WM 2026: ARD und ZDF zeigen Werbung während der Live-Spiele!

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit
Auch während der deutschen Spiele wird es TV-Werbung geben.

Die Übertragung großer Turniere im frei empfangbaren Fernsehen galt lange als nahezu werbefreie Zone – zumindest während des Spiels selbst. Doch zur WM 2026 zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Die ARD und das ZDF planen erstmals, Werbung während laufender Spiele zu zeigen.

Eine Entscheidung, die bereits im Vorfeld für Diskussionen sorgt – und bei vielen Fans wohl auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte.

Warum ARD und ZDF diesen Schritt gehen

Hintergrund der Neuerung ist vor allem wirtschaftlicher Druck. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben für die Übertragungsrechte der WM 2026 tief in die Tasche gegriffen. Gleichzeitig sind ihre Einnahmemöglichkeiten durch strenge gesetzliche Vorgaben begrenzt: Klassische Werbung ist im linearen Fernsehen nur bis 20 Uhr erlaubt.

Genau hier liegt das Problem. Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Europa und den Austragungsorten in den USA, Kanada und Mexiko werden viele Spiele erst spät am Abend oder sogar nachts angepfiffen. Das bedeutet: Für einen Großteil der Partien können ARD und ZDF keine regulären Werbespots mehr vor oder während der klassischen Werbefenster platzieren.

Um dennoch Einnahmen zu generieren und die hohen Rechtekosten teilweise zu refinanzieren, greifen die Sender nun zu einem neuen Mittel: Werbung soll direkt in die Live-Übertragung integriert werden – etwa durch Splitscreen-Formate oder kurze Einblendungen während des Spiels.

Ein Novum im deutschen Fernsehen

Zwar sind Werbeunterbrechungen im internationalen Sport längst keine Seltenheit mehr, im deutschen Free-TV – insbesondere bei öffentlich-rechtlichen Übertragungen – war das bisher jedoch ein Tabu. Selbst bei großen Turnieren wie der WM oder EM galt: Während der 90 Minuten bleibt das Spiel unangetastet.

Dass sich das nun ändert, hängt auch mit Anpassungen im Regelwerk zusammen. Die FIFA erlaubt inzwischen zusätzliche Werbemöglichkeiten, etwa rund um Spielunterbrechungen oder in der Halbzeit.

Doch die Grenze zwischen „begleitender Werbung“ und echter Unterbrechung verschwimmt zunehmend – und genau das sorgt für Kritik.

Fans reagieren skeptisch

Für viele Fußballfans ist die Vorstellung klar: Ein Spiel läuft durch, ohne Ablenkung. Jede Form von Werbung während der Partie wird schnell als störend empfunden – vor allem in emotionalen Momenten.

Schon kleinere Unterbrechungen in der Vergangenheit, etwa bei Übertragungen oder Rahmenprogrammen, sorgten regelmäßig für Unmut. Die geplante Ausweitung dürfte diese Diskussion weiter anheizen. Kritiker befürchten, dass der Spielfluss leidet und die TV-Erfahrung an Qualität verliert.

Hinzu kommt ein grundsätzlicher Punkt: ARD und ZDF werden über den Rundfunkbeitrag finanziert. Viele Zuschauer erwarten daher gerade bei Großereignissen ein möglichst werbefreies Erlebnis – und sehen zusätzliche Werbung besonders kritisch.

Gratwanderung zwischen Einnahmen und Zuschauerinteressen

Für die Sender ist die Situation kompliziert. Einerseits steigen die Kosten für Sportrechte kontinuierlich, andererseits bleiben die Einnahmemöglichkeiten begrenzt. Werbung während der Spiele könnte helfen, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Doch der Preis könnte hoch sein: Unzufriedene Zuschauer, Diskussionen über den öffentlich-rechtlichen Auftrag – und die Gefahr, dass sich Fans zunehmend Alternativen suchen.

Fußball und immer mehr Kommerz

Die WM 2026 bringt nicht nur sportlich Neuerungen, sondern auch im TV eine kleine Revolution. Dass ARD und ZDF erstmals Werbung während Live-Spielen zeigen wollen, markiert einen klaren Bruch mit bisherigen Gewohnheiten.

Ob sich dieses Modell durchsetzt, wird letztlich nicht nur von wirtschaftlichen Zwängen abhängen – sondern vor allem davon, wie viel Werbung die Fans während eines Spiels wirklich akzeptieren.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
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