht, bis zu 68 Partien pro Saison live zu übertragen – maximal zwei pro Spieltag. Zusammenfassungen von bis zu acht Minuten dürfen ARD, ZDF und die Dritten von allen Spielen zeigen.
DAZN und Sky dürfen Highlight-Clips von maximal sechs Minuten ausstrahlen.
Das bedeutet: Für Fans ohne MagentaSport-Abo ist der Zugang zur 3. Liga stark eingeschränkt. Das ist ein struktureller Kritikpunkt – Reichweite und TV-Gelder stehen in einem Spannungsverhältnis. Wer auf Bezahl-Streaming setzt, maximiert kurzfristig die Einnahmen, schränkt aber die Sichtbarkeit ein.
Das strukturelle Problem: Zu wenig, zu wenig Differenzierung
Die 26,2 Millionen Euro sind im Vergleich zum Aufkommen der Liga zu niedrig – das sagen die Vereine offen. Das Argument: Die 3. Liga erreicht in vielen Stadien fünfstellige Zuschauerzahlen, hat Traditionsvereine mit bundesweiter Strahlkraft und liefert wettbewerbsintensiven Fußball. Trotzdem ist das TV-Volumen ein Bruchteil dessen, was Vereine der 2. Bundesliga kassieren.
Zum Vergleich 2. Bundesliga: Der letzte Platz in der 2. Bundesliga bringt noch rund 7-8 Millionen Euro TV-Geld – fünf bis sechsmal mehr als ein einzelner Drittligist. Wer absteigt, verliert diese Einnahmen sofort. Wer aufsteigt, gewinnt sie. Das erklärt die wirtschaftliche Dramatik von Auf- und Abstieg in dieser Liga.
Das Gleichverteilungsprinzip wird von einigen Vereinen kritisiert: Große Traditionsklubs mit höherer medialer Relevanz – Energie Cottbus, Rot-Weiss Essen, 1860 München – argumentieren, dass ihre Zuschauerzahlen und ihre Strahlkraft mehr einbringen sollten. Kleine Klubs verteidigen die Gleichverteilung als Garant der Chancengleichheit.
Wie verwenden Drittligisten ihre TV-Einnahmen?
1,3 Millionen Euro pro Saison klingt nach einer stabilen Basis. In der Praxis ist es ein Bruchteil des Gesamtetats. Denn ein Drittligist mit 20 Spielern à 10.000 Euro Grundgehalt zahlt allein an Spielergehältern rund 2,4 Millionen Euro pro Saison – ohne Stab, Infrastruktur und Spielbetrieb.
TV-Gelder decken damit oft 40-60% des Spieleretats, nicht mehr. Der Rest kommt aus:
- Zuschauereinnahmen (der wichtigste Posten bei großen Klubs)
- Sponsoring und regionale Partner
- Merchandising
- Ablösen bei Spielerverkäufen
- DFB-Förderungen (Nachwuchs, Infrastruktur)
Vereine mit schwacher Fanbasis und ohne regionales Sponsoring sind in einer strukturell schwachen Position – TV-Geld allein trägt sie nicht.
Was nach 2027 kommt
Der aktuelle TV-Vertrag läuft bis Ende der Saison 2026/27. Die Neuverhandlungen für die Folgeperiode stehen bevor. Aus Vereinskreisen gibt es den Wunsch nach:
- Höherem Gesamtvolumen (Ziel: 35-40 Millionen Euro/Saison)
- Mehr Free-TV-Sichtbarkeit (ARD-Quote erhöhen)
- Möglicher leichter Leistungskomponente ohne das Gleichheitsprinzip aufzugeben
Ob MagentaSport seinen Exklusivcharakter behält, ist offen. Konkurrenten wie DAZN und Sky haben Interesse an der Liga signalisiert – mehr Wettbewerb bei den Rechten würde automatisch höhere Einnahmen bedeuten.


