Fünf Tore gegen St. Pauli. Das klingt nach einem normalen Samstag für den FC Bayern München in dieser Saison. Aber das 5:0 vom Wochenende war kein normales Spiel – es war ein historischer Moment, der über 50 Jahre Bundesliga-Geschichte neu sortiert hat. Mit nunmehr 105 Saisontoren haben die Münchner den Allzeitrekord gebrochen, der seit 1971/72 Bestand hatte. Gerd Müller und Uli Hoeneß hatten damals 101 Tore markiert. Jetzt sind Harry Kane und Jamal Musiala ihre Nachfolger in den Geschichtsbüchern.
Der Rekord-Moment: Goretzka und der Spielball
Kurios, wie der historische Treffer fiel. Musiala traf zum 1:0 – Tor Nummer 102, Einstellung des Rekords. Dann war es Leon Goretzka, der mit dem 2:0 den alleinigen Bestwert herstellte. Und wusste es zunächst nicht. „Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm“, gestand er nach dem Abpfiff – nachdem man ihm erklären musste, warum ihm der Spielball in die Hand gedrückt wurde.
Solche Momente passieren nur bei Teams, die in einer Saison so dominant sind, dass Rekorde zur Routine werden.
3,57 Tore pro Spiel im Schnitt. Das ist keine Formsache – das ist Struktur. Vincent Kompany hat aus Bayern eine Tormaschine gebaut, die auch bei Rotation, auch gegen Abstiegskandidaten, auch nach CL-Wochen nicht aufhört zu treffen.
Kane und Olise überholen Dzeko und Grafite
Parallel fiel ein zweiter Rekord. In der Wolfsburger Meistersaison 2008/09 kamen Edin Dzeko und Grafite zusammen auf 65 Torbeteiligungen – das gefährlichste Stürmer-Duo in der Bundesliga-Geschichte. Vergangenes Wochenende überholten Harry Kane und Michael Olise diese Marke: 66 Torbeteiligungen, neue Nummer eins.
Dzeko verfolgt das vom Krankenlager aus. Der Schalke-Stürmer fehlt verletzt, kämpft um seine Rückkehr für das Aufstiegsrennen in der 2. Bundesliga. Der Verlust des Rekords dürfte ihn schmerzen – aber er wird ihn pragmatisch sehen. Wer in diesem Tempo von Kane und Olise überboten wird, verliert gegen Ausnahmequalität, nicht gegen eine bessere Version von sich selbst.
Die ewige Bestenliste: Bayern dominiert komplett
Ein Blick in die historischen Zahlen zeigt, wie absurd die aktuelle Saison einzuordnen ist:
| Saison | Verein | Tore |
|---|---|---|
| 2025/26 (lfd.) | FC Bayern München | 105+ |
| 1971/72 | FC Bayern München | 101 |
| 1999/2000 | FC Bayern München | 100 |
| … | Weitere Bayern-Saisons | 90er-Bereich |
| 1981/82 | Hamburger SV | 95 |
| 2021/22 | Borussia Dortmund | 85 |
Plätze eins bis acht in der ewigen Torrekord-Tabelle der Bundesliga: alles Bayern. Erst auf Rang neun oder zehn taucht ein anderer Verein auf – der HSV aus 1981/82 mit 95 Treffern. BVB-Fans können sich ihren Vereinsrekord von 85 Toren aus 2021/22 merken – er liegt weit außerhalb der Bayern-Sphäre dieser Saison.
Bei gleichbleibender Quote könnten die Münchner die Saison mit über 120 Toren beenden. Fünf Spiele bleiben.
Was das für Wettende bedeutet
Bayern Over-Tore-Märkte sind in dieser Saison systematisch unterbewertet. Bei 3,57 Toren pro Spiel im Schnitt sind Over 2,5 und Over 3,5 in jedem Bayern-Spiel die statistisch stärksten Linien der Liga. Wer das die gesamte Saison gespielt hat, hat gewonnen.
Für die verbleibenden fünf Spiele: Stuttgart (Heimspiel für Bayern), Gladbach, Frankfurt, Wolfsburg, Freiburg. Bei dieser Torquote ist Over 2,5 in allen fünf Spielen die strukturell begründete Position.
Schalke-Aufstiegsquoten haben durch Dzekos Verletzung leicht angezogen. Sein Comeback-Datum ist unbekannt – Schalke führt die 2. Bundesliga mit 60 Punkten, aber der direkte Aufstieg ist noch nicht sicher. Wenn Dzeko zurückkommt, könnte Schalke nochmals Stabilität gewinnen.

