Er war kein Techniker, kein Torjäger – aber einer der gefürchtetsten Spieler seiner Generation. Jens Jeremies, Jahrgang 1974, war der klassische „Abräumer“ vor der Abwehr: kompromisslos im Zweikampf, unermüdlich im Laufen, taktisch intelligent. Uli Hoeneß sagte einmal, Jeremies würde „Gegner schon im Spielertunnel attackieren“. Das war nicht ganz ernst gemeint – aber nicht weit von der Wahrheit entfernt.
Im März 2024 feierte er seinen 50. Geburtstag. Heute ist er 52 Jahre alt und lebt bewusst fernab des Rampenlichts – ein Leben, das er sich nach einer spektakulären Karriere verdient hat.
Jens Jeremies heute: Zurück im Hintergrund
Jeremies hat sich nach seinem Karriereende 2006 aus dem Fußball-Tagesgeschäft zurückgezogen. Er sucht nicht die große Bühne als TV-Experte oder Vereinsfunktionär. Anders als frühere Mitspieler wie Oliver Kahn (Bayern-Vorstandsvorsitzender), Mehmet Scholl (TV-Experte) oder Stefan Effenberg (Medienauftritt) wählte Jeremies den leisen Weg.
Was er heute macht:
- Spielerberater bei der Beraterfirma T21+: Jeremies ist Angestellter dieser Agentur, die unter anderem Leroy Sané berät. In dieser Rolle tritt er gelegentlich bei Vereinen auf, bleibt aber weitgehend im Hintergrund.
- Stiftungsarbeit: Seit 2001 betreibt er die Jens-Jeremies-Stiftung mit dem Motto „Der Jugend ihre Zukunft“. Die Stiftung unterstützt benachteiligte Kinder und Jugendliche – unter anderem mit regelmäßigen gesunden Mahlzeiten und Nachhilfe in Hamburg, einem Kinderheim in Sibirien sowie einem Kinderhaus in Zwickau.
- Privatleben in Ottobrunn: Jeremies lebt mit seiner Familie im Münchner Vorort Ottobrunn. Familie steht klar im Mittelpunkt.
Öffentliche Auftritte sind selten. Gelegentlich zeigt er sich bei Benefizspielen oder Traditionsduellen – aber das war es dann auch. Jeremies bleibt, was er nach seiner Karriere von Beginn an sein wollte: ein Privatmann.
Die Karriere: Vom Sachsen zum Champions-League-Sieger
Stationen im Überblick
| Verein | Zeitraum | Spiele | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Dynamo Dresden | 1991–1995 | 10 (Bundesliga) | Profidebüt April 1995 |
| TSV 1860 München | 1995–1998 | 78 | Identifikationsfigur |
| FC Bayern München | 1998–2006 | 163 (Bundesliga) | 6 Meisterschaften, CL-Sieg |
Wichtige Fakten zur Karriere
- Geburtsort: Görlitz, Sachsen. Bis zum zwölften Lebensjahr spielte er bei Motor Görlitz, dann wechselte er in die Jugend von Dynamo Dresden.
- Profidebüt: 1. April 1995 für Dynamo Dresden – ausgerechnet gegen seinen späteren Verein TSV 1860 München.
- Wechsel zu Bayern 1998: Zunächst umstritten – sowohl 1860-Fans als auch Bayern-Anhänger nahmen ihm den Schritt zum Stadtrivalen übel. Doch Jeremies avancierte schnell zum Publikumsliebling in München.
- Champions League 2001: Das Karriere-Highlight. Im Halbfinale spielte Jeremies nur zwölf Tage nach einer Knieoperation und erzielte den Siegtreffer zum 2:1 gegen Real Madrid – das sicherte Bayern den Finaleinzug. Im Finale selbst fehlte er wegen einer zweiten Knieoperation, wurde aber trotzdem Champions-League-Sieger.
- Karriereende 2006: Anhaltende Knieverletzungen zwangen ihn mit 32 Jahren zum Aufhören. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt er am 13. Mai 2006 beim 3:3 gegen Borussia Dortmund.
Titel mit dem FC Bayern München
- 6× Deutscher Meister: 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006
- 4× DFB-Pokal: 1998, 2000, 2003, 2005
- 1× Champions League: 2001
- 1× Weltpokal: 2001
Nationalmannschaft: 55 Länderspiele, ein WM-Finale
Zwischen 1997 und 2004 bestritt Jeremies 55 Länderspiele – kein einziges Tor, was perfekt zu seiner Rolle passte. Er war der Mann, der anderen den Raum freimachte.
