
Die Wut war Laura Siegemund nach ihrem Doppel-Erfolg in Rom deutlich anzumerken. Statt über den sportlichen Erfolg zu sprechen, hielt die deutsche Tennisspielerin eine bemerkenswert emotionale Abrechnung mit übergriffigen Zuschauern – und insbesondere mit Wett-Fans, die ihrer Meinung nach zunehmend zur Belastung im Profitennis werden.
Nach dem Auftaktsieg beim WTA-Turnier in Rom platzte der 38-Jährigen im Interview endgültig der Kragen. Sie sprach von einer „Gruppe völlig Gestört“ und kritisierte Zuschauer scharf, die Spielerinnen während laufender Ballwechsel provozieren, beleidigen oder gezielt aus dem Konzept bringen.
Siegemund geht auf Zuschauer los
Auslöser der emotionalen Reaktion war offenbar ein Mann auf der Tribüne, der Siegemund und ihre Doppelpartnerin Vera Zvonareva während der Partie immer wieder lautstark störte. Laut Medienberichten soll es sich dabei um einen Wett-Fan gehandelt haben, der Geld auf das Match gesetzt hatte.
Nach dem Match suchte Siegemund sogar direkt die Konfrontation mit dem Zuschauer. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie die Deutsche nach Spielende auf den Mann deutet und sich ein kurzes Wortgefecht liefert.
Am Sky-Mikrofon wurde die erfahrene Tennisspielerin anschließend ungewöhnlich deutlich. Die Zuschauer würden „alles kaputt machen“, wetterte Siegemund. Solche Personen gehörten ihrer Meinung nach „nicht auf eine Tennisanlage“. Besonders störend sei gewesen, dass die Zwischenrufe mitten in Ballwechseln oder während kurzer Pausen erfolgt seien.
Wett-Szene wird für Spieler zunehmend zum Problem
Das Thema ist im internationalen Tennis längst kein Einzelfall mehr. Immer häufiger berichten Profis von aggressiven Zuschauern, die aufgrund verlorener Sportwetten Spieler beleidigen oder bewusst unter Druck setzen. Vor allem bei kleineren Turnieren oder Matches auf Nebenplätzen kommt es regelmäßig zu verbalen Attacken.
Siegemund sprach genau dieses Problem offen an. Besonders die Gruppe von Menschen, die ausschließlich wegen Sportwetten auf die Anlage komme, gehe „über alle Grenzen“. Die Deutsche forderte deshalb auch ein härteres Eingreifen der Sicherheitskräfte.
Dabei machte die frühere Top-30-Spielerin ausdrücklich klar, dass sie leidenschaftliche Stimmung und emotionale Fans grundsätzlich schätzt. Gerade die besondere Atmosphäre bei großen Tennisturnieren sei eigentlich ein wichtiger Teil des Sports. Doch zwischen Unterstützung und respektlosem Verhalten gebe es klare Grenzen.
Unterstützung für Siegemund wächst
In sozialen Netzwerken erhielt Siegemund nach ihrem emotionalen Auftritt viel Zustimmung. Zahlreiche Fans und Experten lobten die Offenheit der Deutschen und bezeichneten ihre Aussagen als längst überfällig.
Denn das Problem betrifft inzwischen nicht mehr nur einzelne Spielerinnen oder Spieler. Auch auf der ATP- und WTA-Tour wächst die Sorge über den zunehmenden Einfluss von Wettanbietern und aggressiven Wettern auf den Tribünen.
Siegemund zählt seit Jahren zu den erfahrensten deutschen Tennisspielerinnen und gilt als äußerst direkte Persönlichkeit. Die gebürtige Filderstädterin spricht Probleme meist offen an – auch wenn ihre Aussagen gelegentlich polarisieren.
Klare Worte mit Signalwirkung
Mit ihrer Wutrede in Rom hat Siegemund nun ein Thema angesprochen, das im Profitennis bislang oft eher hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde. Dass Spieler während Matches zunehmend Zielscheibe von Wett-Fans werden, scheint sich immer stärker zu einem ernsthaften Problem zu entwickeln.
Die Deutlichkeit ihrer Aussagen zeigt vor allem eines: Die Geduld vieler Profis ist offenbar am Limit angekommen. Und die Forderung nach konsequenterem Schutz der Spieler dürfte nach den Szenen von Rom weiter an Fahrt aufnehmen.

