
Die Fußball‑Europameisterschaft 2032 sollte ein großes Fest für den Italien‑Fußball werden: Gemeinsam mit Türkei will das Land Spiele der Endrunde ausrichten. Doch statt sich auf die Vorbereitungen zu konzentrieren, steckt Italiens Fußball aktuell in einer Glaubwürdigkeits‑ und Infrastrukturkrise – so sehr, dass der europäische Verband UEFA dem Gastgeber sogar den Titel „EM‑Austragungsort“ entziehen könnte.
UEFA‑Präsident Aleksander Čeferin hat deutliche Worte gefunden: Sollte sich die Lage bei den Stadien nicht deutlich verbessern, „wird das Turnier nicht in Italien gespielt“, warnte er in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport. Bereits vor längerem hatte Čeferin Italiens Fußball‑Infrastruktur als „eine Schande“ bezeichnet.
Schwere Vorwürfe gegen Italien
Hintergrund: Von den elf Städten, die sich als EM‑Spielorte beworben haben, erfüllt aktuell nur das Stadion der Juventus Turin die Anforderungen der UEFA. Andere große Arenen – etwa in Mailand, Rom oder Neapel – stehen noch vor teils komplizierten Sanierungs‑ oder Neubauphasen. Voraussetzung ist, dass der Bau mindestens bis März 2027 begonnen wird.
Das Problem ist nicht nur baulich, sondern auch politisch und bürokratisch: Verzögerungen, Korruption, Streit um Besitzverhältnisse und langwierige Genehmigungsverfahren behindern den Fortschritt. Beobachter sprechen bereits von einem „Infrastruktur‑Desaster“.
Politische Verantwortung und Verbands‑Krise
Die Offensive der UEFA kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für den italienischen Fußball. Kurz zuvor war die Nationalmannschaft zum dritten Mal in Folge an der Qualifikation für die Fußball‑Weltmeisterschaft gescheitert, was landesweit für Empörung sorgte.
In der Folge trat Gabriele Gravina, der Präsident des italienischen Fußballverbandes (FIGC), zurück. Beobachter sehen darin auch eine Folge der gespannten Stimmung in Verbands‑ und Politikerkreisen.
Doch Čeferin will nicht allein den Verbandschef für die Probleme verantwortlich machen: Er sieht vor allem die politischen Strukturen in der Pflicht, die seit Jahren nicht ausreichend in den Stadionausbau investiert hätten. Ohne ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Verbänden und Klubs sei es schwer vorstellbar, dass die Infrastruktur rechtzeitig fertig werde.
Europas Kritik und die große Frage
Dass die UEFA so offen droht, ist bemerkenswert. Denn große Turniere werden normalerweise viele Jahre im Voraus vergeben und selten wieder entzogen. Dass es jetzt anders laufen könnte, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.
Italien, einst eine der prägenden Fußballnationen Europas, steht damit vor einem möglichen sportpolitischen Super‑GAU: Verlieren sie tatsächlich ihre Rolle als EM‑Gastgeber, wäre dies nicht nur ein finanzieller Schlag, sondern auch ein symbolischer. Die „Schande“ maroder Stadien würde sichtbar auf der großen Bühne stehen – mitten in einem Erneuerungsprozess, der bisher nur zögerlich vorankommt.
Das letzte Ultimatum der UEFA?
Bis Oktober 2026 muss Italien der UEFA eine Liste mit fünf geeigneten Stadien vorlegen, die den Anforderungen für die Spiele 2032 entsprechen sollen. Gelingt das nicht, wäre die Konsequenz klar: Die Spiele würden ohne italienische Stadien geplant – im schlimmsten Fall sogar ohne Italien.
Die Uhr tickt, die Kritik wächst. Und während die Fans gespannt verfolgen, wie diese turbulente Geschichte weitergeht, steht eines fest: Italien muss liefern – oder der Traum von der EM‑Heimstätte könnte platzen.