Turnierteilnahmen:
- EM 2000 (Belgien/Niederlande): Deutschland schied in der Gruppenphase aus
- WM 2002 (Japan/Südkorea): Deutschland überraschend im Finale – 0:2-Niederlage gegen Brasilien
- EM 2004 (Portugal): Erneutes Vorrunden-Aus
Die WM 2002 ist das sportliche Highlight seiner Nationalmannschaftszeit. Mit dem deutschen Team, dem kaum jemand den Finaleinzug zugetraut hatte, schaffte Jeremies das Beste: Vize-Weltmeister. Das reicht für den Rest des Lebens.
Persönlichkeit: Der Terrier mit den Toten Hosen
Jeremies hat eine Facette, die man nicht erwartet: Er ist bekennender Fan der Toten Hosen – der Düsseldorfer Punkband, die in einem ihrer Songs die Zeile hat „Ich würde niemals zum FC Bayern München gehen“. Jeremies, der mehrere Jahre für Bayern spielte, bewarb sich 2012 trotzdem ganz regulär für ein Wohnzimmerkonzert der Band. Zusammen mit 4.500 anderen. Er bekam es – und Campino & Co. spielten im Partykeller seines Münchner Hauses.
Das ist Jeremies in einem Satz: bodenständig, authentisch, ohne Allüren.
Die Stiftung: „Der Jugend ihre Zukunft“
Seit 2001 – also noch während seiner aktiven Karriere – betreibt Jeremies seine Stiftung. Die Projekte:
- Hamburg: Regelmäßige gesunde Mahlzeiten und Nachhilfe für benachteiligte Kinder
- Sibirien: Unterstützung eines Kinderheims
- Zwickau: Förderung eines Kinderhauses
Die Stiftung läuft ohne große Medienbegleitung. Jeremies ist persönlich involviert, macht aber keine Show daraus – typisch für ihn.
Warum Jeremies keine TV-Karriere machte
Die naheliegende Frage: Warum ist er nicht wie viele Weggefährten als Experte bei Sky, DAZN oder der ARD zu sehen?
Die Antwort liegt in seiner Persönlichkeit. Jeremies war nie ein Mann der großen Worte – auf dem Platz redete er mit dem Körper, nicht mit dem Mund. Diese Charaktereigenschaft hat er nach der Karriere beibehalten. Er sieht keinen Grund, öffentlich zu kommentieren, was andere Spieler besser oder schlechter machen.
Dazu kommen die gesundheitlichen Erfahrungen: Die jahrelangen Kniebeschwerden, die seinen Karriereabschluss erzwangen, haben Jeremies gelehrt, dass das Leben nach dem Profigeschäft eigene Qualitäten hat. Er schätzt die Ruhe.
Vermögen: Was blieb von der Bayern-Karriere?
Exakte Zahlen kennt niemand außer Jeremies selbst. Schätzungen aus Medienberichten:
- Jahresgehalt bei Bayern München: geschätzt rund 1,5 Millionen Euro im Schnitt
- Gesamtverdienst FC Bayern (8 Jahre): rund 12 Millionen Euro brutto inklusive Prämien
- Werbeeinnahmen: schätzungsweise 2–3 Millionen Euro während der aktiven Zeit
- Geschätztes Gesamtvermögen: rund 15–20 Millionen Euro
Jeremies war zu einer Zeit aktiv, als die Bundesliga-Gehälter deutlich unter den heutigen Dimensionen lagen. Dennoch hat er mit seinen Einnahmen offensichtlich solide gewirtschaftet – das ruhige Leben in Ottobrunn und die Stiftungsarbeit sprechen für nachhaltige Entscheidungen.
Ein Leben nach dem Rampenlicht
Jens Jeremies hat sich aus dem Fußball-Tagesgeschäft zurückgezogen und ist damit konsequenter als die meisten seiner Weggefährten. Er war Spielerberater, betreibt eine Stiftung und lebt in Ottobrunn – weit entfernt von TV-Studios und Pressekonferenzen.
Was bleibt, ist ein Karriere-Erbe, das sich sehen lassen kann: Champions-League-Sieger, Vize-Weltmeister, 55 Länderspiele, sechs Bundesligatitel. Und die Gewissheit, dass man im Fußball keine Tore braucht, um unvergessen zu bleiben.

